Hechingen "Diesmal ohne Titel" ist auch ein Motto

SWP 07.11.2013
"Diesmal ohne Titel", unter diesem Motto eröffnet der Kunstverein am Sonntag seine Jahresausstellung im Foyer des Hechinger Rathauses.

Über 50 Künstler aus dem gesamten Zollernalbkreis und weit darüber hinaus haben bei der Jahresausstellung des Kunstvereins Gelegenheit, sich mit aktuellen Werken zu präsentieren. Darunter Mitglieder, die schon seit Jahrzehnten in der Region aktiv sind und jüngere, die erst noch nach gültigen Positionen im Kunstbetrieb suchen. Stilistisch ist die Bandbreite enorm. Gegenständlich-abstrakt, Fotografie, Zeichnung, Druckgrafik, Skulpturen, Installationen und Projektionen - das Nebeneinander all dieser Ausdrucksformen im luftig-hellen Rathauslichthof und in den von den Sozialbehörden genutzen Kellergewölben stellt den besonderen Reiz dieser jährlichen Ausstellung dar.

Die musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung an diesem Sonntag, 10. November, 11 Uhr, fällt experimentell aus. Vier Musiker wagen das Experiment einer spontanen Improvisation. Als Band- und Projektname gaben sie sich den Namen Re-Mo-Ki-Kl. Bürgermeisterin Bachmann wird die Gäste begrüßen. Die Ausstellung ist bis 8. Dezember zu sehen. Geöffnet ist sie während der Rathaus-Öffnungszeiten sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

Hans-Jürgen Kleiner wird in seiner Eröffnungsrede die für Besucher eventuell interessante Frage thematisieren, ob man in der Kunst über Geschmack streiten darf.

Herr Kleiner, der Kunstverein steht für einen Qualitätsanspruch. Was ist, wenn Besuchern die Werke trotzdem nicht gefallen?

HANS-JÜRGEN KLEINER: Da gibt es schon ein Spannungsverhältnis. In der Kunst gibt es Leute, die aufgrund von Bildung oder anderen Kriterien für sich beanspruchen, die Qualität von Arbeiten bewerten zu dürfen. Da hat Kunst oft eine abgrenzende, sich selbst erhöhende Funktion, was ich schade finde. Das muss einem aber keine Sorgen machen. Erfahrungsgemäß entscheiden Besucher ganz einfach für sich, was ihnen gefällt und was nicht. Zu diesem eigenen Urteil kann ich nur ermuntern. Die Jahresausstellung ist dafür ideal, denn hier hängen Arbeiten vieler ganz unterschiedlicher Künstler.

Ist es sinnvoll, wenn die Besucher über die Qualität der Arbeiten diskutieren?

KLEINER: Medizinische Untersuchungen zeigen eigentlich, dass das Gehirn nur das in Worte fasst, was das Gefühl bereits entschieden hat. Da bringen Diskussionen sachlich wohl nicht viel. Gleichzeitig ist bekannt, dass der Einsatz des Großhirns Vergnügen bereitet. Wenn man über die Arbeiten redet und über unterschiedliche Bewertungen streitet, kann das Spaß machen.

Die Jahresausstellung hat dieses Jahr kein Motto. Warum?

KLEINER: Es ist ja auch ein Motto, einmal keines zu haben. Da steckt schon eine Idee dahinter. Kunst ist eigentlich keine Teamarbeit. Jeder arbeitet einsam vor sich hin, sucht einen eigenen Weg. In der Jahresausstellung trifft diese Vielfalt aufeinander, und das wollten wir dieses Jahr durch den Verzicht auf ein Motto unterstreichen. Das ist übrigens auch für das Hänge-Team sehr interessant, das die Werke im Rathaus-Foyer platziert. Wer bringt was an? Was hängt man wo auf? Was gefällt einem, was nicht. Das ist immer wieder spannend. Dieses Jahr sind wieder junge, neue Mitglieder dabei. Mal sehen, was die anbringen.

Die musikalische Umrahmung macht auch neugierig. Es spielt Re-Mo-Ki-Kl, steht im Programm.

KLEINER: Der Name steht für vier Musiker, die sich zu einem Projekt zusammengefunden haben. Auch bei diesem Auftritt geht es um die Schwierigkeit, sich in ein gemeinsames kreatives Korsett zwängen zu lassen. Vier Individuen beginnen auf den vier Ebenen des Ausstellungsraums zu musizieren und versuchen, aufeinander zuzugehen. Da sind wir vor Überraschungen sicher nicht gefeit.