Schauplatz des Geschehens war erstmals die Eyachtalhalle in Owingen, deren eingebaute  Bühne  sich für die Aufführung bestens eignete, was  bei den zwei gut besuchten Aufführungen echtes Theaterflair aufkommen ließ. Auch das Bühnenenbild, geschaffen von der Theater-AG  unter Federführung von Marie Waiblinger (Kulissen) sowie Erik Biscalchin und Clemens Gotthardt (Licht und Technik), machte Eindruck. Desweiteren wagen Lisa Fecker für das Plakat und Céline Schaupp für die Maske zuständig.

Viel Geschick und Einfühlungsvermögen bei der Inszenierung der nicht leicht verdaulichen Kost zum Thema „Jud sein“ bewies erneut Deutschlehrerin Kerstin Gotthardt. Max Frisch thematisiert in seinem Stück „Andorra“ in zwölf Bildern am Beispiel des Antisemitismus die Auswirkung von Vorurteilen, die Feigheit des Menschen, die Schuld der Mitläufer und die Frage nach der Identität eines Menschen gegenüber dem Bild, das sich andere von ihm machen. Das Drama basiert auf Frischs Tagebucheintragungen aus dem Jahr 1946 und wurde 1961 uraufgeführt.

  Andorra ist der kleine Ort,  in dem Andri lebt.  Er lebt beim Dorflehrer, der behauptet, Andri sei Jude  und dass er ihn vor den „Schwarzen“ gerettet habe. Die Schwarzen sind gefährliche Antisemiten, die außerhalb des Dorfes lauern. Aber in Wahrheit ist Andri der uneheliche Sohn des Lehrers. Dennoch  haben alle  Dorfbewohner Andris Außenseiterstatus so sehr verinnerlicht, dass es dem jungen Mann schwerfällt, in der Dorfgemeinschaft Fuß zu fassen. Dann überfallen  auch  noch die „Schwarzen“ das Dorf  und halten auf dem Dorfplatz eine „Judenschau“ ab. Am Gang wollen sie erkennen, wer Jude ist und wer nicht. Dabei wird Andri „enttarnt“, festgenommen und hingerichtet. Daraufhin erhängt sich der Lehrer, sein Vater,  und   dessen Tochter Barblin, die in  Andri verliebt war, verliert den Verstand.

Zwischen den einzelnen Bildern treten einzelne Andorraner aus der Handlung, in eine Art Zeugenstand,  um ihre Taten und Unterlassungen zu rechtfertigen und damit  ihre Mitschuld an Andris Tod von sich zu weisen.

Den 15 Gymnasiastinnen um Timo Schittenhelm als Andri und Nastasjia Dania als Dorflehrer  in den Hauptrollen überzeugten alle in ihren jeweiligen Rollen. Gestik, Mimik und Ausdruckskraft waren in jeder Rolle stimmig. Die weiteren Personen des Stücks verkörperten bestens: Marie Waiblinger als Barblin, Lisa Fecker als Mutter, Kira Schneider als Seniora, Marleen Hahn als Pater, Julia Götz als Soldat, Doreen Kohle als Wirt, Laura Fechter als Tischler, Jasmin Friederich als Doktor, Patrizia Dania als Geselle, Charlotta Koch als Jemand, Alexandra Ellinger als Idiot oder Narr, Marion Pötzsch und Antonia Reichmann als die „Schwarzen“ und Tina Grötzinger als „Judenschauer“.

Das Theaterensemble und besonders Kerstin Gotthardt durften am Schluss der eindrucksvollen Aufführungen anerkennenden und dankbaren Beifall sowie die Anerkennung durch die Schulleitung entgegennehmen.