Ein Mann, der sich als Polizeibeamter ausgab, rief am Donnerstagabend eine 80-Jährige in Rangendingen an. Die Frau legte kurzerhand auf.

Der Anrufer meldete sich am Telefonhörer mit "Bauer, Kriminalpolizei". Er bat die 80-Jährige, den Verschlusszustand ihrer Fenster und Türen zu überprüfen, weil eine Einbrecherbande in der Umgebung ist. Die Angerufene roch den "Braten" sofort und beendete das Gespräch. "Herr Bauer" meldete sich danach nicht mehr. Fazit: Alles richtig gemacht!

Aber nicht nur in Rangendingen passiert so etwas: Die Polizei warnt auch in den Landkreisen Reutlingen, Esslingen und Tübingen vor Betrügern, die sich als Polizeibeamte ausgeben. So wurde eine Münsinger Seniorin am Mittwoch um mehrere tausend Euro von einem unbekannten Telefonbetrüger geprellt. Und mit einer ganz ähnlichen Masche haben zwei Betrüger, die sich als Polizeibeamte ausgaben, ein älteres Ehepaar am gleichen Tag in Nürtingen bestohlen.

In letzter Zeit häufen sich im Bereich des Polizeipräsidium Reutlingen die Anrufe, in denen sich Betrüger als Polizeibeamte, andere Amtspersonen oder Angehörige ausgeben und versuchen, vorwiegend Senioren zur Übergabe von Bargeld und Schmuck zu bewegen. Seit Anfang November gingen mehr als 100 Anzeigen aus zahlreichen Gemeinden in allen drei Landkreisen bei der Polizei ein.

Zu der Masche gehört es auch, dass die kriminellen ankündigen, dass Polizisten in Zivil vorbeikämen und die Wertsachen zur sicheren Aufbewahrung abholen oder von einem Taxifahrer abholen lassen würden. Durch die geschickte Gesprächsführung gelang es dem Betrüger zudem, der angerufenen Münsingerin persönliche Daten über ihre Lebens- und Vermögensverhältnisse zu entlocken. In mehreren über den Tag verteilten Telefonaten, bei denen jeweils durch eine technische Manipulation die Ortsvorwahl und die Notrufnummer 110 im Display angezeigt wurde, setzte der Betrüger die alte Dame so unter Druck, dass sie mehrere tausend Euro von ihrem Bankkonto abhob und einem Unbekannten übergab. Von den Tätern und ihrer Beute fehlt bislang jede Spur.

Mit einer ähnlichen Masche wurde das 81 und 86 Jahre alte Ehepaar in Nürtingen bestohlen. Gegen zwölf Uhr klingelten zwei Unbekannte an der Haustüre und gaben vor, Polizeibeamte zu sein. Sie zeigten dabei einen angeblichen Dienstausweis vor. Mit ihrer frei erfundenen Geschichte, in der Nachbarschaft Einbrecher festgenommen zu haben, die eine weitere Tat geplant haben sollen und durch ihre geschickte Gesprächsführung brachten sie das Ehepaar soweit, dass sie ins Haus gelassen wurden.

Erst nachdem die Betrüger verlangten, einen Tresor zur fotografischen Sicherung des Inhaltes zu öffnen, bekamen die Senioren Zweifel und wiesen die Unbekannten aus dem Haus. Erst später bemerkten sie, dass die Männer ein Schmuckstück im Wert von mehreren hundert Euro mitgehen ließen. Die Kriminalpolizei hat in beiden Fällen die Ermittlungen aufgenommen.

Die Polizei warnt erneut und rät: „Niemals rufen Polizeibeamte, Staatsanwälte oder andere Amtspersonen bei Ihnen an oder besuchen Sie und fragen Sie nach ihren persönlichen Verhältnissen oder bestehendem Vermögen aus. Geben Sie niemandem derartige Auskünfte.“ Betroffene sollen sich nicht davon täuschen lassen, wenn auf ihrem Display eine Rufnummer erscheint, die scheinbar mit der Telefonnummer einer Polizeidienststelle übereinstimmt oder wie eine Notrufnummer aussieht – diese Anzeige kommt durch technische Manipulationen der Betrüger zustande, die tatsächlich von einem ganz anderen Anschluss anrufen. „Rufen Sie im Zweifel immer Ihre örtliche Polizeidienstelle zurück, insbesondere dann, wenn der Anrufer aus ‚ermittlungstaktischen Gründen’ Stillschweigen verlangt“, so die Polizei weiter. Dazu sollte nicht die im Display angezeigte Telefonnummer gewählt werden, sondern eigenständig die Nummer der Polizeidienststelle selbst herausgesucht werden.

„Fragen Sie auch genau nach, wenn sich ein unbekannter, angeblicher Angehöriger oder Bekannter meldet und von sich aus seinen Namen nicht nennt. Bieten Sie dem Anrufer auf keinen Fall einen Namen an, den er dann nutzen kann, um weiter Ihr Vertrauen zu erschleichen“, informiert die Polizei. Die Personen sollten sich auf jeden Fall die Telefonnummer des Anrufers notieren und dessen Angaben mithilfe der eigenen Angehörigen überprüfen.

„Wenn jemand wirklich Hilfe braucht, wird er Verständnis dafür haben, wenn Sie sein Anliegen überprüfen und jemanden zu Rate ziehen“, betont die Polizei. „Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Übergeben oder überweisen Sie nie Geld einem Fremden, egal fürwen er sich ausgibt oder in wessen Auftrag er angeblich handelt. Wenn sich der Verdacht ergibt, dass es sich um einen betrügerischen Anruf handelt, melden Sie diesen unverzüglich der Polizei“, so der Rat abschließend.

Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.polizei-beratung.de. Tipps und dienen anschaulichen Videoclip gibt es auch auf der Internetseite https://ppreutlingen.polizei-bw.de.