Hechingen "Es war schon eine schöne Zeit"

Hechingen / STEPHANIE APELT 22.08.2012
Mit Angel- und Wintersport fing alles an. 42 Jahre lang gab es das Sportfachgeschäft Ott in der Hechinger Schmidtestraße - nun wird ausgeräumt. Ein weiterer Laden wird wohl leer bleiben.

Nein, die Kinder wollten das Sportgeschäft, zugegeben etwas versteckt in der Hechinger Oberstadt, nicht übernehmen. Hermine und Peter Wittner sind eigentlich ganz froh darüber. "Geschäfte in dieser Größe haben doch einfach keine Zukunft", meint Hermine Wittner.

42 Jahre gab es das Sportfachgeschäft in der Hechinger Schmidtestraße, Hausnummer 3. Hermines Bruder Theo Ott hatte es einst gegründet. Die Eltern hatten ein Dekorationsgeschäft.

Im Oktober 1972 feierte das Sporthaus Ott Eröffnung. Die Heimatzeitung pries Sport Ott als "Spezialisten für Angel- und Wintersport". Endlich müsse man für schwere Expeditionsschuhe, Daunenschuhe fürs Biwak oder einen Blitzschutzsack, "der bis 2,5 Millionen Volt absorbieren kann", nicht mehr eigens nach München (!) fahren. Hier gab es aber auch das komplette Sortiment für "die normal Sterblichen".

Das waren gute Zeiten. Hermine Wittner erinnert sich: "Sport Riedel war ja mehr auf Tennis und Ski ausgerichtet, Daiker ebenfalls auf Tennis." Konkurrenz zwischen diesen drei Hechinger Sportgeschäften haben im Grunde nicht bestanden.

Und es gab jede Menge Laufkundschaft. Denn so abgelegen Sport Ott heute auch gelegen zu sein scheint, damals gab es drumherum reichlich Geschäfte, sei es das Bekleidungsgeschäft Unger, gleich gegenüber Walz, ebenfalls ein Bekleidungsgeschäft, den Bäcker Schwarz, Lebensmittel Göhner und einige andere.

1973 starb Theo Ott, seine Schwester Hermine und ihr Mann Peter Wittner führten das Sportgeschäft weiter. Zwei Mal im Laufe der Jahre wurde umgebaut. Die Wand zur Werkstatt des Großvaters wurde durchgebrochen, es brauchte einfach mehr Platz. Vor allem als dann Peter Wittner, begeisterter Unterwasser-Rugby-Spieler und Taucher, auch noch Tauchzubehör mit hinzu nahm. Nicht nur der Tauchclub Hechingen fühlte sich hier wohl versorgt.

Sport Ott konnte auf eine treue Kundenschar bauen - über all die Jahre hinweg. Spürbar wurde es, erinnert sich Hermine Wittner, als im Lande die schulfreien Samstage kamen. "Plötzlich sind immer mehr Leute genau an diesem Tag nach Stuttgart gefahren und haben dort eingekauft, Sportsachen eben gleich mit."

Viel mehr habe aber eigentlich immer das Wetter zu schaffen gemacht, sagt Peter Wittner: "Ein Winter, der kein Winter ist, oder ein Sommer, der verregnet ist, regt nicht gerade zum Kauf an."

Trotz allem lief es. "Später war dann auch das Internet als Konkurrent zu spüren." Klar, auch wenn dies mehr oder weniger alle Geschäfte betrifft, ein wenig geärgert hat es Peter Wittner schon, "wenn man Beratungsesel ist und dann woanders gekauft wird". Kaum dagegen habe das Sportangebot im neuen City-Park gestört.

Peter Wittner ist inzwischen 66, Zeit, an den Ruhestand zu denken. Es ist ein langsamer Abschied vom Lebens-Geschäft. Schon länger wurde nichts mehr nachgeordert, bis Ende des Monats ist Räumungsverkauf. Wehmut ist bei Hermine und Peter Wittner natürlich zu spüren, wenn sie nun nach all den Jahren die Tür des Sporthauses Ott schließen werden. "Es war schon eine schöne Zeit", sagt Peter Wittner.

Ihnen gehört das Haus, samt Wohnung oben drüber. Und natürlich würden sie es gerne sehen, wenn die Ladenfläche nicht leer bliebe. Doch bislang ist kein Mieter in Sicht.

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