Hechingen „Ist da jemand? Ja, da ist jemand“

Pfarrer Frank Steiner, Pastoralreferent Peter Duttweiler und Erwin Schäfer von der Caritas gestalteten die Gedenkfeier mit.
Pfarrer Frank Steiner, Pastoralreferent Peter Duttweiler und Erwin Schäfer von der Caritas gestalteten die Gedenkfeier mit. © Foto: Bernd Ullrich
Hechingen / Bernd Ullrich 21.07.2018

Zahlreiche Eltern und Angehörige trafen sich auf dem Hechinger Friedhof Heiligkreuz zu einer musikalischen und bewegenden Gedenkfeier für Engelskinder. „Sie, die Sie gekommen sind, nehmen sich die Zeit für das, was war, was nie richtig sein konnte, was weh getan hat, was vielleicht bis heute eine Lücke, ein Tabu, eine nicht gelebte Hoffnung darstellt“ – mit diesen Worten begrüßte Erwin Schäfer von der Pflegeberatung der Caritas die Besucher.

Schweigend begab man sich anschließend zur Gedenkstele, an der Erwin Schäfer die Trauernden einlud, den feierlichen Moment mit Musik, Gebeten, Zeichenhandlungen, Stille und Gesang mitzutragen. Die Frage „War da jemand?“ lasse sich mit einem „Ja, da war jemand“ beantworten. Engelskinder dürften und sollten ihren Platz haben in unserem Leben. Es sei wichtig, dass dieses nicht gelebte Leben, das Schatten im Herzen der Angehörigen hinterlasse, wertgeschätzt und gewürdigt werde.

Feierlich eröffnet wurde die Gedenkfeier durch Pastoralreferent Peter Duttweiler, der ein Gebet zur Einstimmung sprach. Jule Rhomberg und Hannes Kapala von der Jugendmusikschule sangen und spielten dazu auf der Gitarre das berühmte Halleluja von Leonard Cohen.

Pfarrer Frank Steiner sprach über die Bedeutung der Musik am Beispiel von König Saul, der, traurig und schwermütig, durch das Lautenspiel von David Erleichterung und Lebensfreude erfuhr. Anschließend war das der Veranstaltung den Titel gebende „Ist da jemand?“ von Adel Tawil zu hören. Es sei ein Lied der Sehnsucht, der Hoffnung und der Liebe, erklärte Pfarrer Steiner. Das Kind, das nicht oder nur kurz das Licht der Welt erblickte, sei in unserem Herzen und in der Welt Gottes. Letzteres sei in unserer Trauer schwer verständlich. Denn wo war Gott, als das Kind starb? Nicht alle Menschen teilten die Ansicht: Gott war da. Für manche sei es finstere Nacht, weit und breit kein Gott. Auch Jesus am Kreuz habe gefragt „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Vielleicht sei Gott nicht vordergründig da, aber der gläubige Christ komme voller Vertrauen von der Frage zur Aussage: „Ist da jemand? Ja, da ist jemand!“ Peter Duttweiler sang anschließend zur Gitarre das Lied „Gott hört dein Gebet“, und sprach anschließend mit Pfarrer Steiner die Fürbitten, in denen besonders Betroffene und Angehörige Erwähnung fanden.

Nach dem gemeinsamen Vaterunser wurden unter Mithilfe von Stefanie Schellhammer vom Beerdigungsinstitut Seifert Luftballons auf die Reise geschickt. Mit ihrem Aufstieg konnte jeder seine Wünsche, Hoffnungen, Gedanken, Gefühle und auch seine Traurigkeit symbolisch in Richtung Himmel senden.

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