Umweltfrevel Altöl-Spur führt nach Höfendorf

Rangendingen / Andrea Spatzal 04.05.2017

Die Falle ist zugeschnappt: Der Abwasserzweckverband (AZV) Hirrlingen-Starzeltal hat mit Unterstützung der Polizei alles daran gesetzt, dem Umweltfrevler schnell auf die Spur zu kommen, der Altöl ins Abwassersystem eingeleitet hat. Und tatsächlich: „Aufgrund gefundener Spuren ist die Polizei überzeugt, dass der Täter aus Höfendorf kommt“, teilt die Gemeindeverwaltung Rangendingen im neuen Amtsblatt mit. Christoph Wild, Bürgermeister von Hirrlingen und Vorsitzender des AZV Hirrlingen-Starzeltal, bestätigte am Mittwoch gegenüber der HZ ebenfalls, „dass jedes Vorkommnis in Höfendorf lokalisiert wurde“.

Denn nicht nur Anfang April gelangte Altöl durch den Kanal ins Klärwerk des AZV in Bietenhausen, sondern auch schon davor: Im Oktober und November 2016 wurden insgesamt drei Fälle registriert. Anfang November waren es etwa fünf Liter Altöl, die jedoch rechtzeitig abgefangen werden konnten, ähnlich viel bei zwei Vorfällen im Oktober. Die Polizei hatte die Ermittlungen aufgenommen und schon damals vermutet, dass der Täter aus Bietenhausen oder Höfendorf kommen muss.

Inzwischen hat sich der Verdacht erhärtet, das Höfendorf die Quelle des wiederholten Umweltfrevels ist. Der Täter ist zwar noch nicht gefasst, aber „der Kreis wird enger“, sagt Christoph Wild. Mosaiksteinchen bringen die Umweltexperten von der Polizei in Balingen dem Täter Schritt für Schritt näher.

„Wir haben mobile Probenehmer, sogenannte ,Sielhaut-Aufwuchskörper’ ins Abwassernetz eingesetzt, um den Verursacher zu ermitteln“, erklärt der Verbandsvorsitzende. Sielhäute sind Bakterienhäute, die auf der Innenseite von Abwasserkanälen wachsen. Sie verfügen über ein Speichervermögen unter anderem für schwermetallhaltige Verbindungen. So konnte unter anderem auch nachgewiesen werden, dass das Öl nicht über einen öffentlichen Kanal eingeleitet wurde. „Es wurden auch alle Schächte in Höfendorf kontrolliert“, so Wild. Außerdem habe die Polizei Proben von dem Altöl genommen, um herauszufinden, ob es sich um Motor- oder Hydrauliköl handelt. Die Proben werden derzeit ausgewertet.

Die Schäden an der Kläranlage sind erheblich. Beim letzten Vorfall am 1. April hat der Betriebsleiter der Kläranlage Hirrlingen-Starzeltal sage und schreibe 20 Liter Altöl im Sand- und Fettfangbecken festgestellt. Nur weil er sofort und richtig reagiert hat, konnte ein Totalausfall der Anlage verhindert werden. Wären die Bakterien in den Klärbecken geschädigt worden, läge die Schadenshöhe womöglich im sechsstelligen Bereich.

„Aber schon die Kosten für die Beseitigung des angeschwemmten Schmierstoffs lagen erneut bei zirka 3000 Euro“, rechnet der Verbandsvorsitzende die hohen Verluste für den Abwasserverband zusammen, und verschweigt auch nicht, dass am Ende der Gebührenzahler für den Umweltfrevel büßen muss, wenn der Täter nicht gefasst wird. Vergehen von unerlaubtem Umgang mit Abfällen werden mit hohen Bußgeldern bestraft. Bürgermeister Wild kann nicht verstehen, wer heutzutage noch so fahrlässig handelt. Die Bürger seien doch für den Umweltschutz sensibilisiert und auch die fachgerechte Entsorgung von Schadstoffen sei relativ einfach zu bewerkstelligen.

Auch die Gemeindeverwaltung Rangendingen appelliert eindringlich „an den gesunden Menschenverstand“ der Bürger: „Ein solch unverantwortliches Handeln ist nicht nachvollziehbar. Altöl im Abwasser ist extrem gefährlich für die Umwelt und führt, wie in diesem Fall, zu hohen finanziellen Schäden.“

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-stellig wäre die Schadenshöhe, wenn die bakterielle Reinigung in der Kläranlage durch das Altöl zerstört worden wäre. Aber auch so erwartet den Täter ein hohes Bußgeld.