Hechingen „Klick“: Wenn die böse Ahnung Wahrheit wird

Noch immer beschäftigt sich das Landgericht Hechingen mit der Einbruchsserie, bei der von Oktober bis Dezember in unzählige Häuser und Wohnungen der Region eingebrochen wurde. Insgesamt müssen 22 Fälle aufgearbeitet werden.
Noch immer beschäftigt sich das Landgericht Hechingen mit der Einbruchsserie, bei der von Oktober bis Dezember in unzählige Häuser und Wohnungen der Region eingebrochen wurde. Insgesamt müssen 22 Fälle aufgearbeitet werden. © Foto: Archiv
Hechingen / Matthias Badura 04.09.2018
Weitere Zeugen schilderten vor dem Landgericht Hechingen, wie sie Opfer der regionalen Einbruchsserie von 2017 wurden.

Als der 63-jährige Willmandinger Flaschnermeister den beiden fremden Männern am 1. Dezember vergangenen Jahres auf der dunklen Straße seines Wohnviertels begegnete, dachte er sich lediglich: „Die passen irgendwie nicht hierher“. Er grüßte dennoch mit „Hallo“ – und dann habe es „Klick“ bei ihm gemacht. Er spurtete die fehlenden 50 Meter bis zu seinem Haus und fand die böse Ahnung bestätigt: eingebrochen, alles durchwühlt!

Während der Willmandinger die Täter von vorne erblickte, sah sie eine 56-Jährige aus Bodelshausen nur noch von hinten. Als sie am Nikolaustag 2017 heim kam, deutete schon alles auf Einbruch hin. Beim Rundgang durch das Haus sah sie dann durchwühlte Kästen und Schränke, sah die zerstörte Terrassentür und sah vor allem durch die Tür hindurch, wie zwei Männer davon rannten. Die beiden müssen noch zugange gewesen sein, als sie das Haus betrat.

Noch immer werden im Prozess gegen drei mutmaßliche Einbrecher am Landgericht Hechingen Zeugen gehört. Am Montag schilderten sechs weitere Opfer, wie sie die Einbrüche erlebten. Wie in fast allen anderen Fällen der Serie, die sich von Oktober bis Dezember 2017 abspielte, kamen die Täter am späten Nachmittag oder am frühen Abend. Teils warfen sie Scheiben ein, um an die Klinken zu gelangen und um Türen oder Fenster öffnen zu können. Zumeist genügte es jedoch, mit einem spitzen, langen Metall auf der richtigen Höhe zwischen dem Rand des Glases und dem Rahmen hindurch zu stechen. So konnten sie – von außen – die Klinken nach oben hebeln.

Wenn die ungebetenen Gäste nicht überrascht wurden, was mehrfach geschah, durchwühlten sie Schränke und Schubladen. Sinnlose Zerstörungswut überkam sie nicht. Sie seien „noch recht anständig gewesen“, meinte ein Zeuge gestern; eine Beraubte war ebenfalls froh, dass ihr ein „Vandalismus“ erspart geblieben sei. Die Beute fiel unterschiedlich aus, in einem Haus nahmen dieEinbrecher außer einem Ring zwei Kinder-Sparschweinchen mit, in einem anderen trugen sie Schmuck und Wertsachen für über 22 000 Euro davon. Immer befanden sich sehr persönliche Dinge darunter wie Eheringe oder Taufarmbändchen.

Wieder aufgetaucht ist von den Gegenständen so gut wie nichts mehr. Immerhin hätten die Versicherungen, so hörten die Richter auf Nachfrage, die Schäden anstandslos ersetzt. Ein Mann jedoch klagte, er habe nur „die Hälfte“ von rund 3500 Euro Verlust erstattet bekommen. „Ich war unterversichert.“

Fortsetzung am Donnerstag

22 Anklagepunkte Der Prozess gegen drei mutmaßliche Einbrecher, zwei Rumänen und einen italienischen Staatsbürger, wird am Donnerstag um 9 Uhr fortgesetzt. Die drei sollen von Oktober bis Dezember 2017 gemeinschaftlich 22 Einbrüche in der gesamten Region verübt haben.

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