Musik Ensemble Trigon begeistert bei Schlosskonzert

Durch die Epochen der Musikgeschichte spielte sich das Ensemble Trigon in der Haigerlocher St.-Anna-Kirche.
Durch die Epochen der Musikgeschichte spielte sich das Ensemble Trigon in der Haigerlocher St.-Anna-Kirche. © Foto: Antonia Lezerkoss
Haigerloch / Antonia Lezerkoss 14.05.2018
In der  St.-Anna-Kirche begeisterte das Ensemble Trigon als Gast der Haigerlocher Schlosskonzerte.

Selten klingt die musikalische Begegnung von Überlieferung und Moderne so ausbalanciert, lebendig und frisch wie bei dem Konzert des Ensembles Trigon (Katrin Krauß, Blockflöte, Kerstin De Witt, Blockflöte,Barockvioline, Holger Schäfer, Gesang, Harfe, Cembalo). Mit gelungenen Nachbildungen historischer Instrumente aus der Renaissance und dem Barock, der Chitarra anglica (einem Nachbau gemäß einer Zeichnung aus dem Kloster St. Blasien), der größeren keltische Harfe und den Ganassi-Flöten von Krauß und de Witt, und ergänzend noch zwei Tin Whistles (irischen Flöten), unternahmen die Musiker unter dem Titel „Unter den Linden“ eine spritzige und geistreiche Reise durch die Epochen der Musikgeschichte und schlugen eine Brücke vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Mit viel Feingefühl und Sachverstand näherten sich die Künstler den jahrhundertealten Texten und Melodien, befreiten sie von modrigen Staubschichten der mittelalterlichen Musikwelt, transformierten sie in eigene, facettenreiche Arrangements, die sich zwar an der Musik des Mittelalters anlehnen, jedoch keinesfalls authentische Musizierpraxis der Zeit darstellen soll und belebten sie damit auf virtuose Weise neu.

Lyrik aus der Schatztruhe des europäischen Mittelalters, aus Deutschland, Skandinavien, England und Irland lieferte im ersten Teil des Konzerts die Inspiration für eine Musik, die modern und doch zeitlos anspruchsvoll klang und sich vollkommen abseits ausgetretener Mittelalterpfade bewegte. Technisch brillant und erstklassig aufeinander eingespielt, skizzierte das Trio Tonbilder und reizvolle Klangmalereien von unglaublichem Reichtum zwischen überbordender Lebensfreude und bittersüßer Melancholie. Leichtfüßiges, glitzerndes Harfenspiel, von Schäfer getragen und abgerundet durch das perlende Spiel der beiden Flötistinnen, oder die atemberaubende Darbietung der Violine verband anmutige Kunst-fertigkeit mit beschwingter, tanzbarer Eingängigkeit.

Schelmisch erklang Walter von der Vogelweides „Halmorakel: „Ein kleines Hälmchen macht mich froh“, als zauberhaft-liebestrunkenes Poem erwies sich „Ist ieman in der welte bas“ des Albrecht II. von Haigerloch und, elegant schwingend, bewegte sich Lady Cathrine Ogle mit „The Englisch Dancing“ auf höfischem Parkett. Danach ließ die gruselige Vertonung von den „Zwei Raben (Twa Corbies)“, die sich einen erschlagenen Ritter zum Mahl vornehmen, die Zuhörer erschaudern. Sanft, durchflutet von melancholischer Verträumtheit, mit Liedern und Texten aus Romantik und Neuzeit, floss die Musik im zweiten Teil des Konzert dahin. Dabei brillierte der Multiinstrumentalist und Sänger Holger Schäfer noch einmal mit schöner baritonaler Stimme in „Abend legt vor meinem Haus“ und „Willkommen lieber schöner Mai“. Er war es auch, der mit verwunschenen Klängen seiner neo-irischen Harfe das atemlos lauschende Publikum mit dem anrührenden Märchen von der Suche nach dem „Einhorn“ bezauberte.

Glanz- und schwungvoll beendete Antonio Vivaldis „La Follia“ das Konzert, bei dem die drei ­Solisten mit mitreißender Spielfreude, technischer Perfektion und virtuoser Leichtigkeit ein sprühendes Feuerwerk musikalischer Ideen abfeuerten. Die Moderne ins Mittelalter und das Mittelalter in die Moderne zu tragen ist den Künstlern bestens gelungen.

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