Hechingen / Von Sabine Hegele  Uhr
Die Hechinger Hilfsorganisation Kinder brauchen Frieden feiert am wochenende ihr 25-jähriges Bestehen.

Politische Hochkaräter wie Ex-Außenminister Dr. Klaus Kinkel, Ex-Bundesjustizministerin Dr. Herta Däubler-Gmelin, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz und der Bundestagsabgeordnete Dr. Martin Rosemann zählten zu den Gästen der Feierlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Bestehens von Kinder brauchen Frieden. Dafür leider beschämend wenige Hechinger. Das Fest der Hilfsorganisation hätte mehr Besucher verdient gehabt. Zumal das Jubiläumsprogramm ein sehr ansprechendes war. Schade.

Diejenigen, die gekommen waren, erlebten einen Tag geprägt von Anerkennung, Dankbarkeit und auch politischen Statements. Letztere wurden bereits bei der offiziellen Eröffnung durch Bürgermeister-Stellvertreter Jürgen Fischer deutlich: 25 Jahre Kinder brauchen Frieden sei „eigentlich kein Grund zum Feiern“, denn das langjährige Bestehen der Organisation mache deutlich, dass ihre Arbeit „hier und überall auf der Welt nach wie vor notwendig ist“. Fischer stellte außerdem unmissverständlich fest, dass Kinder brauchen Frieden seine Projekte in den ärmsten der armen Länder in all den Jahren nie im Stich gelassen habe: „KbF ist immer geblieben – auch nachdem die Kameras der Medien längst abgeschaltet und auf dem Weg zur nächsten Katastrophe unterwegs waren.“

Für dieses nachhaltige Engagement hatte Jürgen Fischer im Auftrag der Stadt Hechingen einen Spendenscheck über 500 Euro mitgebracht, den er an den Vereinsvorsitzenden Jürgen Müller überreichte. Mit ihm schnitt er danach die Jubiläumstorte an, die das Unternehmen Sternenbäck für den Samstag in der Stadthalle „Museum“ gestiftet hatte.

„25 Jahre Kinder brauchen Frieden im Hause Bierlmeier“ – so war die Fotoausstellung überschrieben, die in der Folge Conny Bierlmeier, mit ihrem verstorbenen Mann Michael Mitbegründerin der Organisation und langjährige Vorsitzende, eröffnete. Einen musikalischen Glanzpunkt setzte hier deren Tochter Jyoti mit dem Liedbeitrag „When the children cry“. Conny Bierlmeier selbst richtete den Blick zurück auf die Anfänge und die weitere Entwicklung der Hechinger Hilfsorganisation. Großes Leid habe sie gesehen – und sehe sie immer noch. Viele Türen geöffnet habe der Organisation vor allem in den Anfangsjahren Klaus Kinkel. Dafür dankte ihm Conny Bierlmeier – rief ihm und den anderen Gästen aber im gleichen Atemzug zu: „Ich verstehe die Politik nicht – wir schauen wieder nur zu“ – und verwies damit auf die aktuelle Lage im Kongo.  Kinder brauchen Frieden werde das nicht tun.

Genau das machte Conny Bierl­meier auch im Rahmen des Podiumsgesprächs unter dem Titel „Unser Herz ist weich, aber unsere Möglichkeiten endlich“ deutlich: „Wir haben nur eine Welt, und wenn’s hinten brennt, qualmt es vorne auch.“ Deshalb werde die Hechinger Organisation mit ihrer Hilfe „so weitermachen“ wie in der Vergangenheit.

Klaus Kinkel offenbarte auf dem Podium, dass eine Reise nach Ruanda in seiner Eigenschaft als Außenminister „die schlimmste“ in all den Jahren gewesen sei. Sie habe ihn demütig gemacht – und als Hechinger stolz auf das Engagement der Bierlmeiers und des gesamten Vereins. Und wenn er auch zukünftig helfen könne, so werde er das tun.

Dieses Versprechen gab auch Herta Däubler-Gmelin – „weil hier in Hechingen Großes geleistet wird von Menschen, denen man unweigerlich begegnet, „wenn man sich für tolle Leute interessiert“. So wie sie vor vielen Jahren dem Ehepaar Bierlmeier.

Annette Widmann-Mauz zeigte sich beeindruckt vom zivil-gesellschaftlichen, nicht abstrakten  Engagement des Vereins. Dieses habe Vertrauen geschaffen. Und wenn man manchmal auch nicht helfen könne, so müsse man es doch immer wieder versuchen. Wichtig sei es, miteinander zu sprechen, einander zu begegnen – „dann entstehen Vorurteile nicht“.

Martin Rosemann schätzt die menschliche Wärme innerhalb der Organisation sowie deren Professionalität in der Hilfe, in der „konkreten Hilfe“. Da hält er es wie Klaus Kinkel: „Schwätzer haben wir genug – Vorfahrt für Macher.“

Pierre Kemayire von der Partnerorganisation Sinapisi in Ruanda reihte sich ebenfalls in die Riege der Gratulanten ein  – und bestätigte eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe: „Wir sind wie Brüder und Schwestern“.  Und: „Bei uns verebbt die Hilfe nicht wie so oft bei großen Hilfsorganisationen.“

Sehr souverän moderiert wurde das Podiumsgespräch übrigens von einem Junginger: von Simon Diez, Simultandolmetscher und Übersetzer.

Am Abend klang das Jubiläumsfest mit einem gemeinsamen Essen und zu späterer Stunde mit Musik von „James Torto & Friends“ harmonisch aus.