Der Vorsitzende der AG Heimat, Bürgermeister Harry Frick, eröffnete am Sonntagnachmittag im Heimatmuseum vor rund 30 interessierten Besuchern die Ausstellung zur Buchpräsentation „Zwischen Front und Heimat – Junginger im Ersten Weltkrieg“. Frick dankte insbesondere Matthias Bumiller und Dr. Casimir Bumiller für die Herausgabe dieses wohl einmaligen Buches.

Mit dieser nochmaligen Ausstellung wollten die beiden Autoren nicht den Ersten Weltkrieg und seinen Verlauf erklären, sondern vielmehr an die 205 Junginger erinnern, die zwischen 1914 und 1918 in den Krieg ziehen mussten. Der jüngste, so Matthias Bumiller, war Johann Bosch, geboren am 27. Oktober 1900, der älteste Matthäus Winter, geboren am 4. Juni 1870. Vier Jahre lang haben praktisch alle Männer zwischen 18 und 44 Jahre im Dorf gefehlt, zeigte Matthias Bumiller auf, das fast ein Fünftel der Bevölkerung des rund tausend Einwohnern zählenden Dorfes betroffen war. 25 junge Männer aus Jungingen sind gefallen.

Aufrufe haben viel Resonanz

Matthias Bumiller erinnerte daran, dass die Aufrufe im Nachrichtenblatt und in der Hohenzollerischen Zeitung von Erfolg gekrönt waren, denn rund ein Dutzend Einwohner haben sich gemeldet und umfangreiches Material zur Verfügung gestellt, um daraus eine Veröffentlichung zu machen. Seit der ersten Ausstellung ist nun das Buch „Zwischen Front und Heimat – Junginger im Ersten Weltkrieg“ mit über 300 Abbildungen und 184 Seiten entstanden. Der Autor dankte auch seinen Eltern Manfred und Rosalinde Bumiller und der gesamten Junginger Bevölkerung für die teils aufwendige Recherche und die Zuordnung der Bilder, Postkarten sowie Dokumente oder auch ein Soldbuch oder ein Militärpass. Matthias Bumiller zeigte sich froh darüber, dass von über der Hälfte der 205 Junginger Soldaten jetzt ein Foto im Buch verwendet werden konnte.

Oft fand er sehr berührende Schriftstücke, wie er sagte, so zum Beispiel das Bittgesuch des Bäckers Adolf Bosch (Beck-Adolf Vater) an die Militärbehörde, seinen verwundeten Sohn Josef  nach der Genesung nicht mehr in den Schützengraben zu schicken, sondern lieber in den Innendienst. Die Bitte, so Matthias Bumiller, wurde natürlich ignoriert, und Josef fiel wenige Monate später, teilte der Autor mit.

Alle Namen mit Erklärungen

Matthias Bumiller dankte auch Klaus Bosch, der alle 205 Junginger aufgelistet hat, die in den Krieg ziehen mussten. Er habe alle Namen mit kurzen Erklärungen versehen, um die Verwandtschaftsverhältnisse besser zu verstehen, wie er sagte, und auch Ludwig Bosch hat neben einer Namensstatistik in knappen Bemerkungen seine persönlichen Erinnerungen an die Soldaten notiert, die Bosch noch selber gekannt hat.

Der aus Jungingen stammende und in Bollschweil bei Freiburg lebende Historiker Dr. Casimir Bumiller, der immer noch einen guten Draht zur AG Heimat hat, kam zu Wort, indem er von den „Fünf Brüdern im Krieg – ein Briefwechsel zwischen Schützengraben und Heimatfront im Ersten Weltkrieg“ berichtete, die ebenfalls im Buch veröffentlicht worden sind. Aus der Familie seines Großvaters, des Junginger Heimatdichters Casimir Bumiller (1861-1930), waren gleich fünf Söhne im Krieg, die eine große Anzahl an Briefen und Feldpostkarten an die Familie, insbesondere an ihre Schwester Frieda, nach Hause schickten. Casimir Bumiller betonte, dies sei heute ein unschätzbarer Fundus und zeige zugleich auf, wie diese fünf Jahre Krieg, die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, eine völlig heile dörfliche Welt zerstörten.

Das einmalige und lesenswerte Buch wurde am 28. Juni 2019, auf den Tag genau 100 Jahre nach Unterzeichnung des Friedensvertrages, des Versailler Vertrags, gedruckt. Es konnte am Sonntag im Heimatmuseum erworben werden.

Das interessiert ebenfalls:

Nabu Hechingen eröffnet Jahresausstellung im Rathaus Die Aussichten sind nicht wirklich glänzend

Hechingen

Ganz viel Geschichte für 20 Euro


Wo zu haben? Das Buch „Zwischen Front und Heimat, Junginger im Ersten Weltkrieg“ kann man kaufen bei Manfred und Rosalinde Bumiller in der Killerstraße 27. Es kostet für 20 Euro. hb