Am Wochenende stand das kleine Weilheim drei Tage lang ganz und gar im Zeichen der Fasnet. Am Sonntag gab es das Narrentreiben in geballter Form, liefen doch drei Veranstalten hintereinander ab, wobei der Fasnetsumzug am Nachmittag den Höhepunkt bildete.

Die Umzugsstrecke durch Weilheim verlief auf der Hauptstraße und war relativ kurz, nur etwa 800 Meter lang. Dafür war der närrische Lindwurm zum 20. Geburtstag der Weilheimer Hutzlabäuch aber sehr farbenprächtig und unterhaltsam. Schließlich hatten über 50 Gruppen ihre Teilnahme angekündigt.

Es gab Verpflegungsstände und auch Toiletten entlang der Straße. In und an der alten Schule gab es Verpflegungsmöglichkeiten, ebenso im ehemaligen Pfarrhaus und der „Adler“ hatte ebenfalls geöffnet. An Speis und Trank herrschte also kein Mangel.

Während des Umzuges erfolgte eine Moderation, die die einzelnen Gruppen mit ihrem Schlachtruf ankündigte und Wissenswertes vermittelte.

Die Bandbreite der Kostüme, Masken und der Ideenreichtum in der Umsetzung waren begeisternd. Zwischen den Hästrägern kamen zahlreiche Musikkapellen, die zum Schunkeln und Mitklatschen animierten. Leider setzte während des Umzuges ein Schneeschauer ein. Der war zwar ungemütlich, konnte die Stimmung aber kaum trüben. Im Zelt fand das närrische Treiben seinen Ausklang.

Bereits am Sonntagmorgen fand zum Auftakt des närrischen Jubeltages eine Narrenmesse statt. Die St.-Marien-Kirche war dezent, aber unübersehbar mit Luftballons und Papierschlangen dekoriert. Begrüßt wurden die überaus zahlreichen Besucher, von denen viele entweder im Häs oder in leichter Verkleidung erschienen waren, vom Musikverein Weilheim mit dem Rottweiler Narrenmarsch.

Mit einem Gedicht hieß Pfarrer Michael Knaus die Gläubigen willkommen. „Denkt daran, dass jedes noch so ausgelassene Fest, den Herrgott in unserer Mitte wohnen lässt.“

In der Kirche wird geschunkelt

Diakon Ralf Rötzel und Pfarrer Knaus lieferten eine Predigt in Dialogform und auf Schwäbisch, die zwar viel Lachen hervorrief, aber dennoch starken Tiefgang hatte. Es ging zum einen um die Frage der Streitkultur, auch innerhalb einer Glaubensgemeinschaft. Wichtig sei, dass man sich gegenseitig nicht fertig mache und die Würde gewahrt bleibe. Man müsse reden, diskutieren und manchmal auch streiten. Zum anderen erhob sich die Frage, ob man ohne schlechtes Gewissen zur Fasnet gehen könne. Aber sicher! Hinter der Maske falle es vielleicht leichter, die Wahrheit zu sagen. Können Narren auch Heilige sein? Wenn sie es sein wollen, auf jeden Fall!

Im Anschluss an dieses ungewöhnliche Zwiegespräch spielte Pfarrer Knaus auf dem Akkordeon das Lied „Wir sind alle kleine Sünderlein“ und lud zum Mitsingen ein. Während des Gottesdienstes wurde mehrfach laut applaudiert und das eine oder andere Mal auch ein wenig geschunkelt.

Am Ende des Gottesdienstes dankten sowohl der Pfarrer als auch Rosi Wiest, Vorsitzende des Narrenvereins Hutzlabäuch, allen Mitwirkenden. Beim Auszug aus der Kirche gab es noch für die Besucher eine Konfettidusche.

Wie es der Brauch will, schloss sich der Narrenmesse ein feierlicher Zunftmeisterempfang in der Weilheimer Turn- und Festhalle an. Dieser wurde musikalisch von den Hechinger Schnorchelhuaschtern begleitet. Rosi Wiest begrüßte im Namen der Hutzlabäuch die Anwesenden, die Vertreterinnen und Vertreter und Mitglieder der Zünfte und die Ehrengäste. Sie dankte allen Unterstützern und Sponsoren ohne deren Hilfe das Fest in dieser Form nicht hätte stattfinden können. Man habe in diesem Jahr auf Orden und Gastgeschenke verzichtet und bitte dafür um eine Spende für eine karitative Einrichtung.

Auch die Stadträte seien mitunter närrisch, meinte Bürgermeister Philipp Hahn im Häs der Hutzlabäuch und überließ die Interpretation den Gästen. Er sprach dem Ehrenamt ein großes Lob aus und bezeichnete die Brauchtumspflege der Hutzlabäuch, die in der Dorfgemeinschaft sehr aktiv sein, als etwas „vom Feinsten auf diesem Sektor“. „Was da geleistet wird, ist sensationell“, stellte Hahn fest, und wünschte dem Verein weiterhin alles erdenklich Gute.

Ortsvorsteher Gerd Eberwein, Vorstandsmitglied der Hutzlabäuch, brachte in einem Gedicht die äußerst komplexen Überlegungen und Gedankengänge zu den Festvorbereitungen zum Ausdruck. Denn nicht nur der Sonntag mit dem großen Umzug, sondern auch die beiden Programmreichen Tage davor waren ein Herkulesakt für den kleinen Verein, den dieser bravurös gemeistert hat.

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