Hechingen 1000 Jahre ganz ohne Manuskript

Der Architekt und Bauforscher Christian Kayser referierte im Hohenzollerischen Landesmuseums eine starke Stunde über "Ein Jahrtausend Baugeschichte" der Burg Hohenzollern.
Der Architekt und Bauforscher Christian Kayser referierte im Hohenzollerischen Landesmuseums eine starke Stunde über "Ein Jahrtausend Baugeschichte" der Burg Hohenzollern. © Foto: Thomas Jauch
Hechingen / Thomas Jauch 09.06.2018
Auf immenses Interesse stieß beim Hohenzollerischen Geschichtsverein das Referat über die Baugeschichte der Burg Hohenzollern.

Eine Geschichtsstunde der besonderen Art zelebrierte am Dienstag dieser Woche der promovierte Architekt und Bauforscher Christian Kayser im vollbesetzten Foyer des Hohenzollerischen Landesmuseums. Kayser referierte ohne Manuskript, völlig frei und äußerst lebendig eine starke Stunde über „Ein Jahrtausend Baugeschichte” der Burg Hohenzollern. Es ist nicht einfach, in einer Stunde tausend Jahre unterzubringen, doch am Ende hatten die Zuhörer – auch dank der hervorragenden Modellansichten der Bildpräsentation – viel Neues über die Burg erfahren, deren 150 Jahre alter dritter Bau in Hechingen und Umgebung allgegenwärtig ist.

Dabei war der Burgberg in erdgeschichtlicher Zeit einmal eine tektonische Mulde. Durch Abtragung benachbarter weicher Felsschichten verkehrte sich dies ins Gegenteil und es entstand der  „Zeugenberg”, auf dem im Mittelalter ein Herrschergeschlecht eine Burg erbaute und sich auch nach dem Berg benannte: die Zollern.

Die erste Burg war eine einfache Angelegenheit: Ringmauer, Torturm, ein großer Wohnturm und eine Kapelle. Besonders die Wehrmauer wurde über die Jahrhunderte ausgebaut, was die Reichsstädte und Württemberg nicht daran hinderte, 1423 die Burg zu erobern und zu zerstören.

Der Wiederaufbau beziehungsweise ein Neubau gelang dann Graf Jos Niclas I. von Zollern ab der Mitte des 15. Jahrhunderts, pünktlich zum Dreißigjährigen Krieg wurde dann der Bastionenkranz errichtet, der heute noch besteht. Der Untergang dieser zweiten Burg ist weder eine Folge kriegerischer Auseinandersetzungen noch des Verfalls – die Zollergrafen beziehungsweise -fürsten waren mittlerweile nach Hechingen gezogen –, sondern der romantischen Neigung des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, der die noch intakte Burg zu einer Ruine im Stile der Burgen am Rhein verwandeln ließ. Was folgte, war der bestehende dritte Burgbau nach Plänen des Stararchitekten und Schinkel-Schülers Friedrich August Stüler. Und das war beileibe keine Sommerfrische der Preußen, sondern ein Festungsbau: Die Festungsanlagen verschlangen rund zwei Drittel der Kosten für die Burg. Bemerkenswert ist vor allem die komplexe Auffahrtsanlage, die von Festungsbaudirektor General Moritz Karl Ernst von Prittwitz und Gaffron ersonnen wurde. Christian Kayser schwärmte in seinem Vortrag von der grandiosen Ingenieurleistung und war zur Dokumentation sogar in die Entwässerungsschächte gekrochen.

Der Vortrag von Kayser, veranstaltet vom Hohenzollerischen Geschichtsverein, wurde mit großem Beifall bedacht. Wer die Erkenntnisse zur Baugeschichte der Burg Hohenzollern nachlesen will: Kayser hat sie in einem Buch veröffentlicht, das letztes Jahr zur 150-Jahr-Feier des Burgneubaus erschienen ist. Damals hatte die HZ auch schon über den Vortrag berichtet.

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