Bittelbronn 4. Mundart-Stammtisch mit illustren Gästen

Bittelbronn / Werner Gaus 17.04.2018
Ein Feuerwerk schwäbischer Unterhaltungskunst erlebten die Zuschauer des 4. Haigerlocher Mundart-Stammtisches.

Der Mundartautor Werner Gaus als Vertreter des veranstaltenden Vereins „schwäbische mund.art“ moderierte die gut besuchte Veranstaltung. Als Stargäste begrüßte er die populäre Schwobajazzband „Die Gluzger“ aus Rottenburg, die in diesen Tagen ihr 40-jähriges Jubiläum feiert. Ein Heimspiel hatte hierbei deren aus Haigerloch stammender Bandleader Rupert Leger, der es sichtlich genoss, mal wieder in heimischer Umgebung auftreten zu dürfen. Mit einigen ihrer bekanntesten schwäbischen Titel (Hol Moscht, Knoblauch, Kehrwochablues, äbbes) hatten die Jazzer sehr schnell die Herzen ihrer begeisterten Zuhörer erreicht. Vor allem mit den themenbezogenen Titel wie „I suach mei Brill“ (blueberry hill), „Raus aus am Kreiz ond nei ens Rössle“ oder ihr kurzer Pausenhit „Nao noo Duurscht“ gelang es ihnen schnell, den Sensor des Publikums zur berühren.

Erste sichtbare Reaktionen des Publikums waren ein spontanes Charleston-Tänzchen beim Medley aus den 20er-Jahren. Das Tanzpaar bewegte sich gekonnt zwischen den Tischreihen, bis eine Tanzpartnerin den damaligen Modetanz ebenso abrupt beendete mit dem Hinweis: „Mei Brotwurscht wird kalt“.

Im offenen zweiten Teil bestand wie immer für das anwesende Publikum die Gelegenheit, selber aufzutreten, um eigene Texte zu präsentieren. Von dieser Möglichkeit wurde auch reger Gebrauch gemacht. Den Anfang machte der aus Waldenbuch stammende Mundartdichter Herbert Demel, zugleich aktives Vereinsmitglied. Die ersten Lacher erntete er bei der Erzählung alter Waldenbucher Episoden wie aus jener kalten Winternacht, in der selbst die Bohnenstangen im Gemüsegarten erfroren waren. Mit Titeln wie „’s Nähkäschtle von d’r Oma“ oder „’s Badhaus em Dörfle“ zitierte er einige Titel seines Waldenbuch-Büchleins, die er mit Geschichten wie „s Gsangbuach em Kraut“ oder der Zeitungsanzeige „Tausche Hond gega Frau“ ergänzte. „Den Tausch dät i ao gern macha“, scherzte Demel.

Die mit Abstand weiteste Anreise hatte Gertrudis Weiß aus Offenburg. In einem Streifzug quer durch die badischen und schwäbisch-alemannischern Sprachräume rezitierte sie unter anderem Gedichte von Helmut Pfisterer, Petra Zwerenz, Margret Mauthe, Manfred Mai und natürlich Sebastian Blau (Dr Neckr). Auch der altbekannte Haigerlocher Mundartautor Heinz E. Hennige wusste mit einigen zündenden Sprüchen das Publikum zu begeistern.

Schwäbische Magie steuerte anschließend der Hechinger Zauberer Artur Zeeb zum Programm bei. Unter Mithilfe auserwählter Zuschauer gelang es ihm, Illusionen und magische Momente in den Rössle-Saal zu zaubern. Mit einer modernen Funk-Uhr bedankte er sich zum Abschluss seiner glanzvollen Vorstellung bei seiner letzten Assistentin, indem er ihr, als sein letzter Gag, ein Exemplar des gleichnamigen TV-Programmheftes überreichte.

Ein absoluter Glanzpunkt des Abend war der überraschende Aufritt der Amateur-Schauspielerin Anneliese Kopp aus Bodelshausen. In einer temperamentvollen Darbietung, reich an schauspielerischer Mimik und Theatralik, bewies das aus Wessingen stammende Temperamentbündel mal wieder das in ihr steckende Bühnentalent, welches sie einstmals bei Auftritten mit ihrer eigenen Theatergruppe oder des ehemaligen Sketchduos „Schwäbisch mit Schuss“ immer wieder unter Beweis stellen konnte. „Em Hemml wird am Sonndig it g’schafft, erst recht it kocht“, betonte sie etwas spöttisch bei ihrer Erzählung von dem enttäuschten Schwaben im Himmel, wo es jeden Tag dreimal nur „Milch ond Eibrockets“ gab, wohingegen in der Hölle köstliche Fleischspeisen aufgetisch wurden. Auf Nachfrage antwortete Petrus: „Wega ons zwoi koch i it extra.“

Den letzten Publikumsbeitrag steuerte, in ihrer unnachahmlichen Art, die Rottenburger Stadtführerin und dort als schwäbisches Wäschweib „Berta Sauberle“ bekannte Martha Engstler bei mit Gedichten des „Raottaburger“ Ehrenbürgers Josef Eberle alias Sebastian Blau.

Den krönenden Abschluss dieses bunten und absolut vergnüglichen Abends im „Rössle“ lieferte Gastwirt Werner Fechter mit seinem Akkordeon, der das Publikum gemeinsam mit Moderator Gaus zum gemeinsamen Singen einlud.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel