Der 40-Jährige hatte im vergangenen Juli mit einem Outdoor-Messer auf seine Mutter eingestochen. Er fügte ihr schwere Stichwunden an den Armen zu. Dabei hatte er nach Überzeugung des Gerichts die feste Absicht, sein Opfer umzubringen. Dass es nicht so kam, sei großes Glück gewesen.

Angeklagter war „nicht steuerungsfähig“

Wie das Gericht weiter überzeugt war, sei der Angeklagte zu dem Zeitpunkt aber wegen einer seelischen Krankheit, an der er schon viele Jahre leidet, „nicht steuerungsfähig“ gewesen.

Statt den Medikamenten ein Bier

Verschlimmert wurde seine geistige Verfassung noch dadurch, dass er seine Medikamente nicht eingenommen, aber ein Bier getrunken hatte. Seine Mutter wollte ihn dazu überreden, doch der Sohn wollte von den Tabletten nichts wissen, ebenso wenig vom Insulin, das er sich als Zuckerkranker hätte spritzen sollen. Auch das Zureden seines Bruders half nichts.
Es muss zu unschönen Szenen gekommen sein. Als man zuletzt die Polizei zu Hilfe rief, damit sie den 40-Jährigen zwangsweise in eine Klinik einliefert, rastete der vollends aus. Er sah in seiner Mutter nun die Feindin, die ihm Böses will. Beim Ankommen der Streife griff er zum Messer. Wäre nicht der Bruder, der sich in dem Moment in einem anderen Raum des Hauses befand, doch noch rechtzeitig zu Hilfe gekommen, wäre die Mutter mit höchster Wahrscheinlichkeit tatsächlich ums Leben gekommen.
So kam das Gerichts unter Vorsitz von Dr. Hannes Breucker zu dem Ergebnis, der Angeklagte sei aufgrund seiner schweren psychischen Erkrankung nicht schuldfähig und könne daher auch nicht verurteilt werden wie ein „gewöhnlicher Krimineller“. Er sei deshalb frei zu sprechen.

Weiterer Verbleib in der psychiatrischen Klinik

Doch auf freien Fuß kommt er damit nicht. Er muss auf weiteres in der psychiatrischen Klinik bleiben. „Wir glauben, dass sie dort nicht für immer bleiben müssen“, meinte Breucker. Er habe eine Chance – sofern er sich auf die Behandlung einlasse und an sich arbeite. Er könne, so der Vorsitzende abschließend, sein Leben wieder in den Griff bekommen. Das sei auch der Wunsch, der Mutter, die ihm verziehen habe, und die sich einen „gesunden Sohn“ zurückwünsche. Schon um ihretwillen müsse er durchhalten, müsse an sich arbeiten.

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