Langwierige und umfangreich war die Beweisaufnahme, bevor im November das Urteil am Amtsgericht Hechingen im Trillfinger Showtanz-Prozess fiel. Eine Gruppe Jugendlicher aus dem Ort war in der Nacht zum 8. Januar 2013 nach einer Showtanzveranstaltung mit einer Gruppe Neonazis auf offener Straße vor der Mehrzweckhalle in einen handfesten Streit geraten. Für die vier Angeklagten, drei aus der "Trillfinger Gruppe" und einen aus der Skinheadgruppe, gab es drei hohe Bewährungsstrafen und einen Freispruch.

Heute beginnt am Amtsgericht Hechingen die Berufungsverhandlung. 31 Zeugen sind geladen. Fortsetzungstermine sind am 21., 28. und 31. Oktober und 4. November.

Bei der Verurteilung vor einem Jahr hatte es für den Hauptangeklagte aus der "Trillfinger Gruppe" und einen seiner Mitstreiter sowie für einen 24-jährigen Hechinger aus der gegnerischen Skinheadgruppe Bewährungs- und Geldstrafen gegeben.

Der Hauptangeklagte war bei der Schlägerei, so urteilte das Gericht, "von Anfang bis zum Ende an vorderster Front mit dabei und hat mitgewirkt". Er hatte vermutlich den ersten Schlag ausgeführt. Auch bei dem Mitstreiter stellte das Gericht eine Tatbeteiligung fest. Der dritte Trillfinger auf der Anklagebank wurde jedoch freigesprochen. Es konnte von keinem der vielen Zeugen eindeutig identifiziert werden. Insgesamt hatte man während der mehrtägigen Verhandlung den Eindruck, dass die Jugendlichen aus dem Ort sich gegenseitig deckten und im Gerichtssaal eine "Mauer des Schweigens" errichteten.

Der 24-Jährige aus der Skinhead-Gruppe war von Anfang an geständig. Er hatte, um seinen Kumpels zu helfen, sein Auto in die Menge gefahren. Er fuhr jedoch Schrittgeschwindigkeit. Es gab drei Leichtverletzte.

Das Geschehen in jener Nacht rekonstruierte das Gericht so: Auf der Fasnetsveranstaltung tauchte eine Gruppe fremder Jugendlicher auf, die wegen ihrer Kleidung der Skinhead-Szene zugeordnet wurde. Sie geriet offenbar kurz mit einem Besucher von dunkler Hautfarbe aneinander. Aber erst Stunden später kam es zu einer Art "Racheaktion": Eine 15- bis 30-köpfige Gruppe Einheimischer wollte die "Nazis" für deren Verhalten zur Rechenschaft ziehen. Einer der Skins wurde niedergeschlagen. Die Prügel waren, so der Richter, von "erheblicher Brutalität und Dauer". Die Schlägerei löste sich erst auf, als der 24-Jährige mit dem Auto auf die Menge zufuhr.