Gruol Schätzchen der Adligen und Regenten

Zahlreiche Besucher ließen sich am Tag des offenen Denkmals in verschiedenen Führungen von Diplom-Restauratorin Luise Schreiber-Knaus die Gruoler Vituskapelle erklären.
Zahlreiche Besucher ließen sich am Tag des offenen Denkmals in verschiedenen Führungen von Diplom-Restauratorin Luise Schreiber-Knaus die Gruoler Vituskapelle erklären. © Foto: Egidius Fechter
Gruol / EGIDIUS FECHTER 16.09.2015
Die beiden ältesten Gotteshäuser in Haigerloch öffneten am Tag des Denkmals ihre Pforten für die interessierte Öffentlichkeit. Neben der Weilerkirche in Owingen war die Vituskapelle in Gruol erstmals geöffnet.

Diplom-Restauratorin Luise Schreiber-Knaus gab bei mehreren Führungen, an denen jeweils etwa 40 Personen teilnahmen, einen Überblick über die bewegte Vergangenheit des Gotteshauses. An der Südseite der Kapelle deuten Spuren des Großquader-Mauerwerkes darauf hin, dass eine erste Kirche hier um 1150 erbaut worden war, etwa zur gleichen Zeit wie die Weilerkirche in Owingen.

Dendrochronologische Untersuchungen haben laut Schreiber-Knaus ergeben, dass die Kirche in der jetzigen Form um 1320 entstanden ist. Mit diesen Untersuchungen kann der Dachstuhl auf das Jahr 1323 datiert werden.

Erbauer des jetzigen Gotteshauses war wohl Graf Rudolf von Hohenberg. Der Sage nach soll damals im Zimmerner Tal eine Schlacht stattgefunden haben, die Rudolf als Sieger beendete. Aus Dankbarkeit hat er vielleicht auf den zerstörten Grundmauern der ersten Kapelle eine neue errichten lassen. 1350 bekam die Kapelle dann noch einen Turm mit Sakristei. Der heutige Turm stammt aber erst aus dem Jahre 1460, was durch die Dachziegeleindeckung nachweisbar ist.

Im Innenraum sind von der ersten Kapelle keine Spuren mehr erhalten. Wahrscheinlich war noch keine Decke eingezogen so dass der Dachstuhl von unten sichtbar war. Erst 1452 bekam die Kapelle eine Holzdecke, die Wände wurden verputzt und jetzt auch bemalt. Spuren dieser Bemalung sind heute noch auf der Empore sichtbar.

Restauratorin Schreiber-Knaus, die Spezialistin für Wandmalerei ist, zeigte bei den Führungen anhand der Fragmente, dass es sich dabei wohl um ein Passionsbild handelte. Verziert war das Gemälde durch eine spätgotische Schablonierung. Beauftragt hatte diese Malereien wohl die damalige Landesherrin Gräfin Mechthild, die im 15. Jahrhundert eine prägende Persönlichkeit in Haigerloch war. Noch heute kann man anhand der Pigmente nachweisen, dass die Bemalung damals wohl eine sehr kostspielige Angelegenheit war.

Gräfin Mechthild war nicht die einzige Haigerlocher Regentin, die sich um die Kapelle gekümmert hat. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war es dann die Gräfin Katharina, die Frau des ersten Hohenzollerngrafen Christoph von Haigerloch. Sie ließ eine neue Decke und auch neue Fenster einbauen.

Über mehrere Jahrhunderte war das Gotteshaus dann Wallfahrtskapelle. Anfang des 19. Jahrhunderts war sie aber einem fortschreitenden Zerfall ausgesetzt. 1840 wurde im Ort eine neue Kirche gebaut, die entsprechendes Geld verschlang. Die Kapelle sollte sogar abgerissen werden, wogegen sich aber die Bürger werten und selber entsprechende Notreparaturen durchführen. Das Kirchlein war sogar zeitweise dann in Gemeindebesitz. Durch teilweise großzügige Spenden konnte die Kirche um 1870 neu renoviert werden.

Nach den Führungen konnten sich die Besucher an diesem lauen Spätsommernachmittag bei Kaffee und Kuchen auf dem Vorplatz der Kapelle noch austauschen.