Es ist schon ein wahrer Segen, wenn man bei 30 Grad im Schatten ins Freibad gehen kann, stellte Bürgermeister Heinrich Götz in der Gemeinderatssitzung am Dienstag. In Haigerloch fällt die Badesaison diesen Sommer ja leider flach. Das Freibad muss saniert werden.

„Dauerhaft geschlossen“ steht in Rot als Hinweis anstatt der Freibad-Öffnungszeiten auf der städtischen Homepage. „Schauen wir zu, dass wir nächstes Jahr wieder öffnen können“, drängte Götz auf die Vergabe der Sanierungsarbeiten. Aber zuvor machte er noch einmal seinem Ärger über das verpatzte Förderprogramm des Bundes. „Ich bin enttäuscht, wie das Programm gelaufen ist. Es hat uns nichts gebracht. Wir sind dadurch nur in Verzug gekommen“, stellte der Bürgermeister verärgert fest. Auch die Abgeordneten hätten die Stadt „im Stich gelassen“, so Götz weiter. Eine Anfrage unter anderem bei Thomas Bareiß (CDU) habe ergeben, das der Wahlkreisabgeordnete von der Bewerbung Haigerlochs um Fördergelder für die 3,5 Millionen Euro teure Freibadsanierung „gar nichts wusste“.

Die Hoffnungen auf bis zu 1,5 Millionen Euro Fördergelder waren damals groß. Das im Sommer 2018 kurzfristig aufgelegte Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Jugend, Sport und Kultur“ schien für Haigerloch zu passen wie der berühmte Deckel auf den Topf. In einer eilig einberufenen Sondersitzung beschloss der Gemeinderat im September 2018, den Förderantrag zu stellen. Doch aus dem Geldsegen wurde nichts. Vergeblich wurde die Vergabe der Sanierungsarbeiten zurückgehalten. Aber jetzt drängt mächtig die Zeit, wenn Haigerloch nicht auch noch die Freibadsaison 2020 aufs Spiel setzen will.

In dieser „engen Kiste“ hatte der städtische Bautechniker Bernd Wannenmacher den Gemeinderäten am Dienstag wenigstens eine positive Nachricht mitzuteilen: Trotz der Zeitverzögerung von etwa einem halben Jahr und obwohl die Auftragsbücher der Bau- und Handwerksbetriebe überquellen, sind für die ersten sechs Gewerke gute Angebote eingegangen. Gegenüber der Kostenschätzung von 2,51 Millionen Euro liegt die Vergabesumme bei 2,75 Millionen Euro, eine Kostensteigerung von 9,6 Prozent. „Wir hatten Bedenken wegen der Bieter und sind jetzt froh, dass wir ein relativ gutes Ergebnis erzielt haben“, stellte Wannenmacher fest.

Vergeben wurden die Arbeiten an die jeweils günstigsten Bieter: zunächst als größter Brocken das neue Edelstahlbecken für 811 335 Euro an die hsb Germany GmbH in Berlin, dann die Rohbauarbeiten an die Firma Reutlinger Abbruch GmbH für 543 212 Euro, die Pflaster- und Landschaftsbauarbeiten an die Firma Winter für 180 063 Euro, die Dachsanierung an die Firma  Schwab für 191 434 Euro, die Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik an die Firma MB Gebäudetechnik für 228 856 Euro, und schließlich – als zweitgrößter Posten – die Badewassertechnik und Gebäudeautomatisation an die Firma Powatec in Coburg für nochmals 802 471 Euro.

Die Powatec GmH hatte alternativ ein um 62 000 Euro günstigeres Pauschalangebot unterbreitet. Dieses erregte aber das Misstrauen von Walter Stocker (CDU). Stocker berichtete von negativen Erfahrungen mit solchen Pauschalangeboten aus seiner Tätigkeit beim Rechnungsprüfungsamt des Landratsamtes. Bei sieben Gegenstimmen folgte der Gemeinderat mehrheitlich seiner Empfehlung, dem teureren Hauptangebot der Firma den Zuschlag zu geben.

Auf Nachfrage von Hans Wiest (CDU) listete Bernd Wannenmacher auf, welche Gewerke nach dieser Vergaberunde noch ausstehen. Diese seien mit Ausnahme der Edelstahl-Breitwellenrutsche für zirka 150 000 Euro  überschaubare Posten, wie die Stahlbau- und Schlosser- sowie Maler- und Lackiererarbeiten, berichtete Wannenmacher. Es  bestehe also durchaus die Chance, dass die 3,5 Millionen Euro Sanierungskosten eingehalten werden können.

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-tausend Badegäste wurden in der Bilanz 2018 des Haigerlocher Freibades gezählt. Damit war die letzte Saison vor der großen Umbauphase überdurchschnittlich gut besucht.