Haigerloch Pfister: Schuldenabbau nur ohne Freibad möglich

Haigerloch/Gruol / Judith Midinet 07.04.2018
Dionys Pfister hält die Finanzpolitik der Stadt Haigerloch unverantwortlich gegenüber den nächsten Generationen.

Sympathiepunkte fährt er nicht ein, wenn er die Schließung des Haigerlocher Freibads fordert, das weiß Dionys Pfister. Der Gruoler sitzt seit 2014 für die Freien Wähler im Haigerlocher Gremium und erhebt immer wieder seine Stimme gegen populäre Projekte, wie vor Kurzem der Beschluss zur Freibadsanierung bei der Haushaltsverabschiedung. „Wir müssen doch auch überlegen, was wir den nächsten Generationen hinterlassen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Schulden auf die leichte Schulter zu nehmen, kommt für ihn nicht in Frage.

Die Stadt Haigerloch hat aktuell 17 Millionen Euro Schulden, wenn man den Eigenbetrieb Wasserversorgung noch dazu zählt, sind es sogar 21 Millionen Euro. Damit ist die Pro-Kopf-Verschuldung von 1615 Euro doppelt so hoch wie der Landesdurchschnitt in Baden-Württemberg. Beschlossen wurde in der vergangenen Gemeinderatssitzung die Sanierung des Freibads. Kostenpunkt: etwa 3,5 Millionen. „Welche Strategie verfolgen wir“, fragt sich da Pfister. Die Stadt lebe weit über ihre Verhältnisse, finanziere Projekte, die grundsätzlich teurer würden – sei es das Freibad oder die Halle in Hart. Außer Acht gelassen werde dabei, dass für den Erhalt der Infrastruktur Geld bereit gehalten werden müsste. „Das Kanalsystem ist veraltet“, sagt das Mitglied der Freien Wähler, „da werden einige im Gemeinderat noch graue Haare bekommen, was da zutage treten wird.“

Was dann tun, Herr Pfister? „Es wäre wichtig, Projekte zu streichen oder auf Eis zu legen, die freiwillige Leistungen sind.“ Konkret bedeutet das: „Aufgrund der finanziellen Lage müsste man das Freibad komplett schließen.“ Pfister rechnet, dass nach der Sanierung (mit Unterhalt der Wellenrutsche) etwa zehn Prozent mehr Unterhaltskosten für das Bad anfallen, also insgesamt rund 400 000 Euro im Jahr. Wer finanziert das in Zukunft, fragt sich Pfister. Die Sanierung ist allerdings beschlossene Sache. Mit 13 Ja-Stimmen, acht Nein-Stimmen und drei Enthaltungen stimmte der Gemeinderat Mitte März für das Projekt. Deswegen plädiert der Mann aus Gruol dafür, die Sanierung zumindest so lange aufzuschieben, bis die Verpachtung der Deponie Grund abgewickelt ist, und Geld in die Haigerlocher Stadtkasse fließt. Ärgerlich findet er, dass auch dieses Projekt sich zieht, zumal die Firma Arge Strabag vor vier Jahren 11,4 Millionen Euro geboten hatte. Heute gehe es nur noch um 8,4 Millionen Euro. „Wer in dieser Phase der Hochkonjuktur keine Schulden abbaut, schafft das nie“, warnt Pfister. Die Zinspolitik werde nicht auf dem aktuell niedrigen Niveau bleiben. „Derzeit sind die Zinsen kein Problem, aber sobald sie steigen, geht Geld für Zinsen statt für Investitionen drauf“, so Pfister. Zu lange habe die Stadt Haigerloch ein Schuldenberg angehäuft. Um das Ruder noch herumzureißen, müsse man sich auf das konzentrieren, was wirklich nötig sei. „Das ist meine Sicht der Dinge“, stellt der Gemeinderat klar, aber für ihn gebe es da nur zwei Möglichkeiten: entweder mehr Einnahmen oder von dem, was reinkommt, gibt man weniger aus. Nur dann würden Schulden tatsächlich abgebaut und könnten Investitionen wie das Schlössle (Förderfrist läuft 2019 aus) und Infrastruktur gestemmt werden. Außer Frage steht für  Pfister: „Ich gebe Kontra, solange es Kontra braucht.“ Auch wenn ihm das Gegenwind unter seinen Gemeinderatskollegen einbringt.