Ideales Winterwetter mit Sonnenschein war am Samstagmorgen dem Informationsrundgang mit dem Biberbeauftragten des Regierungspräsidiums Tübingen, Gunnar Hornstein, in Gruol beschieden. Knapp 20 Landwirte und Fischer sowie Ortsvorsteher Reiner Schullian und Nabu-Vorsitzender Herbert Fuchs waren erschienen.

Gruols Fischervereinsvorsitzender Timo Siedler hatte wegen der durch Biber am Bruckensee und an der Stunzach angerichteten Schäden mit dem Bibermanagement im Regierungsbezirk Verbindung aufgenommen.

Biber galten bis 1990 in Baden-Württemberg als ausgerottet

Gunnar Hornstein stellte den Anwesenden „Europas größtes Nagetier“ eingehend vor. Als Anschauungsmaterial hatte er einen ausgestopften Jungbiber dabei. Der Biber genießt „höchsten Schutzstatus“, darf nicht gefangen, verletzt oder gar getötet  werden. Es ist auch verboten, deren Wohn- und Zufluchtsstätten zu beschädigen oder den Tieren nachzustellen, sie zu fotografieren oder zu filmen. Zuwiderhandlungen werden mit saftigen Strafen bis zu vierstelligen Euro-Beträgen belegt.

Des Weiteren erläuterte der Forstingenieur den Körperbau und das Fell des Bibers, das zu dem dichtesten aller Tierarten zählt, sowie die Lebensweise des Nagers, der im Jahr zwei bis vier Junge auf die Welt bringt. Bevorzugt lebten Biber am Ufer von Bach- und Flussläufen mit nicht zu sandigen und kiesigen Böden. Die Tiere würden in der Regel acht Jahre alt und bis zu 35 Kilogramm schwer. Nachdem Biber Mitte des 19. Jahrhundert in unserem Gebiet durch die Jagd völlig ausgerottet waren, kehrte die Tierart seit etwa 1990 über die Illermündung und die Donau zu uns zurück. Laut Honstein lebten in Baden-Württemberg derzeit  rund 5000 Tiere, in Bayern sind es rund 23 000.

Gefällt Bäume und Überschwemmungen schaffen Konfliktpotenzial

Ob der Stunzach-Biber über die Donau oder aber über den  Neckar bis nach Gruol gekommen ist, konnte auch der Experte nicht eindeutig sagen.

Zirka 600 Gramm Nahrung, vor allem Rinde von Weide oder Pappel, aber auch Mais, Schilf, Ampfer, Klee oder Fallobst, nimmt ein Biber täglich zu sich. Im Winter ernährt er sich von Gehölz. Mit seinen scharfen Zähne, die ständig nachwachsen, fällt er ganze Bäume, um dann an die Äste zu gelangen.

Zudem staut der Biber, wie an der Stunzach, kleine Gewässer auf, was zu Überflutungen führen kann. Damit macht sich der Biber freilich bei Landwirten, Förstern und Fischern keine Freunde und auch die verkehrssicherungspflichtigen Kommunen stöhnen.

Um dieses Konfliktpotenzial zu senken und Tipps im Umgang mit den Nagern zu geben, hat das RP Tübingen das Bibermangement eingerichtet. Auf einem Rundgang erhielten auch die Teilnehmer in Gruol von dem Biberbeauftragten wichtige Hinweise zur Schadensvermeidung. Den Gruoler Fischern gab Hornstein Tipps, wie sie weitere Schäden an Ufer des Bruckensees vermeiden können, so unter anderem durch Hangschutzgitter, Steinaufschüttung oder  Kettenvorhang.

Zum Schutz gefährdeter Bäume entlang der Stunzach empfahl Hornstein einen Meter hohe Drahtschutzhosen. Der Damm, den der Biber bereits in der Stunzach gebaut hatte, war allerdings nicht mehr vorhanden, weil er vom Hochwasser weggeschwemmt wurde.

Gunnar Hornstein ist aber überzeugt, dass der Biber „wiederkommt und an derselben Stelle den Damm neu aufbaut“. Er empfahl deshalb, die betreffende Stelle ständig zu beobachten und eventuell nachher durch eine Dammdrainage die nochmalige Überflutung von angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen zu verhindern.

Entlang der Stunzach hat das Nagetier auch bereits mehrere Bäume gefällt, die auf dem Rundgang ebenfalls besichtigt wurden. Dabei beantwortete Hornstein zahlreiche Fragen und bot sich auch für die Zukunft als Ansprechpartner in allen Biberfragen an.

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