"Zwei Geschwindigkeiten zum Abitur am allgemein bildenden Gymansium" , lautet jetzt auch die Devise in Haigerloch. Bei einer Gegenstimme beschloss der Gemeinderat, einen Antrag für das Gymnasium Haigerloch zur Teilnahme an dem G 9-Schulversuch zu stellen. Ob Haigerloch zum Zug kommt, wird sich aber erst im Frühjahr entscheiden.

Zeitgleich mit Haigerloch hat sich auch Hechingen für das nächste Schuljahr beworben. Die Städte stehen damit in Kokurrenz. Nach derzeitigem Stand will grün-rote Landesregierung die Schulversuche nämlich auf insgesamt 44 Gymnasien begrenzen - 22 sind schon dabei, 22 sollen jetzt folgen - und nur eine Schule pro Landkreis soll zum Zug kommen. Bei der ersten Vergabe war im Zollernalbkreis das Gymnasium Ebingen als Modellschule ausgewählt worden.

Vor der Abstimmung hatte lediglich Stadtrat Rolf Henle Bedenken gegen den Antrag geäußert. G 9 biete keine Rechssicherheit und es liege keine Lösung für das Ganztageskonzept vo. Hannelore Schick bestätigte dagegen, dass viele G 8-Schüler in Umfragen über hohen Schulstress klagten.

Im Haigerlocher Gymnasium wurde das Thema ausführlich diskutiert. Eine Umfrage unter Eltern der dritten und vierten Klassen sowohl in Haigerloch als auch in Rangendingen, Heiligenzimmern und Empfingen ergab, dass die Mehrheit für einen G 9-Zug stimmte. Auch die Gesamtlehrerkonferenz sprach sich mit deutlicher Mehrheit für eine Antragstellung aus. Die Schulkonferenz hingegen votierte knapp mit sieben Nein- und sechs Ja-Stimmen gegen den Antrag. Der Schulausschuss des Gemeinderats stimmte wiederum dafür, unter anderem aus der Befürchtung heraus, dass künftige Schüler des Haigerlocher Gymnasiums nach Sulz oder Hechingen abwandern könnten. Sulz hat bereits in der ersten Vergaberunde G 9 genehmigt bekommen. Durch eine Abwanderung wäre an der Haigerloch Schule mittelfristig die Dreizügigkeit gefährdet.

Die Mehrkosten für den Schulversuch sind laut Nina Flaitz bezahlbar, da sie in den ersten Jahren lediglich für erhöhte Sachkosten im Lernmittelbereich anfallen. Erst in den Jahren 2020/2021 würden zwei bis vier Klassenzimmer mehr benötigt.