Die Frist ist um – heißt es in Richard Wagners Fliegendem Holländer, als der Schwarze Hauptmann nach sieben Jahren ein weiteres Mal sein Geisterschiff verlässt, um an Land Erlösung zu finden. Während aber die Erlösung in Wagners musikdramatischen Werken regelmäßig sichergestellt ist, weiß man beim Burladinger Bürgermeister Harry Ebert nicht so genau, wie – vielmehr wann? – das Drama endet.

Gegenüber seinen Rathaus-Mitarbeitern hatte er im Juli in einer Versammlung angekündigt, sein Amt Ende Oktober, Anfang November, abgeben zu wollen. Gegenüber dem Gemeinderat sagte er, er werde der Öffentlichkeit den Entschluss im Amtsblatt bekannt geben.

Er sagte allerdings auch, dass er sich seinen Entschluss möglicherweise anders überlegt haben könnte – ganz nach dem Bundeskanzler Konrad Adenauer zugeschriebenen Satz: „Was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an?“

Die Frist ist um. Das letzte Oktober-Amtsblatt der Stadt Burladingen erschien am Mittwoch, aber eine Mitteilung des Bürgermeisters, er werde sich im November ins Privatleben zurückziehen, war darin nicht zu finden.

Es ist also weiterhin alles offen. Vielleicht erscheint die Rücktritts-Ankündigung nächste Woche. Vielleicht erscheint sie übernächste, vielleicht erscheint sie nie, und Harry Ebert bleibt dem Rathaus bis zum Ende seiner offiziellen Amtszeit im Jahr 2023 erhalten.

Dafür, dass er doch noch vor der Zeit geht könnten seine eigenen Worte sprechen. Und ebenso der Umstand, dass seine Frau Christine Kaufmann ihren Posten als Kindergartenleiterin im kommenden Jahr abgibt. Vielleicht, so könnte man vermuten, möchte Harry Ebert zeitgleich mit seiner Frau in den Ruhestand gehen? Zudem soll er ja in der Mitarbeiterversammlung gesagt haben, er wolle neue Herausforderungen auf anderen Betätigungsfeldern suchen. Bei der AfD womöglich? Denkbar.

Gegen den vorzeitigen Rückzug spricht hingegen die Unberechenbarkeit des Bürgermeisters, und die weitere Vermutung, dass ihm sein Posten und vor allem der Rummel um seine Person behagt. Warum sollte er abtreten?

An der von ihm angekündigten Rathausplatz-Eröffnung am 14. Dezember wird er sicherlich noch teilnehmen wollen. Auch hat er verlauten lassen, man wolle die Bande mit Burladingens Partnerstadt Le Plessis-Trévise stärken – was gleichfalls auf sein Verweilen im Rathaus hindeuten könnte. Da er zudem zahlreiche Termine nicht wahrnimmt, die andere Bürgermeister selbstverständlich wahrnehmen, weil sie zu ihren Pflichten gehören und sie von den Bürgern dafür teuer bezahlt werden, dürfte ihm die tägliche Arbeit weniger schwer fallen als den Kollegen, die sich im „Hamsterrad“ wähnen.

Und der Gemeinderat, der ihn regelmäßig und öffentlich hochnotpeinlichen Verhören unterziehen könnte? Der die Möglichkeit hätte, mit Anträgen dafür zu sorgen, dass Dinge erledigt werden, die erledigt gehören? Und der die Macht besäße, mit unerbittlicher Strenge Sitzung für Sitzung nachzufragen, ob das Aufgetragene auch folgsam abgearbeitet wurde?

Nun, mit dem Gemeinderat ist Harry Ebert bisher durch Schnoddrigkeit und Missachtung noch stets fertig geworden. Und da er beständig Sitzungen schwänzt, dräut von der Seite erst recht kein Ungemach, das ihn aus dem Amt treiben könnte.