Region 111 bedrohte Arten schützen

Die gefleckte Heidelibelle ist vom Aussterben bedroht. Foto: Franz-Josef Schiel
Die gefleckte Heidelibelle ist vom Aussterben bedroht. Foto: Franz-Josef Schiel
Region / SWP 16.08.2012
Die gefleckte Heidelibelle wurde in den "111-Arten-Korb" des Landes Baden-Württemberg übernommen, um sie besonders effizient schützen und erhalten zu können.

Die Zahl 111 macht stutzig: Was hat es mit diesen Arten auf sich? Warum gerade 111 Arten? Es sind doch tausende Arten von Tieren und Pflanzen in Baden-Württemberg gefährdet und schützenswert.

111 Arten wurden aus praktischen Überlegungen ausgewählt, um die Liste der Arten überschaubar zu halten. In den "111-Arten-Korb" aufgenommen wurden die Arten, für die Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung trägt, weil sie gerade hier effizient geschützt und erhalten werden können. Das sind diejenigen Tiere und Pflanzen, die im Bestand gefährdet sind und mit großen Teilen ihrer Gesamtpopulation in Baden-Württemberg vorkommen. So sind sie hier typisch und je nach Region auch häufiger anzutreffen.

Der Fortbestand der Art ist nun entscheidend davon abhängig, ob es gelingt, sie hier an ihrem Verbreitungsschwerpunkt zu erhalten. Ein anderes Auswahlkriterium war das Vorkommen von "Flaggschiff-Arten". Bei diesen Arten wirken sich die Fördermaßnahmen auch für viele weitere Arten positiv aus, weil sie den gleichen Lebensraum bewohnen.

Da die Artenvorkommen oft sehr regional begrenzt sind, hat jeder der acht Landkreise des Regierungsbezirks Tübingen und der Stadtkreis Ulm die Patenschaft für eine oder mehrere der 111 Arten übernommen, die gerade in seinem Kreis vorkommen und dort besonders gezielt gefördert werden können.

Inzwischen sorgt jeder Kreis für sein spezielles "Patenkind", um die Lebensbedingungen dieser Art zu verbessern. Dabei sind die Aktionen der Landkreise so vielfältig wie ihre Patenarten und deren Lebensräume.

Zum Beispiel wirtschaften die Landwirte im Zollernalbkreis auf blütenbunten Wiesen ohne Düngung für das Überleben der Wanstschrecke. Bei Sigmaringen entbuschen freiwillige Helfer Wacholderheiden und fördern damit licht- und wärmeliebende Pflanzenarten wie Frauenschuh und Elsbeere. Im Landkreis Ravensburg entstehen in Moorwäldern Lichtungen für die Kreuzotter.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit für die gefährdeten Arten zählt zu den Maßnahmen im Rahmen der Aktion "111-Arten-Korb". Somit steht nachfolgend die gefleckte Heidelibelle im Zentrums des Interesses. für sie hat der Alb-Donau-Kreis die Patenschaft übernommen.

Die ehemals recht häufige gefleckte Heidelibelle ist heute in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht. Eine der wenigen Stammpopulationen existiert am Schmiechener See bei Schelklingen. Der Bestand schwankt jedoch stark und wird seit Jahren vom Landkreis mit Naturschutzmaßnahmen unterstützt. Jetzt wurde die bis zu dreieinhalb Zentimeter große Libelle auch im Donauried bei Langenau nachgewiesen.

Die gefleckte Heidelibelle (wissenschaftlicher Name: Sympetrum flaveolum) ist auffällig gefärbt: Das Männchen zeigt im Tageslauf ein temperaturabhängiges Farb-Wechselspiel von bräunlich bis leuchtendrot. Das "gefleckt" im deutschen Namen bezieht sich auf die typischen gelblichen Flecken an der Basis der Flügel.

Die Tiere sind in ihrer Lebensweise ganz speziell an die Lebensräume der wechselfeuchten, trocken fallenden Gewässer und Überschwemmungsflächen angepasst. Der Wechsel von Trockenfallen der Flächen im Sommer und Überschwemmung im Frühjahr ist für diese Libellen überlebenswichtig.

Die Eier werden im Sommer nicht über dem offenen Wasser, sondern auf den trocken gefallenen Bereichen abgelegt. Werden diese dann im Folgejahr wieder überschwemmt, entwickeln sich die Larven. Sie haben es eilig mit der Entwicklung. In maximal drei Monaten ist diese abgeschlossen.

Dann kann man die prachtvolle Libelle fliegen sehen. Im Alb-Donau-Kreis bieten das Donauried bei Langenau und das Naturschutzgebiet Schmiechener See gute Lebensbedingungen für die selten gewordene Libellenart.

Im Rahmen des Aktionsplans Biologische Vielfalt und des "111-Arten-Korbes" unterstützt der Alb-Donau-Kreis deshalb die dort nachgewiesenen Vorkommen mit konkreten Maßnahmen. Zunächst werden dieses Jahr die Grundlagen erhoben, um mehr über das Vorkommen zu erfahren und das weitere Vorgehen mit den Fachleuten abzustimmen.

Ziel ist es, das Donauried zu einer sicheren Heimat für die gefleckte Heidelibelle werden zu lassen und ihr auch außerhalb des NaturschutzgebietsSchmiechener See neue Entwicklungschancen zu bieten.

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