Hechingen VHS-Podium will Vorurteile über Wolf ausräumen

Hechingen / Diana Maute 11.05.2018
Was, wenn er in Rudeln auftritt? Verloren? Mit Vorurteilen über den Wolf wollte das Hechinger VHS-Podium aufräumen.

Isegrim ist zurück in Baden-Württemberg. Das ist nicht erst klar, seit feststeht, dass in Bad Wildbad vor kurzem mehr als 40 Schafe durch einen Wolf zu Tode kamen.

Auf der einen Seite wird das in Deutschland streng geschützte Tier nicht zuletzt aufgrund solcher Vorfälle als Bedrohung wahrgenommen, auf der anderen gilt es als Bereicherung der heimischen Artenvielfalt. Was passiert, wenn Wolf und Wirklichkeit zusammentreffen und wie kann ein konstruktiver Umgang mit den Herausforderungen gelingen, die seine Rückkehr mit sich bringt? Die Volkshochschule Hechingen hat diese ebenso aktuellen wie brisanten Fragen aufgegriffen und zu einer Expertenrunde ins Hechinger „Museum“ geladen. Dazu kamen am Mittwoch 35 interessierte Gäste, die ihre Meinungen und Fragen miteinbringen durften.

Die Moderation oblag Professor Bastian Kaiser, Rektor der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. Auf dem Podium Platz nahmen Andrea Klemer, ehrenamtliche Nabu-Wolfsbotschafterin für die Schwäbische Alb, Thorsten Beimgraben, Professor für Wildökologie und Jagdwirtschaft an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, sowie Holger Albrecht, Agraringenieur aus St. Blasien.

Im Mittelpunkt standen zunächst wissenswerte  Fakten über den Wolf, der laut Andrea Klemer einst auf der gesamten Nordhalbkugel heimisch war. Während durch Baden-Württemberg bisher nur Einzeltiere streifen, leben im Norden und Osten Deutschlands sowie in Bayern bereits wieder 60 Rudel und 30 Paare. „Ein Wolfsrevier umfasst 150 bis 300 Quadratkilometer“, erläuterte die Expertin. Ernähren würden sich die Raubtiere hauptsächlich von Rehen und Rothirschen. Eine Auswertung aus der Lausitz zeige, dass lediglich ein Prozent der Nahrung aus Nutztieren bestehe.

Dennoch müssen sich die Landwirte gegen den Wolf wappnen. Wie Schutzmaßnahmen aussehen können, erläuterte Holger Albrecht, der auf seinem Hof im Schwarzwald Ziegen hält. Geschützt werden diese durch 90 Zentimeter hohe Elektrozäune sowie Herdenschutzhunde. „Das funktioniert relativ gut, ich kann nachts ruhig schlafen“, betonte Albrecht. Allerdings seien diese Maßnahmen nicht überall so leicht umzusetzen wie bei ihm, gab der Agraringenieur zu bedenken. Er selbst sieht die Rückkehr Isegrims pragmatisch: „Der Wolf kommt, also muss ich damit leben und meine Tiere schützen.“ Doch das kostet Geld. Deshalb wünscht sich Albrecht mehr Unterstützung vom Land, das endlich ein Konzept mit klaren Richtlinien liefern müsse. Mit Entschädigungszahlungen alleine sei nicht allen Tierhaltern geholfen, seine Ziegen etwa bräuchten Jahre, um sich an die Lebensbedingungen im Schwarzwald zu gewöhnen.

Dass der Wolf auch den Jägern Kopfzerbrechen bereitet, legte Thorsten Beimgraben dar. „Ich glaube nicht, dass alle Jäger gegen den Wolf sind, aber man muss sehen, dass er für sie ein Beutekonkurrent ist.“ Eine Bejagung befürwortet er selbst nicht, ganz im Gegenteil: „Dafür spräche überhaupt nichts.“

Eine Frage, die viele Menschen umtreibt, ist die nach der Sicherheit im Wald, sollte der Wolf in der Region wieder heimisch werden. „Wir stehen nicht auf seinem Speiseplan, er interessiert sich überhaupt nicht für uns“, konnte Andrea Klemer beruhigen. Selbst im Wolfsgebiet sei es so gut wie ausgeschlossen, je eines der scheuen Tiere zu Gesicht zu bekommen. Vielleicht rühre die Grundangst vor dem „bösen Wolf“ tatsächlich noch von Märchen wie Rotkäppchen, konstatierte Thorsten Beimgraben. Wissen zu vermitteln sei die einzige Möglichkeit, um gegen diese Ängste anzukommen.