Haigerloch Orchestre des Jeunes de Haute Bretagne spielt bei Schlosskonzert in Haigerloch

Das „Orchestre des Jeunes de Haute Bretagne“ begeisterte bei seinem Auftritt in der St. Annakirche im Rahmen der Schlosskonzerte mit anspruchsvollen orchestralen Darbietungen.
Das „Orchestre des Jeunes de Haute Bretagne“ begeisterte bei seinem Auftritt in der St. Annakirche im Rahmen der Schlosskonzerte mit anspruchsvollen orchestralen Darbietungen. © Foto: Wilfried Selinka
WILFRIED SELINKA 16.07.2016
Mit hohem musikalischen Niveau präsentierten sich über 40 junge französische Musiker in zwei Orchestern bei den Schlosskonzerten.

Dem Förderverein Städtefreundschaft Haigerloch-Noyal war es in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Haigerlocher Schlosskonzerte gelungen am 14. Juli, dem Nationalfeiertag der Franzosen, das „Orchestre des Jeunes de Haute Bretagne“ nach Haigerloch zu bringen. Auf ihrer Konzertreise mit Aufenhalt in Bruchsal war es den Franzosen ein Herzensanliegen, die Partnerstadt zu besuchen, da nicht nur Marie-Claude Gaumer Helsens aus Noyal Vorsitzende des Orchesters ist, sondern mit ihrem Mann Vincent seit Jahrzehnten freundschaftliche Verbindungen nach Haigerloch pflegt.

„Wir sind stolz und froh, in Haigerloch zu sein“, meinte die Vorsitzende und freute sich zusammen mit der Haigerlocher Vorsitzenden des Fördervereins der Städtefreundschaft, Angelika Pieper, über den guten Besuch des Konzertabends. Ein Dank ging auch an Roland Trojan vom Freundeskreis der Haigerlocher Schlosskonzerte für die harmonische Zusammenarbeit. Für die franzöischen Gäste gab es während des Donnerstags zunächst eine Stadtführung mit Egidius Fechter, ein Mittagessen im evangelischen Gemeindehaus, für das Pernille Jörgensen mit ihrem Team bestens gesorgt hatte, und einen Besuch in Alraune Sieberts Privatmuseum im Schwanen.

Zum Höhepunkt des Tagesaufenthalts sollte aber das Konzert von zwei Orchestern in der St. Annakirche werden. Mit frischer Farbigkeit trat dabei zunächst das Gitarren-Ensemble unter der Leitung von Louise Fauveau hervor. Mit Leidenschaft und Dynamik wurde zunächst recht einfühlsam „Die Schöne und das Biest aus Mère l‘Oye“ von Maurice Ravel vorgetragen. Sehr ausgereift in den Klängen kam auch „Valse des lilas“ daher.

Mit Streichern, Klarinette und Querflöte verstärkt entpuppte sich „Matins d‘Irlande“ als recht schöne Tonfolge, in der sich die Zuhörer durch die irisch anmutenden Klänge auf die grüne Insel versetzt fühlten. Beim schwungvoll und flüssig in der Melodienfolge dargebotenen „Milonga Mafiosa“ von Marcello Coronel kamen Liebhaber von besonderer Gitarrenmusik voll auf ihre Kosten. Das quirrlige Leben auf der Promenade im Zentrum von Barcelona wurde in wundervoller Rhythmik durch Trommeln auf den Gitarrenkörpern und durch rassiges Spiel bei „Las Ramblas“ unterstrichen. Die Zugabe mit Querflöte zeigte abschließend, wie ansteckend das Gitarrenspiel durch die Bretonen sein kann.

Eine Konzerterfahrenheit aus dem In- und Ausland durch bereits zahlreich absolvierte Konzertreisen brachte das große „Orchestre des Jeunes de Haute-Bretagne“ (OJHB) mit, das heute aus 80 Musikern im Alter von zwölf bis 25 Jahren besteht und seit 27 Jahren unter der Leitung des erfahrenen und umsichtigen Orchesterchefs Didier Roussel steht. In der Annakirche waren 35 sympathische junge Französinnen und Franzosen versammelt, die mit dem „Walzer aus Dornröschen“ von Tschaikowski gleich zu Beginn eine großartige Klangwirkung in allen Registern in den barocken Raum zauberten.

In der „Air de musetta“ aus „La Bohème“ von Giacomo Puccini hatten zunächst einfühlsam die Streicher die Führung, um dann durch die Bläser und Schlagwerke verstärkt die Schlussakkorde zu einem kraftvollen, furiosen Schluss zu führen. Die schwierige Komposition „Vorspiel und Walzer“ aus „Les Forains“ wurde anschließend durch die rhythmische Vorgabe des Schlagholzes bravourös gemeistert. „Sur les quais du vieux Paris“ hieß es dann graziös und melodiös mit einem Vorspiel der Bläser und Gesang der Streicher. Tänzerisch mit bekannten Melodien kamen schließlich Auszüge aus der Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár daher.

Einen fulminanten, kraftvollen Schlusspunkt setzten die jungen Franzosen  hinter ein grandioses Konzert mit „Le chemin du vent“ mit E-Piano-Begleitung, das nach stehenden Ovationen noch als Zugabe geboten wurde.