Zollernalbkreis 40 Jahre nach dem großen Beben

Der Grafensaal der Burg: Drinnen und draußen, überall lagen Steinbrocken. Es war reines Glück, dass sich nicht wie sonst die Besucher in dem historischen Gemäuer drängten.
Der Grafensaal der Burg: Drinnen und draußen, überall lagen Steinbrocken. Es war reines Glück, dass sich nicht wie sonst die Besucher in dem historischen Gemäuer drängten. © Foto: Archiv
Zollernalbkreis / Stephanie Apelt 01.09.2018
Am 3. September erschütterte ein Erdbeben die Alb. Für die Menschen stürzte mehr ein als ein paar Mauern.

Es ist 6.08 Uhr am 3. September 1978, als ein heftiges Rumpeln die Menschen im Zollernalbkreis aus den Betten reißt. Die Erde bebte wie schon seit Jahrzehnten davor nicht mehr. Getötet wurde niemand. Es gab gut zwei Dutzend Verletzte, die meisten von ihnen erwischte es bei einem der vielen Nachbeben am selben Tag, als alle, die anpacken konnten, damit beschäftigt waren, Dachziegel und Mauerreste aus dem Weg zu schaffen.

Doch es gab mehr zu tun, als ein paar Steine wegzuräumen. Die Schäden gingen in die hunderte Millionen. Die Abbruchbagger rückten an. Was als sicheres Heim galt, lag nur noch als Trümmerhaufen da. Das Erdbeben von 1978 war ein Ereignis, das in das kollektive Gedächtnis der Menschen, die es erlebten,  einging. Sie erinnern sich genau daran, wo sie waren, als die Wände wackelten, jeder kann seine ganz persönliche Erdbebengeschichte erzählen.

Detailliert wurden in den Tagen nach der Katastrophe in den Zeitungen (natürlich auch der Hohenzollerischen Zeitung) die Schäden, die das „Jahrhundert-Beben“ verursachte, aufgelistet. Der wichtigste Satz allerdings war schon am ersten Tag nach dem Schreckensereignis als Schlagzeile zu lesen: „Nur ein Wunsch: Hoffentlich bebt die Erde nicht wieder.“

Denn niemand kann sicher sein, dass es nicht wieder passiert. Eine Prognose schaffen selbst Seismologen, die Experten dafür, nicht. An fast jedem Tag verzeichnet der Landeserdbebendienst Südwesten ein kleines Beben, nicht nur auf der Alb, sondern im Raum Breisgau oder dem Schwarzwald. Die sind ungefährlich. Der so oft zitierte Hohenzollerngraben ist übrigens nicht die Ursache für die Erdbeben auf der Zollernalb. Verantwortlich dafür ist die auch heute noch aktive „Albstadt-Scherzone“. Diese gehört zu einem in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bruchsystem, das sich vom Bodensee über Albstadt bis in den Raum Stuttgart erstreckt.

Der 3. September 1978 war ein Sonntag. Um 6.08 Uhr war kaum jemand auf den Beinen. Was wäre passiert, wenn sich das Beben an einem Werktag oder später am Tage ereignet hätte? Wenn die Menschen auf dem Weg zur Arbeit gewesen wären oder sich die Besucherscharen auf der Burg gedrängt hätten? Das Erdbeben dauerte nur wenige Sekunden, es dauerte Jahre, bis alles wieder aufgebaut war.

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