Sichtlich zerknirscht saß der jetzt 20-Jährige gestern auf der Anklagebank im Hechinger Amtsgericht. Die Taten, die ihm vorgeworfen werden, hat er schon bei der polizeilichen Vernehmung in vollem Umfang gestanden. "Die Vorwürfe sind richtig", bekräftigte er gestern nochmals. Demnach hatte er zwischen Januar und März dieses Jahres mehrmals Sex mit seiner erst 13 Jahre alten Freundin. Sex mit unter 14-Jährigen wird als "schwerer sexueller Missbrauch von Kindern" geahndet.

Kennengelernt habe er das Mädchen im Oktober 2011 in der gemeinsamen Freundesclique. "Ich habe nicht gezielt nach einer Freundin gesucht, es hat sich halt so ergeben", erklärte der Angeklagte gestern vor dem Jugendschöffengericht. Erst als der Vater des Mädchens ihn im Dezember aufgesucht und vor einer Anzeige gewarnt habe, sei ihm bewusst geworden, dass seine Beziehung zu der 13-Jährigen strafbar ist. "Dann habe ich einen Schlussstrich gezogen." Das Mädchen habe das aber nicht akzeptieren wollen und ihn schließlich nach einigen Wochen "rumgekriegt".

Danach hatten die beiden mindestens sechs Mal Sex miteinander. Die jetzt 14-Jährige muss ich nachts aus dem Elternhaus geschlichen haben, um ihren Freund zuhause aufzusuchen. So schilderte sie es selbst im polizeilichen Vernehmungsprotokoll vom 19. März. Mehrmals sprach sie bei der Vernehmung auch ihre Gefühle für den Jungen an: "Ich liebe ihn immer noch und wollte nicht, dass er die Beziehung beendet." Ferner bestätigte sie, dass es einvernehmlich zum Geschlechtsverkehr gekommen sei: "Ja, ich wollte es auch. Es war für mich das erste Mal. Er hat mich zu nichts gezwungen." Außerdem fügte sie noch hinzu: "Er war zärtlich und es war sehr schön." Sogar über die Warnungen des Vaters hat sie sich hinweg gesetzt: "Es war mir egal, was er sagt."

Das Jugendschöffengericht erkannte an, dass es sich um eine "Liebesbeziehung" handelte. "Aber Sie haben sich strafbar gemacht", so der Richter. Auch das umfassende Geständnis rechneten Gericht und Staatsanwaltschaft dem Angeklagten positiv an. Weil bei dem 20-Jährigen Reifeverzögerungen festzustellen seien, kam bei der Verurteilung das Jugendstrafrecht zur Anwendung. Das Erwachsenenstrafrecht sieht für Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern ein Strafmaß zwischen mindestens zwei und 15 Jahren vor. Darauf verwies die Staatsanwältin, um dem Angeklagten zu verdeutlichen, wie weit er sich auf kriminelles Terrain gewagt hatte. Aber sie stellte in ihrem Plädoyer auch fest, dass "die Initiative in nicht geringem Maße von dem Mädchen ausging". "Sie war nicht der passive Part." Erkennbaren psychischen oder physischen Schaden habe das Mädchen durch die sexuellen Handlungen nicht erlitten. Allerdings sah die Staatsanwältin wegen der Reifeverzögerung des Angeklagten auch "eine Gefahr, dass es in Zukunft zu vergleichbaren Taten kommt" und beantragte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr plus Bewährungshelfer und 70 Stunden Arbeitsleistung.

Dass "schädliche Neigungen" vorliegen, sah der Verteidiger nicht: "Es besteht keine Wiederholungsgefahr." Auch der Angeklagte, der demnächst eine Ausbildung beginnen will, versicherte in seinem Schlusswort: "Das war definitiv meine letzte so Junge. Das würde ich nicht nochmal aufs Spiel setzten." Schließlich stufte auch das Gericht den 20-Jährigen nicht als potentiellen Wiederholungstäter ein und beließ es im Urteil - "unter erzieherischen Gesichtspunkten" - bei 70 Arbeitsstunden.