Beuren Alt-Ortsvorsteher Erwin Gärtig gestorben

Erwin Gärtig ist kurz vor seinem 79. Geburtstag gestorben.
Erwin Gärtig ist kurz vor seinem 79. Geburtstag gestorben. © Foto: Archiv
Beuren / HZ 14.08.2018
Beuren trauert um seinen ehemaligen Ortsvorsteher Erwin Gärtig, der kurz vor seinem 79. Geburtstag gestorben ist.

Ein Mann, der in Beuren so nachhaltige Spuren hinterlassen hat wie kaum ein anderer, ist am Samstag im 79. Lebensjahr gestorben: Erwin Gärtig, ab 1975 Ortschaftsrat und von 1990 bis zum Jahr 2000 Ortsvorsteher des kleinsten Hechinger Stadtteils. In Erinnerung bleibt er als Mann mit festen Ansichten, der sich unermüdlich und mit Herzblut für das Wohl seines Dorfes einsetzte. Mit seiner Amtszeit dauerhaft in Verbindung bleibt der Bau des Dorfgemeinschaftshauses.

Geboren wurde Erwin Gärtig freilich nicht im Hohenzollerischen, sondern in Teplitz im heutigen Moldawien. Im damaligen Bessarabien erblickte er als jüngstes Kind der Eheleute Rudolf und Berta Gärtig am 22. August 1939 das Licht der Welt. Die Familie musste ein Jahr später nach Kleinwöllwitz in Polen umsiedeln, wo sie ein großes landwirtschaftliches Anwesen bewirtschaftete. Im Januar 1945 vertrieb die Sowjet­armee die Gärtigs von ihrem Hof. Der Vater wurde nach Sibirien verschleppt, und die Mutter flüchtete mit ihren vier jüngsten Kindern in den Westen. Im März 1948 war die Familie wieder vereint und erfuhr über einen ehemaligen, aus Mössingen stammenden Landdienstlehrling von einem in Beuren zur Verpachtung ausgeschriebenen Hof.

Als knapp Neunjähriger kam Erwin Gärtig nach Beuren. Zwei Jahre später kaufte die Familie das Anwesen von Albert Wittich in der Talstraße, zog 1954 allerdings nach Bodelshausen um, weil sie dort einen großen Hof bewirtschaften konnte. Der junge Gärtig hatte damals aber schon lange sein Herz an das kleine Dorf unterm Dreifürstenstein verloren. Dort fühlte er sich wohl und hatte einen großen Freundeskreis.

Ab 1954 machte Erwin Gärtig in Hechingen eine Lehre zum Tankwart. Nach der Gesellenprüfung arbeitete er im Kfz-Betrieb von Georg Braun, danach wechselte er nach Mössingen, wo er sich die Kenntnisse eines Automechanikers aneignete. 1963 eröffnete Gärtig eine eigene Tankstelle in Hechingen.

Eine Wende im Berufsleben brachte das Jahr 1966. Fortan war Erwin Gärtig in Bodelshausen im Nato-Tanklager im Bereich Werks- und Feuerschutz tätig. Er trug in den 30 folgenden Jahren die Hauptverantwortung für die einwandfreie Funktion der Fahrzeuge und Geräte. 1996 wurde er Frührentner.

Die Liebe seines Lebens fand Erwin Gärtig in seiner Frau Käthe, geborene Maier, aus Nehren. Im November 1963 heiratete das Paar, und der Ehe entsprossen zwei Söhne und eine Tochter. Eine stattliche Zahl an Enkelkindern war Gärtig eine Freude im Alter.

1968 zog es Erwin Gärtig wieder nach Beuren, wo er in der Ringstraße ein landwirtschaftliches Anwesen erwarb und dieses zu einem wahren Schmuckstück umbaute.

Da ihm sein Heimatdorf seit jeher am Herzen lag, engagierte er sich ab 1975 als Ortschaftsrat. 1990 übernahm er zusätzlich das Amt des Ortsvorstehers. Fortan investierte er viel Herzblut und Zeit in diese Tätigkeit. In seine über zehnjährige Amtszeit als Rathauschef fielen die Weiterführung des Ringstraßenkanals, die Abbiegespur von der B 32 nach Beuren, das Schuppengebiet, die Erschließung etlicher Waldgebiete, die standesgemäße Ausrüstung der Feuerwehr und als Höhepunkt der Bau des schmucken Dorfgemeinschaftshauses.

Neben seinem lokalpolitischen Engagement war Gärtig Gründungsmitglied des einzigen Beurener Vereins Kultur-Umwelt-Sport sowie Mitglied im Obst- und Gartenbauverein Jungingen. Seine Leidenschaft für den Obstbau sah man auch seinem großen Garten an, in dem er bis ins Alter eifrig schaffte.

Am vergangenen Samstag ist Erwin Gärtig gestorben. Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 16. August, um 13.30 Uhr in der Beurener Kirche statt. Anschließend wird er auf dem Friedhof beigesetzt.

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