Stetten/Boll Alle Räte auf dem (Reichenbach-)Damm

Zwölfeinhalb Meter geht es hinab von der Dammkrone bis ins Innere des Durchlassbauwerks. Die Ort­schaftsräte von Boll und Stetten folgten Meta Staudt und Hannes Reis.
Zwölfeinhalb Meter geht es hinab von der Dammkrone bis ins Innere des Durchlassbauwerks. Die Ort­schaftsräte von Boll und Stetten folgten Meta Staudt und Hannes Reis. © Foto: Hardy Kromer
Stetten/Boll / Von Hardy Kromer 08.10.2018
Großbaustelle auf der Zielgeraden: Am Montagabend war Vor-Ort-Termin auf dem gigantischen Reichenbachdamm.

Kaum fassbar, welche Mengen an Erde bewegt, an Beton verbaut wurden, um Stetten und die Hechinger Unterstadt gegen Fluten zu sichern, wie sie 2007 und 2008 heranrauschten. Jetzt ist es bald fertig, das größte Hochwasserschutzprojekt nicht nur Hohenzollerns, sondern auch weit darüber hinaus: das Rückhaltebecken mit massivem, zwölfeinhalb Meter hohem Damm am Reichenbach zwischen Stetten und Boll.

„Ich bin guter Dinge, dass wir nächsten Mai Einweihung feiern können“, sagte Jürgen Haas, der technische Leiter des Hochwasserschutz-Zweckverbandes, als er am Montagabend die Ortschaftsräte von Stetten und Boll über die Baustelle führte, die nicht nur Stettens Ortsvorsteher Hannes Reis „gigantisch“ nannte.

Ideen, wie gefeiert werden soll, gibt es auch schon. Ein Dammfest soll es geben, bei dem die Musikvereine beider Nachbardörfer gemeinsam aufspielen wollen. Anregung aus den Ratsgremien: Wenn das Repertoire flott genug gestaltet wird, dann könnte man „Rock am Damm“ machen.

Bis es so weit ist, gilt es das Betriebsgebäude noch mit der erforderlichen Hightech-Mess-, Steuer- und Regeltechnik auszustatten. Wenn sich dann dereinst über dem Schamental wieder Gewitter ergießen und den Reichenbach füllen, dann werden im Durchlassbauwerk die Schotten dicht gemacht, das Becken wird voll­automatisch und kontrolliert geflutet – „und es wird nur noch so viel durchgelassen, wie Stetten vertragen kann“, erläuterte Haas. Dass Autos durch die Bachstraße schwimmen wie 2007, dürfte dann nach menschlichem Ermessen nicht mehr möglich sein.

Auch die Hechinger Unterstadt sowie Stein und Rangendingen werden es zu spüren bekommen, wenn die Reichenbach-Fluten massiv gebremst sind. Freilich kann dort auch noch die Starzel wüten. „Ist im Killertal eigentlich auch etwas geplant?“ wurde Jürgen Haas gefragt. Antwort des Technik-Chefs: „Da sage ich jetzt nichts dazu.“ Tat er dann aber doch: Das regionale Schutzkonzept habe durchaus auch Maßnahmen am Oberlauf der Starzel empfohlen, doch Jungingen und Burladingen hätten dann ja beim Zweckverband nicht mitgemacht. „Schade!“

Zahlen zum Reichenbachbecken und seinem Damm

12,5 Meter beträgt die Dammhöhe über der Gewässersohle des Reichenbachs.

292 Meter lang ist die Dammkrone.

5 Meter breit ist der Damm an seiner Krone,
57 Meter breit am Fuß.

236 Tausend Kubikmeter Stauvolumen hat das Rückhaltebecken.

7,6 Hektar groß ist die überstaute Fläche, wenn das Becken voll ist. Da bekommt sogar der Hase, das Denkmal an der Gemarkungsgrenze zwischen Stetten und Boll, noch nasse Füße.

1700 Kubikmeter Beton sind für das Durchlassbauwerk verbaut worden.

55 Tausend Kubikmeter Erde wurden bewegt.

4,9 Millionen Euro kostet das gesamte Bauwerk.

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