Hechingen „Spürensuche“: die ganz sanfte Kommunikation

In St. Elisabeth: Tanzdarbietung mit nonverbaler Kommunikation durch Spüren.
In St. Elisabeth: Tanzdarbietung mit nonverbaler Kommunikation durch Spüren. © Foto: Bernd Ullrich
Hechingen / Bernd Ullrich 20.11.2018
Die „Tanz- und Theater Werkstatt“ aus Ludwigsburg gastierte im Hechinger Pflegeheim St. Elisabeth.

Bewohnerinnen und Bewohner des Marienheimes, von St. Josef (Haigerloch) und St. Elisabeth erlebten nebst Angehörigen und Betreuungspersonal eine höchst ungewöhnliche und gleichzeitig intensive Form der Kontaktaufnahme zu Menschen mit Demenz.

Es sei, so Projektleiterin Katrin Temme, nicht immer ganz einfach, dass Menschen mit Demenz an kulturellen Veranstaltungen außerhalb ihres Wohnbereiches teilnehmen können. Oft ist es ein kaum leistbarer Kraftaufwand, eine Kultureinrichtung zu besuchen. Ein wichtiger Gesichtspunkt mit Blick auf die Lebensqualität und die Würde eines jeden Menschen aber sei die Teilhabe am kulturellen und sozialen Leben. Und so handelt die Ludwigsburger Tanz- und Theaterwerkstatt nach der Devise: „Wenn Sie nicht zu uns kommen können, kommen wir eben zu Ihnen.“

So konnte Rita Klein vom Haus St. Elisabeth vier Tanzdarstellerinnen, darunter Christine Lang-Genthner, vorstellen. Die vier Frauen – Laien und Semiprofis, jede mit einer Rose in der Hand – gingen auf die vor ihnen sitzenden Bewohner zu und ließen diese die Blume spüren und an ihr riechen. Und alles ohne zu sprechen, nur mit einem Lächeln und ungemein sanften Bewegungen.

Darauf folgte eine zeitgenössische Tanzdarbietung, die unter anderem Elemente des klassischen Ballettes und des Ausdruckstanzes enthielt. Dabei kamen die Tänzerinnen untereinander in sehr sanften Körperkontakt, spürten die andere Person und entwickelten eine nonverbale Kommunikation Und dies alles lautlos, ohne Hektik, ohne Glamour, der nach Beifall heischte. Der aber kam unaufgefordert und impulsiv von den Bewohnern. „Wunderbar“, „Wie schön“, „Des isch aber schee“ war häufiger zu hören.

Wer sich nicht zu äußern vermochte, bekundete seine Freude durch Klatschen oder durch Blicke oder Mimik. Auch das Pflegepersonal zeigte sich ganz begeistert. Nach der Tanzvorführung gingen die Tänzerinnen zu einzelnen Gästen hin, ergriffen ihre Hände und hielten diese sanft und ohne Druck auszuüben und luden sie zu kleinen Bewegungseinheiten ein. Die meisten konnten sich auf diese Art des Spürens, der Kommunikation ohne Worte einlassen. Dazu war eine sehr entspannende und Ruhe verströmende Instrumentalmusik zu hören. „Wir haben extra eine Musik gewählt, die kaum jemand kennt. Damit wird niemand abgelenkt und kann sich ganz auf das momentane Geschehen einlassen“, erklärte Choreografin Christine Lang-Genthner. Für sie und ihre Kolleginnen ist es immer wieder spannend, was sie bei ihrer „SpürenSuche“ erwartet. „Heute war es das reine Zuckerschlecken“, sagte die ausgebildete Tanz- und Theaterpädagogin und lachte. Nicht nur die Besucherinnen und Besucher zeigten sich begeistert. Auch das Pflegepersonal war beeindruckt.

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