Einen schöneren Auftakt hätte die Rangendinger Fasnetsaison wohl kaum nehmen können. Bekannte Größen aus Funk und Fernsehen wechselten sich am Samstag auf der Bühne im Gemeindehaus ab. Und das Konzept der neuen und jüngsten Fasnetsgruppe im Ort, die der Alemannen, schien aufzugehen. An die 170 Leute füllten das Mehrgenerationenhaus, in dem es selbst an Stehplätzen mangelte. Mit donnerndem Applaus begrüßten sie die drei Hauptakteure des Abends: Komikerin Elfriede Schäufele & Wommy Wonder, Kabarettist „D’r Leibssle“ und Immer-wieder-sonntags-Star Simon Wild.

„Wir wollen die Saalfasnet im Ort wieder aufleben lassen“, sagt Häswart Thomas Lauinger. Der Vorsitzende der 21 Mitglieder starken und im Jahr 2017 gegründeten Alemannengruppe, Thorsten Zähringer, sah es genauso. Zähringer sprach von einem Mix aus einer Kneipen- und Saalfasnet. Dass aus der Nacht der Alemannen irgendwann einmal eine größere Veranstaltung werden könnte, schließen Zähringer und Lauinger aus. „Dieses Konzept wollen wir auf jeden Fall beibehalten“, betont der Alemannen-Chef. Wie bei der Häsvorstellung im vergangenen Jahr, griffen einige Mitglieder des Musikvereins Höfendorf den Alemannen bei der Bewirtung der Gäste unter die Arme.

Mit dem gruseligen Alemannenglühen nahm der Abend seinen Lauf. Elfriede Schäufele, auch als Wommy Wonder bekannt, sorgte für Unterhaltung, die die Besucher fast von den Sitzbänken riss. Seit mehr als 30 Jahren steht der Travestiekünstler und Kaberettist – Michael Panzer mit bürgerlichem Namen – nun schon auf der Bühne. Mit einem Querschnitt durch all ihre Erfolge, besten Witze und tiefgründigsten Texte präsentierte Elfriede Schäufele Sahnestücke aus 35 Bühnenjahren. Die Sprücheklopferin ist schon viel herumgereist und in den Fasnetssendungen des Südwestrundfunks zu einer unverzichtbaren Figur geworden.

Anfänglich zog sie das Publikum mit einigen lustigen Anekdoten über ihre Auftritte in ihren Bann. Sie erzählte von einer Frau im Publikum, die ihr erwachsenes Kind während des Auftritts stillte oder von ihren Begegnungen mit der Polizei, bei der sie ihre frechen Sprüche fast in Schwierigkeiten gebracht hätten. Sich selbst nimmt die Künstlerin auch nicht so ernst, wie bei ihrer Vorstellung klar wurde. Zu ihren Hobbys zählen Atmen, Schwangerschaftsgymnastik und den Polizeifunk abhören.

Elfriede Schäufele, eine auffällig gekleidete Putzfrau von kräftiger Statur, teilte gerne aus und las einem die Leviten. Im Lied „Ein Hoch auf die Kehrwoche“ bewies die Travestiekünstlerin nicht nur gesangliches Talent, sondern auch jede Menge Tiefgang und die Gabe, kritische Themen in ein witziges Programm einzubinden. Auch die politische Korrektheit nahm Elfriede Schäufele ein wenig auf die Schippe. Dicke ­Kinder gelten bei ihr als „gewichtsbenachteiligt“, dumme Kinder hätten nur „Pech beim Denken“. Auch Kabarettist Eckhard Grauer als „Martin Leibssle“ strapazierte die Lachmuskeln. „D’r Leibssle“ ist ein schwäbisch-bodenständiger Humorist und hält sich für das Maß aller Dinge. Er guckt den Schwaben genau aufs Maul und was er als „Leibssle“ so über Gott und die Welt redet, ist authentisch und saukomisch. Ob er nun über die Hände in den Taschen seiner zerknautschten Hose oder über seinen speckigen Hut schwätzt, laut nachdenkt über seinen Hochdruckstrahler oder die vegetarische Diät seiner Frau: Das alles sind mundartgerechte Anekdoten eines schwäbischen Urgesteins. Zwischendurch sorgte die Rangendinger Lumpenkapelle „Blechputzer“ für weitere Stimmung, bevor die Gäste dann dem Auftritt von Simon Wild, dem Finalisten aus der ARD-Fernsehsendung „Immer wieder sonntags“, entgegenfieberten. Der 22-jährige Industriekaufmann aus Pliezhausen eroberte als Sänger und Musiker nicht nur die Herzen der Fernsehzuschauer, sondern auch die des Rangendinger Publikums. Mit seiner steirischen Harmonika begleitete der Vize-Sommerhitkönig seinen Song „Immer wieder im Sommer“, sang Andreas Gabaliers Lieder und lud zu Volksmusik, Polkas und Walzer zum Schunkeln und Tanzen ein.