Die zweite öffentliche Sitzung des erweiterten Schulausschusses in Haigerloch am Donnerstag lief strukturierter ab, als die erste. Die neue Moderatorin Ute Kinn konnte auch kaum an Ergebnisse aus der ersten Sitzung anknüpfen, sondern musste zuerst zusammen mit dem Plenum die Grundlagen definieren. Das nahm viel Zeit in Anspruch, so dass die vorgesehene Tagesordnung, die in Entscheidungen hätte münden sollen, nicht zu bewältigen war. So ist es immer noch unklar, welchen Weg der Ausschuss dem Haigerlocher Gemeinderat empfehlen wird.

Ein klares Statement gab Maximilian Groß als Vertreter des Staatlichen Schulamtes ab. Er sprach der Stadt ein Kompliment aus für ihre Schulstruktur. "Es wäre wünschenswert", so Groß, "dass diese Struktur erhalten, optimiert und gestärkt wird". Die Stadt müsse bei ihren Entscheidungen natürlich auf die Kosten-Nutzen-Bilanz, administrative Fragen und die Attraktivität des Schulstandortes achten. "Man muss aber unbedingt auch den Schulfrieden ins Kalkül ziehen", betonte Groß. Es wäre nach Ansicht des Schulamtes "fatal, Schulen zu trennen". Auch gegen die Schließung oder Verlagerung von Grundschulen sprach sich Groß aus: Es gelte weiterhin die Prämisse "Kurze Beine, kurze Wege". Außerdem würde dies auch bedeuten, dass Schulbezirke geändert werden müssen. Für seine Stellungnahme erntete der Schulamtsvertreter den Applaus der Eltern, vornehmlich der Witthaugrundschule, die am Donnerstag wieder zahlreich anwesend waren.

Nach diesem Einstieg stellte Moderatorin Ute Kinn die möglichen Szenarien vor: Im Gespräch waren bisher die Verlagerung von Klassen des Gymnasiums oder aber der Eyachtalschule in das Schulgebäude in Stetten, dass mit dem Wechsel der dortigen Werkrealschüler zur Realschule nach Haigerloch bald leer stehen wird, oder alternativ die Verlagerung der Witthauschule nach Stetten. Die vierte Option ist die von allen Seiten favorisierte: der Erhalt aller Schulen an ihrem jeweiligen Standort. Der Knackpunkt bei dieser Lösung ist, dass einerseits das Schulgebäude in Stetten leer stehen würde, andererseits am Schulzentrum Haigerloch Raumnot herrscht. Davon betroffen sind die weiterführenden Schulen, wie die Schulleiter Karin Kriesell für das Gymnasium und Bernd Heiner für die Eyachtal- Real- und Werkrealschule bestätigten. Eine Optimierung der Raumnutzung, um Puffer zu schaffen, sei nicht möglich. Der Eyachtalschule fehlten mindestens vier Klassenzimmer, dem Gymnasium vor allem zwei weitere Fachräume. Wie hoch der Raumbedarf genau ist, soll bis zur nächsten Ausschusssitzung ermittelt werden, um auf dieser Basis mögliche Kosten berechnen zu können. Für die Witthauschule stellte Schulleiterin Iris Schlegel fest, dass es dort keine Raumnot gebe.

Wiederholt erwähnt wurde in der Sitzung der sogenannte Elferbau als Lösungsansatz. Der war vor knapp zehn Jahren zusammen mit dem bestehenden Zehnerbau als Schulzentrum-Erweiterung geplant gewesen, wurde damals aber aus Kostengründen nicht realisiert. Nun könnten die alten Pläne zu neuen Ehren kommen. "Eine wichtige Option", befand Stadträtin Kristin Koschani-Bongers.

Nach den möglichen Szenarien legte das Plenum die Entscheidungskriterien fest. Den Faktoren Kosten/Folgekosten, Flächen-/Raumbedarf und innere Schulorganisation wurde die größte Bedeutung beigemessen. Soziale oder emotionale Gründe, die Nachnutzung der Stettener Schule, Gesamtstadt- und Stadtteilentwicklung oder auch die Schülerzahlen werteten die Ausschussmitglieder als eher unbedeutend. Die Quote an auswärtigen Schülern an den weiterführenden Schulen in Haigerloch ist hoch, liegt bei etwa 40 Prozent. "Wir brauchen eine bestimmte Anzahl von Schülern, sonst leidet die Qualität unserer Schulen", stellte Schulleiter Heiner fest. Er warnte davor, Anfragen aus den umliegenden Städten und Gemeinden abzulehnen. Zuvor war vorgeschlagen worden, auswärtige Schüler ab einer Grenze nicht mehr anzunehmen, um mit dem Aufnahmestopp der Raumnot zu begegnen.

Förderschüler wechseln von Gruol nach Hechingen

SBBZ Das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) an der Grundschule Gruol wird ab dem neuen Schuljahr von dem SBBZ am Standort Hechingen aus mitverwaltet. Gebündelt wird die Verwaltung künftig an der Albert-Schweizer-Schule in Hechingen unter Schulleiter Sven Kremer. Neben dem individuell ausgerichteten Unterricht bieten vielfältige Angebote der Schule Unterstützung und Förderung für die Schüler und ihre Familien. Der Bereich der Kooperation und der Diagnostik wurde weiter ausgebaut.

Wechsel Wie die Leiterin des SBBZ in Gruol, Gudrun Keim, am Donnerstag ankündigte, werden mit dem Schuljahr 2016/2017 die Förderschüler von Gruol nach Hechingen wechseln. In Gruol erhalten bleiben werde aber die Frühförderung und der sozialpädagogische Dienst mit Beratungstätigkeiten sowohl an Kindergärten als auch an Grundschulen und weiterführenden Schulen.

SPA