Hechingen Ach was, die 100 Tage!

Lang, lang ist’s her, so kommt es einem zumindest vor: Philipp Hahn im Wahlkampfmodus beim HZ-Podium am 15. April im „Museum“.
Lang, lang ist’s her, so kommt es einem zumindest vor: Philipp Hahn im Wahlkampfmodus beim HZ-Podium am 15. April im „Museum“. © Foto: Archiv
Hechingen / Ernst Klett 08.09.2018

Gewählt am 29. April mit satten 90 Prozent, Amtsantritt am 1. Juni. Am heutigen Samstag also exakt die ersten 100 Tage auf dem Posten – von insgesamt acht Jahren. Aber irgendwas passt nicht so bei dieser allgemein bekannten Kurzbilanz nach dieser Zeit. Und das bestätigten ausnahmslos alle vier Fraktionssprecher des Hechinger Gemeinderats. Denn eigentlich ist das neue Stadtoberhaupt schon viel länger am Ruder: Seit gut zwei Jahren als amtierender Dauerstellvertreter seiner Vorgängerin Dorothea Bachmann. Außerdem, das muss man ebenfalls einräumen, fällt in diese 100 Tage auch noch der Urlaub vieler Beteiligter, unter anderem auch der der Hauptperson.

Fest steht, dass Philipp Hahn auch weiterhin nichts von seiner Beliebtheit verloren hat. Die Hechinger sind offenkundig tatsächlich in der Lage, etwas Geduld zu üben. Wobei der Bürgermeister diese Woche der HZ gegenüber bestätigt hat, dass ein enormer Erwartungsdruck in der Stadt vorherrscht: Es muss endlich was gehen. Bislang braucht aber absolut niemand denken, dass der neue Mann an der Rathausspitze diesem Wunsch nicht nachkommen würde – er scharrt selbst mit den Hufen. Allerdings ist Hahn als Bürgermeister genau der geblieben, der er schon als Erster Beigeordneter war: Ein Macher mit Realitätssinn. Also nix mit Seilbahn-Plänen für die Zollerburg. Weil Stillstand nicht seins ist, bringt Philipp Hahn auch Themen wie die einst höchst umstrittene Fußgängerzone frohgemut wieder aufs Trapez. Seine offenkundige Begeisterung dafür allerdings hat wohl ein bissle gelitten, als er am vergangenen Samstag ausführlich von seinem neuen Bürgermeisterzimmer über den Marktplatz geschaut hat: Wenn da was geht, dann ausnahmslos mit Autos. Sein Kommentar zur HZ: Das mit der Fußgängerzone müsse genau durchdacht werden!

Andreas Ermantraut, der Vorsitzende der CDU-Fraktion am Hechinger Ratstisch, ist nach 100 Tagen gespannt darauf, wie die Hechingerinnen und Hechinger auf den Nicht-mehr-Beigeordneten reagieren: Als Bürgermeister könne er es, anders als noch im Wahlkampf signalisiert, nicht jedem rechtmachen. Spannung ist nach Ansicht des Sprechers der größten Ratsfraktion aber vor allem angesagt, wenn es nun an die vielen richtungsweisenden Projekte geht. Ermantraut schätzt Hahn so ein, dass er in den vergangenen Wochen intern die Weichen gestellt hat. Die Posten, einschließlich der der neuen Ersten Beigeordneten,sind besetzt. Dass die Führungsmannschaft am Montag und Dienstag in Klausur geht, wird von Andreas Ermantraut ausdrücklich begrüßt.

Werner Beck sagt ganz offen zu den 100 Tagen: „Das ist mir gar nicht aufgefallen!“ Denn, so betont der Freie-Wähler-Vorsitzende: „Es war ja kein richtiger Wechsel“. Einfach weitergelaufen sei es, nachdem Philipp Hahn schon seit zwei Jahren als Vize die Stadt regiert habe. Und das hat er auch aus Sicht der Freien Wähler ausgezeichnet gemacht. Ein Wunsch, was nach 100 Tagen besser gemacht werden sollte, fällt Werner Beck deshalb spontan gar nicht ein.

Noch schwerer mit den 100 Tagen tut sich SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Fischer. Er habe mit Hahn zum ersten Mal im Leben einen CDU-ler gewählt, das müsse als Kommentar reichen. Überzeugt ist Fischer wie sein Vorsitzender-Kollege von der CDU, dass die Arbeit nach dem Urlaub nun vollends angepackt wird. Erst an Weihnachten (!) sehe man, was wirklich Sache ist.

Almut Petersen, die Sprecherin der Bunten Liste, hofft ebenfalls, „dass es jetzt so richtig losgeht“. Nachdem alle Posten in der Verwaltung wieder besetzt sind, müsse „die eine oder andere Sache auf den Tisch“ und könne nicht mehr verschoben werden. Und die 100 Tage? Es waren doch Ferien!

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