Stein Altstars zeigen, wie man den Ball streichelt

Stein / Von Hardy Kromer 10.08.2018
Die Klaus-Fischer-Fußballschule ist zu Gast beim TSV Stein. Mit am Ball: die 78-jährige Ruhrpott-Legende Horst Gecks.

Der Ball muss euer Freund sein! Eng am Fuß führen! Nicht drei Meter weg. Sonst lacht nur der Gegner“ schallt es im Ruhrpott-Slang über das Steinemer Großholz. Der grauhaarige Senior, der die kleinen Buben anweist, ist ein Mann, dem man einst nachsagte, dass der Ball an seinem Fuß klebe wie kaum einem Zweiten. Der perfekt mit der „Pille“ umzugehen wusste. Deshalb nannten sie ihn auch „Pille“: Horst Gecks, in den 1960er-Jahren einer der ersten Bundesliga-Kicker im Dress des MSV Duisburg, 1970 Siegtorschütze im DFB-Pokalfinale für die Offenbacher Kickers, ist inzwischen 78 Jahre alt, und der Ball ist noch immer sein Freund.

Als Mitglied des Trainerteams der Klaus-Fischer-Fußballschule ist „Pille“ Gecks seit Freitagmorgen und noch bis Sonntagnachmittag zu Gast beim TSV Stein und versucht, zwei Dutzend Jungs im Alter von sechs bis 15 Jahren die Grundlagen des Fußballspiels beizubringen. Los geht’s an diesem Vormittag mit der konzentrierten Ballführung mit dem Außenrist, immer eng rum um die aufgestellten Hütchen. Wurde vor Jahren im deutschen Fußball vor allem das flotte Passspiel geübt, weil man ja schließlich den Spaniern im Tika-Taka nacheifern wollte, so spielt inzwischen wieder das Dribbling eine größere Rolle. Schließlich haben die jüngsten großen Turniere auch der DFB-Nationalmannschaft schmerzlich vor Augen geführt, dass es ohne individuelle Klasse und Durchsetzungskraft nicht geht. „Dribbeln können die Kinder heute oft nicht mehr“, sagt Gecks. „Aber das ist die Basis des Fußballspiels.“ Dazu braucht es auch Körperbeherrschung. Deshalb lässt der Altstar die Kinder bei der nächsten Übung auf einem Bein im Slalom hüpfen. Koordination will geschult sein.

In der anderen Gruppe, bei den Älteren, werden derweil schon kurze Pässe geschult. Hier hat ein anderer Hochkaräter das Sagen: Vlado Saric, ehemaliger jugoslawischer Jugendnationalspieler, der in seinen besten Tagen zusammen mit Willi („Ente“) Lippens für Rot-Weiß Essen in der Bundesliga spielte. Der noch berühmtere Mann, Klaus Fischer, nach dem die in Gelsenkirchen beheimatete Fußballschule benannt ist, war am ersten Trainingstag in Stein noch nicht dabei. „Der Klaus ist heute noch auf Fehmarn“, erklärte Jürgen Wilhelm, der das Gastspiel in Stein für die Fußballschule organisiert hat. „Aber er wird heute noch 871 Kilometer fahren, damit er am Samstagmorgen pünktlich auf dem Platz stehen kann.“ Am Samstag und am Sonntag will der zweiterfolgreichste Torjäger der Bundesliga-Geschichte persönlich mit den Jungs in Stein trainieren.

Darauf freuen sich erklärtermaßen auch Marcel Oesterle, der Jugendleiter des TSV Stein, und sein Stellvertreter Stefan Bulach, die die Klaus-Fischer-Fußballschule erstmals in den Raum Hechingen geholt haben. Mit der Zahl von 24 angemeldeten Kindern sind sie durchaus zufrieden. „Die meisten sind aus unserem Verein“, sagt Oesterle. „Und darauf kommt es uns vor allem an: dass unserer Jugend etwas geboten wird.“ Nur von auswärts hätten es noch ein paar Teilnehmer mehr sein dürfen. Lediglich aus dem Killertal sind noch ein paar Jungs dazugestoßen.

Alle – ob Auswärtige oder Einheimische, ob Bambini oder B-Jugendliche – stürzten sich mit dem gleichen Feuereifer in den ersten Tag. Am Wochenende folgen noch weitere Trainingseinheiten. Und wer weiß? Wenn am Sonntagnachmittag alles vorbei ist, dann klebt ihnen vielleicht nicht nur die „Pille“ am Fuß, sondern es klappt womöglich schon der eine oder andere Fallrückzieher à la Klaus Fischer.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel