Stein "Mutter-Eiche" ist dem Ende nahe

Fachleute schätzen sie auf annnähernd 1300 Jahre: Die "Mutter-Eiche" bei der Steiner Schutzhütte. Foto: Gerd Schollian
Fachleute schätzen sie auf annnähernd 1300 Jahre: Die "Mutter-Eiche" bei der Steiner Schutzhütte. Foto: Gerd Schollian
Stein / GERD SCHOLLIAN 25.03.2014
Als Denkmal ist sie fast vergessen, obwohl sie gut und gerne 1300 Jahre alt sein könnte. Und jetzt scheint die uralte Eiche in der Nähe der Steiner Schutzhütte auf dem Weg zum Schloss Lindich dem Ende nahe.

Noch steht die "Mutter-Eiche" versteckt hinter dicht wachsendem Jungholz. Aber nun scheint sie langsam aber sicher ihrem Ende nahe zu sein. Denn ein großer Ast ist abgebrochen, der einige Meter umfassende Stamm ist zum Teil morsch, die Rinde fällt ab. Nur ganz oben im Geäst scheint die Eiche noch etwas am Leben zu sein und im neuen Jahr nochmals Blätter auszutreiben. Dabei wäre es zu wünschen, dass dem uralten Baum in seinen letzten Lebensjahren doch etwas mehr Respekt gezollt wird und ihm durch eine kleine Durchforstung mehr Licht und Raum geboten wird. Könnte diese Eiche sprechen, würde sie vieles aus längst vergangene Zeiten berichten können.

Wer den Standort und das Umfeld dieser Uralt-Eiche trotz des dichten Gestrüpps genauer in Betracht nimmt, der kann feststellen, dass der Standort wohl bewusst ausgewählt wurde von unseren Vorfahren, den Alamannen. Der Baum befindet sich inmitten einer ebenen Fläche, die nach Norden steil ins Starzeltal abfällt und einen Blick gewährt bis ins weit entfernte Neckartal, und nach Süden bis auf die Höhen der Schwäbischen Alb.

Vergleicht man die Frühgeschichte Hechingens und Steins gegen Ende des 8. und 9. Jahrhunderts nach Christus, so liegt nahe, dass der Bau der ersten christlichen Kirche, der sagenumwobenen Martinskirche, die einst im Bereich zwischen der Straße zum Lindich und der Abbiegung zum Schützenhaus stand, in direktem Zusammenhang mit dem sogenannten Thingplatz gestanden haben kann, der auch der Götterverehrung diente.

Nachdem friedlichere Zeiten angebrochen waren( 8. bis 9. Jahrhundert) zog es die Alamannen, die den Bereich des einstigen Römischen Landgutes beim heutigen Stein bewohnten, ins Tal, wo sich der heutige Hechinger Stadtteil befindet. Andere dürften sich im Bereich Niederhechingen zu einer vielleicht schon dort lebenden Sippe dazu gesellt haben.

Alle jedoch verehrten damals noch heidnische Götter und versammelten sich zu ihrem "Thing"- heute würde man es Sitzung der Gemeindeoberen nennen - vor der Eiche. Mit Beginn der Einführung des neuen christlichen Glaubens wurde der Platz langsam bedeutungslos. Die erste Kirche wurde gebaut, die bis ins 19.Jahrhundert noch Bestand hatte. Heute sieht man also noch Reste einer einst bedeutenden Kultur - aber wie lange noch?

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel