Haigerloch Stadt muss alle Kräfte bündeln

Bei der 1. Haigerlocher Wirtschaftsdiskussion (v. l.): Martin Sprissler von "Haigerloch aktiv", Bürgermeister Heinrich Götz, Moderator Thorsten Nurna (JU), Alexander Siedler (CDU), Konrad Wiget (SÖL) und Dieter Müller (FW). Foto: Wilfried Selinka
Bei der 1. Haigerlocher Wirtschaftsdiskussion (v. l.): Martin Sprissler von "Haigerloch aktiv", Bürgermeister Heinrich Götz, Moderator Thorsten Nurna (JU), Alexander Siedler (CDU), Konrad Wiget (SÖL) und Dieter Müller (FW). Foto: Wilfried Selinka
Haigerloch / WILFRIED SELINKA 11.12.2013
Wie ist Haigerloch als Wirtschaftsstandort zu bewerten? Welche Potenziale tun sich für die Zukunft auf? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der 1. Haigerlocher Wirtschaftsdiskussion der Jungen Union.

Diskussionspartner auf dem Podium am Montagabend im Gasthaus "Krone" waren Bürgermeister Heinrich Götz, die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SÖL, Alexander Siedler und Konrad Wiget, Dieter Müller für die Freien Wähler, Martin Sprissler von "Haigerloch aktiv" und als Moderator Thorsten Nurna, Kreisvorsitzender der Jungen Union Zollernalb. Die Veranstaltung war gut besucht, was die Haigerlocher JU-Vorsitzende Manuela Wannenmacher erfreut feststellte.

Die Diskussion begann mit der Bevölkerungsentwicklung. Prognostiziert wird ein Einwohnerschwund von zehn Prozent bis zum Jahr 2030. Aus jetzt 10 735 Einwohnern werden 9800. Dazu stellte Alexander Siedler fest, dass Haigerloch in den vergangenen Jahren einiges getan habe, um bezahlbaren Wohnraum für junge Familien zu schaffen und in alle Schularten zu investieren. Man dürfe Haigerloch "nicht schlecht reden". "Es kommen zu wenig Kinder auf die Welt." Wichtig war Siedler auch die Feststellung: "Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts."

Dieter Müller sprach sich für attraktive Arbeitsplätze aus, um junge Leute in der Stadt zu halten. Konrad Wiget sah viel Potential in den "alten, durchaus bezahlbaren Häusern in den Ortskernen". Auch die Steigerung des Tourismus wurde von Alexander Siedler und Konrad Wiget ins Gespräch gebracht, wobei vor allem die Gastronomie Unterstützung benötigt.

Der Wegzug vor allem der 18- bis 25-Jährigen macht Bürgermeister Heinrich Götz größte Sorge. Noch halten sich in Haigerloch die Zu- und Wegzüge die Waage. Haigerloch sei gerade für junge Familien interessant durch eine ausgebaute Kinderbetreuung und Schulangebote. Auch stünden im neuen Gewerbegebiet "Lichtäcker" jetzt wieder großzügige Gewerbebauplätze zur Verfügung. Die Stadt könne außerdem auf eine intakte Umwelt verweisen. Verbessert werden müsste die Verkehrsanbindung an den Stuttgarter Raum.

Martin Sprissler sah in der Topographie der Stadt eine "besondere Chance". Die Interessengemeinschaft "Haigerloch aktiv" suche nach Wegen, das Städtle attraktiver zu gestalten. Wie berichtet, ist unter anderem an Kunst- und Kulturtage über Pfingsten 2014 gedacht, in deren Rahmen leer stehende Häuser für die Kunst zu öffnen. Aktionen wie diese könnten im Idealfall auch Kaufinteressenten anlocken.

Ein weiteres Thema war der Fachkräftemangel. Rund 60 Prozent von 50 befragten Haigerlocher Betrieben empfinden das als großes Problem. Man sollte sich "nach neuen Betrieben umsehen", so Alexander Siedler, "zugleich aber auch die bestehenden, vor allem die kleineren ,Einzelkämpfer halten und fördern". Bürgermeister Götz betonte, dass Kommunen gegen den Fachkräftemangel nur wenig unternehmen können. Gerade Werkrealschulabgänger hätten trotz guter Abgangszeugnisse Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Dieter Müller setzte sich dafür ein, dass Betriebe für Schüler Kurzpraktika anbieten und Konrad Wiget brachte es auf den Punkt: "Betriebe müssen heute in die Schulen gehen und dort für ihre Ausbildungsberufe, besonders auch im Handwerk werben." Die Kooperation zwischen Schulen und Betrieben müsste weiter intensiviert werden. Damit war auch bereits der Bogen geschlagen zum dritten Themenkomplex: Bildung. An dieser Diskussion beteiligten sich auch die Anwesenden, insbesondere Studierende und Arbeitgeber. Winfried Werner, Chef der gleichnamigen Gartenbaufirma, betonte, dass ein Betrieb, der stets eigene Ausbildung betreibe, keinen Fachkräftemangel zu befürchten habe. Für junge Leute, so wurde deutlich, scheint die bessere Bezahlung in größeren Städten der vorrangige Grund für einen Ortswechsel zu sein.

Einig war man sich nach der Diskussion, dass eine nachhaltige positive Entwicklung von Haigerloch nur gelingt, wenn "Bürger, Verwaltung, Schulen, Kirchen und Betriebe an einem Strang ziehen".

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