Hart So kann die Kirche Zukunft haben

Das Harter Bürgerloable erhielten als erste die Pfarrer Michael Broch und Dieter Mayer (links) von den beiden Ortschaftsräten Michael Schill und Benjamin Beuter überreicht.
Das Harter Bürgerloable erhielten als erste die Pfarrer Michael Broch und Dieter Mayer (links) von den beiden Ortschaftsräten Michael Schill und Benjamin Beuter überreicht. © Foto: Wilfried Selinka
Hart / Von Wilfried Selinka 27.08.2018
Hart feierte am Sonntag seinen Loablesfeitig und verteilte traditionell die Bürgerloable.

Die Pfarrgemeinde und politische Gemeinde Hart begingen am Sonntag in feierlicher Form das Fest des Kirchenpatrons Johannes Enthauptung mit anschließender Verteilung der Bürgerloable. In diesem Jahr wurde der Festgottesdienst, den traditionsgemäß Pfarrer Dieter Mayer zusammen mit Diakon Franz Haueisen zelebrierte, durch den örtlichen Musikverein unter Julian Waibel mitgestaltet. Zugleich wurde der beiden jüngst verstorbenen Musikern Alois Klingler und Georg Hermanutz gedacht.

Zu Beginn des Gottesdienstes wurde von den Gläubigen das Lied „Johannes auserkoren, du starker Gottesmann, jung und alt, groß und klein, stimm in unser Loblied ein“ gesungen. Pfarrer Dieter Mayer erinnerte zur Eröffnung der Messfeier an den Kirchenpatron, der durch seine Zivilcourage und seinen Gerechtigkeitsinn den Märtyrertod erleiden musste und begrüßte in diesem Jahr als Festprediger Pfarrer Michael Broch, inzwischen im Raum Haigerloch als ehemaliger Rundfunkpfarrer gut bekannt.

In seiner Predigt rückte Broch Johannes den Täufer und Jesus, „zwei, die sich kannten und schätzten, aber unterschiedliche Botschaften hatten“ ins rechte Licht. So hätten beide in einer Zeit gelebt, in der die Menschen von einem Propheten eine Befreiung aus sozialem und religiösem Elend und aus der Unterdrückung durch die römische Besatzung erwarteten. Johannes habe zwar heftige Worte benutzt, die sich aus den Evangelien belegen ließen, aber er habe sich als Mensch doch zurückgenommen mit dem Hinweis: „Ich bin nicht der Messias. Ich taufe mit Wasser und nicht mit dem Heiligen Geist.“ Diese Bescheidenheit habe auch Jesus mit seiner Liebe ohne Vorbehalte zu den Menschen kundgetan. Der Prediger wünschte sich dies auch von der heutigen Kirche mit ihren oft veralteten Strukturen, ihrer Eitelkeit der kirchlichen Amtsträger, und nannte Papst Franziskus als leuchtendes Vorbild, der sich leider stets der Kritik aus den eigenen Reihen erwehren müsse. „Wenn die Kirche den Blick auf ihren Herrn und Meister richtet, und sich stets des Auftrags der frohen und befreienden Botschaft Jesu erinnert, hat sie Zukunft“, so das Fazit von Pfarrer Broch.

Nach dem gemeinsam gesungenen „Großer Gott, wir loben dich“ begaben sich die Christen mit ihren Gästen vor die Kirche. Dort erinnerte Ortsvorsteher Thomas Bieger im Beisein seiner Ortschaftsräte an die Stiftung der Bürgerloable aus dem 17. Jahrhundert, das allen Bürgern und auch den Kindern zustehe. Mit der Ausgabe des Bürgerloables sollen sie sich auch daran erinnern, dass das tägliche Brot nicht allen Menschen in der Welt zu Verfügung stehe, sondern das Ergebnis harter Arbeit ist. Deshalb gelte es, trotz des in diesem Jahr fehlenden Regens für die eingebrachte Ernte dankbar zu sein, was durch das gemeinsame „Vater unser“ bekräftigt wurde.

Pfarrer Dieter Mayer segnte die aufgereihten Bürgerloable und nahm zusammen mit Pfarrer Michael Broch das erste Loable aus den Händen der Ortschaftsräte Michael Schill und Benjamin Beuter entgegen. Ortsvorsteher Thomas Bieger verlas einzeln die Namen nach folgendem Modus: Zunächst die noch zwei eingetragenen Bürger, dann die zehn Witwen der in der Bürgerliste aufgeführten Verstorbenen. Das Bürgerloable erhielten außerdem alle nicht in dieser Liste eingetragenen Männer, und zwar bis in der Bürgertafel wieder die Gesamtzahl von 108 Personen erreicht war. Weiterhin wurden  die Gemeindebediensteten sowie Jungen und Mädchen bis zum 18. Geburtstag bedacht – bis insgesamt 240 Bürgerloable verteilt waren.

Das Kreuzlesbier erhielten nur Jungen im schulpflichtigen Alter, ebenfalls bis zum 18. Geburtstag.

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