Haigerloch / Andrea Spatzal In Haigerloch wird weiter an einem gesunden Wald gearbeitet, der dem Klimawandel standhalten kann. Auch der Artenvielfalt wird Rechnung getragen.

Was sich in den nächsten zehn Jahren auf den 1350 Hektar Waldfläche in Haigerloch entwickeln soll, steht in der neuen Forsteinrichtung 2019 – 2028 geschrieben, das Forstplaner Andreas Kaphegyi zusammen mit dem Leiter der Forstdienststelle, Hermann Schmidt, jetzt im Gemeinderat vorstellte. Es wurde große Inventur gemacht im Wald und dabei stellte sich unter anderem heraus, dass durch Flurbereinigung, Ankauf und digitale Vermessungstechnik gegenüber der letzten Erhebung 20 Hektar hinzugekommen sind. Mit 1240 Hektar sei der größte Teil des Waldes reine Produktionsfläche. Das Baumartenverhältnis mit 55 Prozent Nadelholz zu 45 Prozent Laubholz sei gekennzeichnet vom Rückgang des Nadelholzes, überwiegend durch Verluste bei der Fichte an für diese Baumart ungeeigneten Standorten. Zugenommen hätten Eiche und Buche.

Esskastanie und Douglasie im Vormarsch

Eines der Ziele in den nächsten zehn Jahren sei eine noch höhere Vielfalt an Baumarten. So sollen Douglasie, Esskastanie, Kiefer, Lärche und Linde künftig häufiger in Haigerlochs Wäldern anzutreffen sein. Angestrebt sei, die Bestände mit einer möglichst breiten Mischung „klimastabil“ zu entwickeln.

Der Forstplaner attestierte dem Haigerlocher Kommunalwald schon jetzt eine „sehr gute Baumartenmischung in allen Altersklassen“. Auffallend sei im Starkholzbereich ein hoher Anteil erntereifer Tannen. Ab einem gewissen Umfang hätten die Bäume „keine Sparkassenfunktion“ mehr und sollten deshalb eingeschlagen und vermarktet werden. Holzvorräte sind mit 400 000 Festmetern reichlich vorhanden und jährlich wachsen im Schnitt 9,5 Festmeter pro Hektar nach. Schäden durch Eschentriebsterben, Wildverbiss und die Trockenheit des Jahres 2018 hielten sich in Grenzen. Ebenso der Anteil an Käferholz mit zirka 15 Prozent. Ralf Heim (CDU) merkte an, dass der geringe Wildverbiss den Jägern zu verdanken sei.

Die Holzernte in den vergangenen zehn Jahren betrug 85 000 Festmeter. Das waren sechs Prozent über dem Zehnjahresplan (81 000 Festmeter). Das Betriebsergebnis war mit durchschnittlich 219 000 Euro pro Jahr (179 Euro pro Hektar) durchweg positiv.

Der jährliche Hiebssatz für das nächste Jahrzehnt wird leicht angehoben auf 86 000 Festmeter.

Revierleiter sind auf Artenvielfalt geeicht

Walter Stocker (CDU) stellte fest, dass das im Zuge der Windkraftdebatte in Auftrag gegebene Artenschutzgutachten belegt, dass in den Wäldern Haigerloch sogar der seltene Schwarzstorch zuhause ist, und fragte nach, ob in der Forsteinrichtung dieser Artenvielfalt Rechnung getragen wird. „Wir sind intensiv auf dieses Thema eingestellt“, versicherte Oberforstrat Hermann Schmidt.  Die Revierleiter seien entsprechend geschult. Die „sensiblen Bereiche“ seien bekannt und natürlich von der Holzernte komplett ausgeklammert.

Forstlicher Revierdienst bleibt erhalten

UFB-Modell Auch nach der Neuorganisation der kreisweiten Forstverwaltung zum 1. Januar 2020 behält die Stadt Haigerloch den forstlichen Revierdienst für den Kommunal- und Privatwald auf der ganzen Fläche, die Wirtschaftsverwaltung und den Holzverkauf durch das Landratsamt nach dem sogenannten UFB-Modell bei. Sobald die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Kreistagsbeschlüsse vorliegen, wird die Stadt Haigerloch die entsprechenden Verträge und Vereinbarungen mit der unteren Forstbehörde und der kommunalen Holdzverkaufsstelle abschließen. Damit sei weiterhin eine „vollumfängliche Betreuung“ der Haigerlocher Wälder „aus einer Hand“ durch das Landratsamt Zollernalbkreis gewährleistet.