Gedenkstätte Alte Synagoge in Hechingen feiert 30 Jahre Wiedereröffnung

Hechingen / Benedict von Bremen 10.11.2016

Am 19. November 1986 wurde die Synagoge der ehemaligen jüdischen Gemeinde Hechingens, die 1938 in der Reichspogromnacht von Nazi-Schergen zerstört worden war, als Gedenkstätte und Kulturzentrum wiedereröffnet. Anlässlich dieses Ereignisses blickt der Betreiberverein, die Initiative Alte Synagoge Hechingen, auf die vergangenen drei Dekaden zurück – und gleichzeitig in die Zukunft.

Am kommenden Sonntag, 13. November, wird um 16 Uhr die Ausstellung „30 Jahre Alte Synagoge Hechingen – (mehr als) 30 Höhepunkte“ eröffnet. Seit 1986 fanden in der Alten Synagoge mehr als 500 Veranstaltungen statt: Gedenkstunden, Vorträge, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und vieles mehr, von denen eine Auswahl in der Ausstellung dargestellt wird.

Langjährige Begleiter/innen der Alten Synagoge werden an diesem Sonntagnachmittag ihre Erinnerungen teilen: Katja Rambaum (Organisatorin der Reihe „Freitagabend in der Synagoge“ von 1986 bis 1992), Dr. Norbert Kirchmann (langjähriges Vorstandsmitglied und Planer des Kulturprogramms) und Rudolf Guckelsberger (Sprecher in der Reihe „Literatur und Musik“). Heiner Wolf von der Firma Wolfmediendesign, welche für die Gestaltung der Ausstellung zuständig ist, wird das Ausstellungskonzept erläutern. Die musikalische Gestaltung des Nachmittages übernehmen der Pianist Clemens Müller und die Sopranistin Wei-Chen Chen. Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung kann vom 14. bis zum 20. November in der dann täglich von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffneten Synagoge in der Goldschmiedstraße 20 besucht werden. Ab 27. November ist die Ausstellung immer sonntags zu den regulären Öffnungszeiten von 14 Uhr bis 17 Uhr zu sehen. Am Sonntag, 20. November, findet in der Alten Synagoge ab 16 Uhr eine Gesprächsrunde über die Gegenwart und Zukunft von Synagogen als Gedenkstätten statt. Prof. Dr. Reinhold Boschki von der Eberhard-Karls-Universität Tübingen) hält den Eröffnungsvortrag „Wenn die Zeitzeugen verstummen. Perspektiven für die Erinnerungskultur heute am Beispiel des Werks von Elie Wiesel“.

Teilnehmer der Gesprächsrunde sind zudem Landesrabbiner Netanel Wurmser, Sibylle Thelen (Abteilungsleiterin des Fachbereichs Gedenkstättenarbeit in der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg), Karl-Hermann Blickle (Vorstand Stuttgarter Lehrhaus – Stiftung für interreligiösen Dialog), Heinz Högerle (Vorsitzender des Gedenkstättenverbundes Gäu-Neckar-Alb), Landrat Günther-Martin Pauli und Bürgermeisterin Dorothea Bachmann. Die ursprünglich ebenfalls angekündigte Parlamentarische Staatssekreträrin Annette Widmann-Mauz MdB kann wegen eines Termines in Berlin nicht an der Gesprächsrunde teilnehmen. Andrej Mouline wird die Veranstaltung mit dem Akkordeon musikalisch umrahmen. Der Eintritt ist frei.

In Kooperation mit dem Stuttgarter Lehrhaus – Stiftung für interreligiösen Dialog finden in den nächsten Tagen zudem zwei Veranstaltungen zur aktuellen Thematik „Flüchtlinge“ statt: Kadir Samci (House of One Berlin) referiert am Montag, 14. November, ab 19 Uhr unter dem Titel „Interreligiöser Dialog aus der Sicht von Muslimen – am Beispiel des Propheten Muhammed“ über Fremde und Verfolgte im Islam. Propst i.R. Dietrich Heyde erläutert das Thema am Mittwoch, 16. November, ab 19 Uhr in seinem Vortrag „Gott hat den Fremdling lieb“ – Biblische Herausforderungen zum Umgang mit Fremden“ aus jüdisch-christlicher Perspektive. Der Eintritt beträgt jeweils acht Euro (ermäßigt sechs Euro).

Die Synagoge und ihre Deckenbemalung

Die Synagoge von Hechingen, erbaut 1767, wurde in den 1880er-Jahren im „Maurischen Stil“ ausgemalt. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge demoliert. Von den 1950ern bis Ende der 1970er-Jahre wurde das Gebäude als Lagerraum benutzt,
bevor sich ab 1979 die Initiative Hechinger
Synagoge e.V. um den Erhalt des Gebäudes bemühte. Am 19. November 1986 wurde die Alte Synagoge wiedereröffnet. Die Restaurierung des Innenraums wurde 1991 abgeschlossen.

Die Deckenbemalung der Alten Synagoge (zu sehen im Bild oben) kann folgendermaßen interpretiert werden: Die zwölf Felder repräsentieren die zwölf Stämme Israels (Genesis 35,21-26) und der Sternenhimmel die Verheißung Gottes an Abraham (Genesis 22,1ff).

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