Bodelshausen 150 Jahre Zollernbahn: Mit Dampf über die Grenze

Bodelshausen / Diana Maute 20.01.2019
Eine Fotoausstellung im Forum Bodelshausen beleuchtet die Geschichte des Schienenverkehrs zwischen Tübingen und Hechingen.

Auf Schienen von Württemberg ins Preußische: Seit dem 29. Juni 1869, dem Tag, an dem der Bahnabschnitt von Tübingen nach Hechingen von der Königlich Württembergischen Staatseisenbahn in Betrieb genommen wurde, ist genau das möglich. Eine Fotoausstellung in der Bücherei im Forum Bodelshausen wirft einen Blick auf „150 Jahre Zollernbahn.“

Matthias Büttner, Botho Walldorf und Burkhard Wollny zeigen Fotografien, deren Spektrum von historischen bis hin zu aktuellen Aufnehmen reicht. Ganz nebenbei gibt es viel Informatives zum Thema Zollernbahn. In einer Vitrine präsentieren Sammler aus Bodelshausen ihre Modellbahnen und auch aus der Heimatgeschichtlichen Sammlung sind Exponate zu sehen.

Passend zum Thema wurde die Vernissage am Freitag mit der Melodie aus „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ eröffnet. Bürgermeister Uwe Ganzenmüller, der die zahlreichen Gäste im Forum begrüßte, trat dazu stilecht in Lokführeruniform samt Mütze auf.

Die Ausstellung über die Geschichte der Zollernbahn sei auf Initiative von Matthias Büttner, dem Leiter der Fotofreunde Hechingen entstanden, der Botho Walldorf und Burkhard Wollny mit ins Boot geholt habe, betonte Ganzenmüller. Sehr erfreulich sei auch, dass einige Bodelshäuser ihre Modellbahnen für die Schau zur Verfügung stellten. „All diese Modelle waren auf der Strecke unterwegs – von der Preußischen P8 bis hin zum heutigen Regionalexpress“, unterstrich er. Die gezeigten Fotografien stammen fast alle aus den Jahren 1961 bis 2018. Eine echte Rarität stellt die älteste Aufnahme dar, die um 1870 entstanden ist und aus dem Nachlass des Hechingers Otto Hirsch stammt. Sie zeigt das Empfangsgebäude des Hechinger Bahnhofs in einem frühen Stadium.

Ein lebendiges Bild der Zeit zeichnen auch die Verse des aus dem Jahr 1869 stammenden Mundartgedichts „D´ Eisabaheiweiung“ des „Klopfer-Bua“ Konrad Nill aus Bodelshausen. Die darin enthaltenen Worte „Endlich gohts en`s Preißisch nei“ fassen, wie der Tübinger Kreisarchivar Prof. Dr. Wolfgang Sannwald ausführte, die Bedeutung der Zollernbahn – im Volksmund meist „d’ Hechinger Eisabah“ genannt – treffend in Worte.

Der Bau der Zollernbahn habe eine territoriale Grenzüberschreitung bedeutet, für die 1865 ein Staatsvertrag zwischen Württemberg und Preußen nötig gewesen sei, erläuterte Sannwald in seinem Vortrag „Mit Dampf über die Grenze. Vor 100 Jahren: Bodelshausen und die Zollernbahn“. Ziel sei eine Verbesserung der Infrastruktur gewesen: „Es ging darum, Anschluss zu finden an den Nachbarstaat.“ Preußen handelte aus, dass die Zollernbahn der Königlich Württembergischen Staatseisenbahn gebaut wurde, abgekürzt KWSE – im Hohenzollerischen gerne auch spöttisch mit „Kein Württemberger stirbt ehrlich“ übersetzt. Der Bau der Bahn bescherte vor allem den Arbeitern Mobilität und sorgte dafür, dass zahlreiche Pendler auf der Strecke unterwegs waren. Wohin die Fahrt zumeist ging? „Sehr deutlich nach Hechingen“, denn dort waren in der Friedrichstraße die Fabriken. „Die Eisenbahn war Lebensader für die Fabriken und brachte Arbeit.“ So konnte sich Bodelshausen selbst nach und nach zur Industriegemeinde mausern.

Joachim Wolfer stellte anschließend die Fotografen Matthias Büttner, Botho Walldorf und Burkhard Wollny vor, die die Liebe zur Fotografie und die Faszination am Bahnverkehr teilen und mit ihren Kameras seit vielen Jahren als „Jäger der alten Dampfrösser“ unterwegs sind.

Ausstellung ist bis 2. März zu sehen

Die Ausstellung ist bis zum 2. März zu den Öffnungszeiten der Bücherei im Forum Bodelshausen zu sehen: dienstags 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr; mittwochs 15 bis 19 Uhr, donnerstags und freitags 15 bis 18 Uhr und samstags 9 bis 13 Uhr.

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