Die Stammkunden des „Siehscht me“ traf es am Sonntagabend wie ein Keulenschlag, als die Pächter Alex Monic und David Locher ihnen eröffneten, dass sie Hechingen verlassen und die Wirtschaft ab sofort geschlossen ist.

Während im „Siehscht me“ seit Wochenbeginn die Jalousien dauerhaft herunter gelassen sind, betreiben die beiden Schweizer den zugehörigen Zollernalbcamping noch bis Ende des Monats. Was danach folgt, ist nicht mehr ihre Sache.

Andererseits versicherte der Verpächter und Platzgründer Wolfgang Klingler gegenüber der HZ: „Es geht auf jeden Fall in wenigen Wochen weiter!“ Entweder mit Hilfe von angestelltem Personal, oder er springe mit seinen 70 Jahren zur Not selber in die Bresche. Er wäre auch bereit, den Betrieb zu verkaufen. Nochmals verpachten werde er ihn aber auf keinen Fall.

Vor kaum einem Monat hatte die Familie Klingler die Wirtschaft und das Gelände an die zwei jungen Männer übergeben. Damals schienen beide Seiten überzeugt, den richtigen Schritt zu tun. Wolfgang Klingler hatte schon lange nach jemandem gesucht, der das Anwesen in seinem Sinne weiterführt. Umgekehrt hatten Alex Monic und David Locher als leidenschaftliche Camper bereits geraume Zeit Ausschau nach einem Platz gehalten, den sie übernehmen könnten.

Ganz wie es Klingler vorschwebte, planten sie, den Zollernalbcamping überschaubar und familiär zu belassen. Mit Hingabe wollten sie sich auch um das Café und Vesperstüble kümmern.

Vor rund zwei Jahren hatten sich die Beteiligten kennen gelernt, als die Schweizer, von einem Urlaub heimkehrten und im Hechinger Weiher Station machten. Bald wurden Übergabepläne geschmiedet. Im September 2018 zog Alex Monic auf den Platz, um sich einzuarbeiten, im Dezember folgte David Locher nach.

Die folgenden Wochen wirkten  vielversprechend. Den Stammgästen des „Siehscht me“ behagte es bei den neuen Wirtsleuten. Davon zeugen unter anderem Abschieds- und auf Wiedersehen-Karten, die den Schweizern in diesen Tagen zugingen. Augenscheinlich lagen auch viele Anfragen von Übernachtungsgästen für den Platz vor.

Doch die Entscheidung des Duos steht fest, die beiden ziehen, „traurig und schweren Herzens“, wie sie der HZ sagten, mit ihrem Wohnwagen weiter, machen zunächst Urlaub, schauen dann, wo sie ein neues Lebenskapitel aufschlagen. Womöglich wieder auf einem Camping? Alles ist möglich.

Klingler erklärte gegenüber der HZ, er könne den Entschluss nicht nachvollziehen. So lässt sich über die Hintergründe nur spekulieren. Dass es zum Zerwürfnis zwischen ihm und den beiden jungen Männern kam, dürfte allerspätestens dann der Fall gewesen sein, als die Schweizer ihm eröffneten, die Verbindung zu lösen. Fest steht: Hechingen ist um eine Einkehrmöglichkeit ärmer. Wie gesagt will der Platzgründer alles daran setzen, dass sein „Lebenswerk“ fortbesteht.

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Monat nach der verheißungsvollen Übergabe ist das „Siehscht me“ geschlossen. Die Pächter verlassen Hechingen, Die Eigentümer suchen nach einem Weg, wie es weitergeht.