Stetten bei Haigerloch Swing und Soul unter Tage

In einhundert Metern unter der Erde erlebte das erwartungsvoll-gespannte Publikum im Barbarasaal ein stimmungsvolles Programm. Foto: Antonia Lezerkoss
In einhundert Metern unter der Erde erlebte das erwartungsvoll-gespannte Publikum im Barbarasaal ein stimmungsvolles Programm. Foto: Antonia Lezerkoss
Stetten bei Haigerloch / ANTONIA LEZERKOSS 09.12.2013
Unter Tage lag der Veranstaltungsort für das weihnachtliche Konzert der Haigerlocher Bigband Connection 74 mit Ron Williams als Stargast. Das Publikum erlebte ein stimmungsvolles Programm.

Ungewöhnlich war für eine Vielzahl der Konzertbesucher schon der Zutritt zum Festsaal. Die "heiligen Hallen" liegen in einhundert Metern Tiefe und zweieinhalb Kilometern vom Eingang entfernt. Mehrere Shuttle-Busse wurden eingesetzt, um die zahlreichen Gäste in das eindrucksvolle Innere des Stollens, in die weiträumige Höhle des Barbarsaales, zu bringen.

Die 24 Musiker der Bigband Connection 74 präsentierten Weihnachtliches auf höchstem Niveau. Ein Klang, so fluffig und weich, dass er sich fast unbemerkt in die Ohrmuschel der Zuhörer schleicht - so könnte man den Klang der Posaunen beschreiben. Genau wie ihre Kollegen an den Trompeten oder Saxophonen, lieferten die Posaunisten immer wieder tolle Soli ab, bei denen die Zuhörer die Besonderheiten der verschiedenen Genres - träumerischen Jazz, fetzigen Swing oder groovigen Blues - genießen konnten. Denn die wechselten sich im Programm der Band ab und boten dem Publikum ein Maximum an Dynamik und Klangfarbe, so dass eine vielseitige, atmosphärische Musik entstand.

Ein fröhliches "Jingle Bells" eröffnete den Reigen von beliebten amerikanischen und deutschen Weihnachtsliedern. Es waren vor allem die Gesangs-Auftritte, Solo oder im Duett von Benny Gaus und seiner Tochter Nadine, die zu den Glanzpunkten des Konzerts gehörten. Ihre ausdrucksstarken Stimmen, gepaart mit Musikalität und Rhythmusgefühl, passten haargenau in die verschiedenen Arrangements (in der Regel von Jörg Gebhardt) der Musiknummern der Big Band.

Das Feld für den Höhepunkt des Abends war mit einen farbigen Klangteppich aus eingängigen, instrumentalem Swing und Modern Jazz-Melodien bereitet. Mit "Winter Wonderland" betrat und beherrschte von da ab Ron Williams die Bühne. Schon im Vorfeld war er das Aushängeschild des Konzerts gewesen. Große Erwartungen also, die der Sänger, Entertainer und Schauspieler am späten Samstagabend mit seinem Auftritt als Stargast gemeinsam mit der Big Band 74 locker übertraf.

Mit seiner unverwechselbaren sonoren Stimme und seinem unwiderstehlichen Charme verwandelte der 72-Jährige den Barbarasaal binnen weniger Minuten in ein Meer aus wippenden und klatschenden Menschen. Es folgten vor allem Songs der Soul-Legende Ray Charles, die er mit schwarz-weißen Slippern, Rüschenhemd, dunkler Brille und der unvermeidlichen Baseball-Kappe mit Initialen, stilecht mit eigener Note interpretierte. Ob bei "Sitting on the Dock of the Bay", "Unchain my Heart" oder "Bad, bad Leroy Brown" - mit jedem Song steigerte sich die Stimmung des Publikums.

Munter und in bestem Deutsch plauderte Ron Williams über seine Zeit als GI und danach in Deutschland, erzählte über das Leben in USA und nahm mit der Entstehungsgeschichte des Ray-Charles-Songs "Georgia on my Mind" Bezug zu seinem Engagement gegen Rassismus.

Nach der Pause überließ Williams für etwa zehn Minuten der Band alleine die Bühne. Mit "Mercy, mercy, mercy", "Glück auf" und "Silent night" bewiesen die Lokalmatadoren unter der Leitung von Jürgen Frey, der auch durch den Abend führte, dass sie sich das Zusammenspiel mit dem Star redlich verdient hatten, was ihnen dieser mit der Bemerkung: "Für Amateure sind die Jungs richtig gut" bescheinigte. Anhaltender Beifall und Zugaben beendeten das gelungene Konzert.

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