Gruol/Owingen Dörfer sollen Weichen für Jugendräume selber stellen

Wenn es um Jugendräume geht, setzen viele Gemeinden Container auf die grüne Wiese. Aber der Haigerlocher Gemeinderat kann sich damit nicht anfreunden. Für Gruol und Owingen sollen andere Lösung gefunden werden.
Wenn es um Jugendräume geht, setzen viele Gemeinden Container auf die grüne Wiese. Aber der Haigerlocher Gemeinderat kann sich damit nicht anfreunden. Für Gruol und Owingen sollen andere Lösung gefunden werden. © Foto: Archivfoto
Haigerloch / Andrea Spatzal 17.05.2018
Der Gemeinderat wird Gruol und Owingen beim Aufbau neuer Jugendtreffs unterstützen, aber nicht die Regie übernehmen.

Der Fenstersturz eines jungen Mannes in der Silvesternacht in Gruol und der verheerende Brand im alten Pfarrhaus am 13. Januar in Owingen ziehen Folgen nach sich, die derzeit noch gar nicht in ihrem vollen Ausmaß abzuschätzen sind. Eines haben die Vorfälle sofort bewirkt: Beide Dörfer haben mit einem Schlag ihre Jugendräume verloren. In Owingen hat das Feuer den Jugendtreff und die Bücherei obdachlos gemacht. In Gruol ist es das tragische Unglück, das die Dorfjugend schwer getroffen hat, und den Weg zurück in die Jugendräume im Dachgeschoss des Rathauses blockiert.

Kein Zurück ins Rathaus

Bürgermeister Heinrich Götz war erst kürzlich wieder in Gruol, um mit den Jugendlichen das Gespräch zu suchen. „Sie wollen nicht zurück ins Rathaus“, berichtete er am Dienstag im Gemeinderat. „Für beide Ortschaften muss eine neue Lösung gefunden werden.“ Götz stellte verschiedene Möglichkeiten vor. In Gruol könnte die Stadt der Kirche das Pfarrheim abkaufen, das allerdings sehr stark renovierungsbedürftig sei. Auch eine Containerlösung sei möglich. Bei einer Standardgröße von 18 Quadratmetern pro Container, bedürfe es allerdings mindestens vier Stück. Mit Ausbau werden die Kosten auf rund 100 000 Euro geschätzt.

Bei dieser Summe hält der städtische Bautechniker Bernd Wannenmacher einen schlichten, 100 Quadratmeter großen Neubau in Holzständerbauweise für 1200 Euro pro Quadratmeter für die wirtschaftlichere Lösung.

Auch in Owingen werde über eine Containerlösung oder einen neuen Holzständerbau diskutiert, berichtete Götz. Man habe verschiedene Zukunftsszenarien durchgespielt, sogar – obwohl in Owingen ein hochsensibles Thema – eine Umnutzung der Grundschule zum Vereinshaus, sollte sich der Schulstandort auf Dauer nicht halten lassen. Ein von privater Seite als Jugendtreff angebotenes Gebäude sei als ungeeignet abgelehnt worden.

Offen sei in Gruol wie auch in Owingen außerdem die Standortfrage. In Gruol sei der Bereich Festplatz im Gespräch, in Owingen der Bereich um die Eyachtalhalle, aber auch ein großes freies Grundstück beim Rathaus.

Die Räumlichkeiten seien aber nur ein Aspekt der Problematik, betonte Götz. Viel wichtiger sei es zunächst, dass für die Jugendtreffs in beiden Orten stabile Strukturen geschaffen werden. „Wir brauchen Trägervereine wie in den andern Stadtteilen und die Eltern müssen mit ins Boot“, so das Fazit des Bürgermeisters. Die Verantwortung müsse „auf breitere Schultern“ verteilt werden. Die „strafrechtliche Verantwortung“ werde man allerdings „nie wegkriegen“, betonte Götz.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Bekanntlich ermittelt die Staatsanwaltschaft Hechingen wegen des Fenstersturzes in Gruol. Leidtragender ist einer der Jugendlichen, der den Schlüssel  für den Jugendraum verwahrt haben soll. Im Ort gab es deshalb Proteste und Solidaritätsbekundungen (siehe den Infokasten direkt hier drunter).

Der Tenor der anschließenden Diskussion im Gemeinderat war, dass eine Containerlösung ausscheidet. „Das stellt höchstens eine Übergangslösung dar und das kann nicht in unserem Interesse“, stellte Kristin Koschani-Bongers (CDU) fest. Einig war sich das Gremium auch, dass in beiden Fällen die Impulse aus den Dörfern selber, also aus den Ortschaftsräten, der Bevölkerung, den Reihen der Dorfjugend, kommen sollten. Hermann Heim (FW) gab die Richtschnur vor: Erste Aufgabe sei die Gründung eines Vereins nach dem Muster der Jugendfördervereine in den anderen Stadtteilen. Dabei sollten dringend auch die Eltern mit eingebunden und Eingenleistungen der Jugendlichen eingefordert werden. Auch Bad Imnaus Ortsvorsteher Robert Wenz hielt es für sehr wichtig, dass die Jugendlichen beim Aufbau eines Jugendtreffs mithelfen müssen. „Die Aufbauarbeit muss im Ort geleistet werden. Alles andere hat keinen Wert.“ Bürgermeister Götz schloss die Diskussion mit der Feststellung: „Wir geben das Thema also zurück in die Ortschaftsräte.“ „Machen Sie sich auf den Weg“, lautete die Botschaft für Gruol und Owingen.

Jahrgang 1997/98 zieht klare Grenzen

Der Gruoler Jahrgang 1997/98 forderte mit einer Protestaktion am 1. Mai Unterstützung und Solidarität für den Jugendlichen ein, für den der Fenstersturz in der Silvesternacht als vermeintlicher Jugendtreff-Verantwortlicher zivil- und strafrechtliche Folgen hat. Die etwa 25 Jahrgänger kippten das geplante Maibaumstellen und demonstrierten stattdessen mit einem Transparent gegen die Missstände. Der inzwischen volljährige Beschuldigte könne und sollte für den tragischen Unfall nicht verantwortlich gemacht oder belangt werden. Ortschafts- und Stadtverwaltung stünden auf jeden Fall mit in der Pflicht, so die Überzeugung der Gruppe. Was der Jahrgang einfordert, ist jetzt vor allem eine Stellungnahme des Ortsvorstehers.

Wie eine Sprecherin des Jahrgangs am Montag gegenüber der HZ nochmals betonte, sollte die Protestaktion ausschließlich auf die Notlage des Jugendlichen und seiner Familie aufmerksam machen und den fehlenden Beistand der politisch Verantwortlichen anprangern. Mit der Suche nach neuen Jugendräumen in Gruol, die in der Ortschaftsratssitzung diskutiert wurde, habe die Protestaktion, anders als in der Berichterstattung dargestellt, nichts zu tun. Das stehe auf einem anderen Blatt. spa