Hechingen Alter schützt nicht vor Sucht

Sie leiten die neue Seniorengruppe der Suchtkrankenhilfe in Hechingen (von links): Engelbert Mangler, Karin Flaiz und Anselm Schneider. Foto: Bernd Ullrich
Sie leiten die neue Seniorengruppe der Suchtkrankenhilfe in Hechingen (von links): Engelbert Mangler, Karin Flaiz und Anselm Schneider. Foto: Bernd Ullrich
Hechingen / BERND ULLRICH 24.01.2012
Alter schützt, so sagt es ein Sprichwort, vor Torheit nicht. Aber auch nicht vor Suchtkrankheiten: Die Statistikkurve zeigt steil nach oben. Der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Hechingen bietet gezielte Hilfe.

Sie kommt in allen Gesellschaftsschichten und in jedem Alter vor: Die Suchterkrankung. Darunter wird die psychische, körperliche und auch soziale Abhängigkeit von einem Suchtmittel oder auch einer Verhaltensweise verstanden.

Wer kennt ihn nicht, den flotten Spruch. "Ein Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren oder auch zwei, oder drei". Oder auch: "Auf einem Bein steht sichs schlecht". Die Grenzen zwischen Genuss und Gefahr sind beim Alkohol fließend - sehr wohl auch bei älteren Menschen. Alkoholkonsum verändert den Menschen, seine Sicht- und Verhaltensweisen und damit auch die Maßstäbe, mit denen man sein eigenes Trinkverhalten bewertet. Aber auch der Missbrauch von Medikamenten kann zur Abhängigkeit, zur Suchterkrankung führen. Bestimmte Medikamente, zu lange in zu großer Dosis eingenommen, können krank machen. Suchtkrank.

Die demografische Entwicklung zeigt, dass der Mensch immer älter, und das Problem des riskanten Konsums von Suchtmitteln nicht kleiner wird. Diesem Umstand trägt der Hechinger Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe in Kooperation mit dem Landkreis Zollernalb und der Diakonie Rechnung. Ab Montag, 6. Februar, trifft sich jeden ersten Montag im Monat um 18 Uhr im Gruppenraum der Caritas, Gutleuthausstraße 8 in der Hechinger Unterstadt, eine neue Seniorengruppe. Eingeladen sind ältere Menschen, die ihre Konsumgewohnheiten an Wein, Bier, Zigaretten oder anderen Suchtmitteln ändern wollen. Gleichfalls willkommen dazu sind Angehörige - Partner, Töchter, Söhne, andere Verwandte und Freunde.

Es seien, so sagt Engelbert Mangler, Verantwortlicher des Hechinger Freundeskreises, hauptsächlich zwei "Sorten" von Betroffenen festzustellen. Zum einen altgewordene Süchtige und ihre Angehörigen, die ihre Probleme im Prinzip schon kennen. Und zum anderen sind es Menschen, die erst im Alter missbräuchlich konsumieren, und ihre Angehörigen, die das Problem erst jetzt kennen lernen. "Es lohnt sich, etwas zu tun. Für Konsumenten und Angehörige", sind Engelbert Mangler und seine Mitstreiter überzeugt. Es gehe in keinster Weise darum, den moralischen Zeigefinger zu heben, sondern nicht weniger als um die Wiedergewinnung der persönlichen Würde ("Selbstwertgefühl"), eine Verbesserung der Lebensgestaltung und Lebensbewältigung und die Verlängerung eines lebenswerten Lebens.

Durch Gespräche - reden ist Gold, Schweigen macht krank - zwischen Betroffenen, Angehörigen und Menschen, die mit Suchtmitteln Erfahrungen gemacht und Erkenntnisse gewonnen haben, soll eine Reduzierung des riskanten Konsums und der damit oft verbundenen Abstürze und eine Verlängerung der suchtstofffreien Zeit erreicht werden. Engelbert Mangler: "Suchtmittel lösen keine Probleme. Sie beeinträchtigen langfristig Würde und Lebensqualität."

Das Angebot des Freundeskreises ist vertraulich, kostenlos und ohne Vorbedingung.

Info Seniorengruppe des Freundeskreises Suchtkrankenhilfe an jedem ersten Montag im Monat, 18 Uhr, Caritas, Gutleuthausstraße 8 in Hechingen; erstes Treffen 6. Februar.

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