Hechingen Altstadtbrand: Froh, noch am Leben zu sein

SABINE HEGELE 05.11.2013
Die Feuerwehrmänner waren froh, "lebendig rausgekommen zu sein" aus dem Gebäude Marktstraße 1, das am 6. Februar 2012 völlig niederbrannte. Der Sachverständige vermutet als Ursache einen Glimm- oder Schwelbrand.

Ein erster Zwischenbericht des Sachverständigen Karl-Heinz Simon stand am Ende des gestrigen Verhandlungstages in Sachen Hechinger Altstadtbrand. Unter Berücksichtigung der gehörten Feuerwehrmänner geht der Diplomingenieur aus Freiburg von einem Glimm- oder Schwelbrand in einem verdeckten Bereich des Gebäudes aus, wobei er die "Brandzündung" eher "im westlichen Bereich", entweder im Erdgeschoss (Bereich ehemalige Wäscherei) oder in einem darüber liegenden Abstellraum, vermutet. Sich genauer festzulegen war der Brandursachenermittler nicht bereit, weil ihm die Brandruine zur Spurensuche nicht zur Verfügung stand. Die hatte wegen Einsturzgefahr schnellstens abgebrochen werden müssen. Ebenso wenig ließ er sich eindeutig darüber aus, ob das Auftauen einer Wasserleitung bei offener Flamme den Brand verursacht haben könnte. Möglich sei das, sagte Simon - aber nicht mehr. Grundsätzlich nie auszuschließen sei, dass auch ein technischer Defekt ursächlich für den Großbrand in der Hechinger Altstadt gewesen sein könnte.

Um hier ein wenig mehr Licht ins Dunkel zu bringen beantragte Staatsanwalt Markus Engel, einen weiteren Sachverständigen (vom Tüv Süd in Filderstadt) vorzuladen. Er soll Angaben darüber machen können, mit welcher Wärmequelle das Auftauen einer gefrorenen Wasserleitung tatsächlich möglich ist - und wie lange so etwas dauert. Als Gebäudeingenieur könne der Mann vom Tüv hierzu detaillierter Auskunft geben als der Brandursachenermittler (was dieser bestätigte).

Dass am Tag des Brandes zumindest von einem der beiden Beschuldigten mit einer offenen Flamme (aus einer "Art Brenner", montiert auf einer Gasflasche) im Gebäude Marktstraße 1 hantiert wurde, bestätigte die Ex-Verlobte des Hauseigentümers - weil sie die Flasche selbst gehalten habe, während der Mitangeklagte ihres Ex die Flamme entzündete. In den Räumlichkeiten der ehemaligen Wäscherei. Verwertbare weitere Aussagen machte die mit eigenem Rechtsbeistand erschienene 47-jährige Französin kaum - unter Tränen verwies sie darauf, sich eigentlich an gar nichts mehr erinnern zu können, weil sie am Tag vor dem Großbrand ein traumatisches Erlebnis gehabt habe, das bis heute ihr Leben präge. Selbst an einen Besuch ihres früheren Verlobten (Trennung war im Mai dieses Jahres) vor kaum drei Wochen wollte sie sich zunächst nicht mehr erinnern, räumte dann aber doch ein, noch ab und an mit ihm in Kontakt zu stehen.

Ein offenes Feuer gesehen haben will am Brandtag außerdem eine Zeugin, die mittags an dem Gebäude vorbeigefahren war. Als ihr Blick im Fahren nach links in die ehemalige Wäscherei fiel, habe sie einen Mann mit "etwas Länglichem" in der Hand dabei beobachtet, wie er "wie Rumpelstilzchen" versucht habe, kniehohe Flammen auszutreten.

Vor Ort zunächst überhaupt kein Feuer ausmachen konnten die Feuerwehrmänner. Das habe den Einsatz so unberechenbar gemacht: "Für uns ist es am gefährlichsten, wenn wir nicht wissen, wo das Feuer herkommt", sagte etwa Frank Huber. So wars an jenem 6. Februar lange Zeit - bis es schließlich zum "Flashover" (Rauchgasdurchzündung) kam. Die Hitze im Gebäude sei danach so enorm gewesen, dass sie unter die Schutzkleidung kroch und einen Sonnenbrand auf der Haut hinterlassen habe. Helme und Masken, Jacken und Hosen hätten nach dem Einsatz entsorgt werden müssen. Alle Wehrmänner vermuteten vor Gericht einen Schwelbrand, entstanden irgendwo zwischen Erd- und erstem Obergeschoss - und bekannten, ihr Leben in Gefahr gesehen zu haben.

Info Am Montag, 11. November, wird die Verhandlung fortgesetzt.