Ihre Namen wollen sie nicht nennen, ihre Gesichter dem Fotografen nicht zeigen. Im Missionshaus der Weißen Väter in Haigerloch sind Männer und Frauen eingezogen, die wegen ihres Glaubens geflohen sind, und die Angst haben. Angst vor dem langen Arm der Machthaber in ihrem Heimatland, Angst davor, dass sie und vor allem ihre Angehörigen zuhause Repressalien erleiden. Und das aus dem einfachen Grund, dass sie christlichen Glaubens sind. Die Angst ist so groß, die Erfahrungen der Vergangenheit so leidvoll und einschüchternd, dass das Herkunftsland der geflohenen Christen hier nicht genannt werden soll.

Es wird viel gearbeitet im Haigerlocher Missionshaus, das im vergangenen Jahr nach langen Verhandlungen an einen Verein verkauft wurde, der genau diesen verfolgten Freichristen Schutz und Hilfe bietet. Vielen Haigerlochern sind die neuen Mitbürger an der Annahalde bereits aufgefallen. „Sie sind sehr arbeitsam“; stellte ein Anwohner fest. „Es gibt keinen Müßiggang. Das Ackerland wurde wieder urbar gemacht, es wird vieles im Haus repariert und Holz zum Heizen gehackt“, bestätigt Pfarrer i. R. Friedrich Walz aus Engstingen. Als nächstes muss zum Beispiel am Missionshaus eine Brandschutztreppe angebaut werden.

Friedrich Walz begleitet die Glaubensgemeinschaft schon seit vielen Jahren und hilft ihr, im Haigerlocher Missionshaus ein Begegnungszentrum aufzubauen. Auch die Weißen Väter, die vor einem Jahr ins Marienheim in Hechingen umgezogen sind, seien hilfreich zur Stelle, wenn es um Arbeiten und Fragen rund um ihr ehemaliges Domizil geht. Es sei ein lang gehegter Wunsch und ein Glücksfall für die Menschen gewesen, dass die Afrikamissionare das Anwesen nicht irgendwelchen Großinvestoren, sondern dieser kleinen Gemeinschaft verkauft haben. Der Kaufpreis sei innerhalb von nur sechs Wochen mit Spendengeldern aus dem Ausland, vor allem aus den USA, aufgebracht worden, erklärt der ehemalige evangelische Pfarrer.

Das Schicksal dieser Christen ist in Deutschland wenig bekannt: In ihrem atheistischen Heimatland werden sie wegen ihres Glaubens gnadenlos verfolgt, eingesperrt und im schlimmsten Fall sogar gefoltert. Die Machthaber sorgen dafür, dass sie ihren Beruf nicht ausüben können, keine Anstellung finden, und entziehen ihnen auf diese Weise jede Lebensgrundlage. Auch die Zuflucht in ihrer Kirche oder ihrer Glaubensgemeinschaft wird ihnen versperrt. Jeder Treffpunkt, jeder Unterschlupf wird von der „Religionspolizei“ ausgespäht. „Das ist vergleichbar mit der Judenverfolgung im Dritten Reich“, verdeutlicht Walz die Tragweite.

Mit viel Glück ist es manchen von ihnen vor wenigen Jahren gelungen, Touristenvisa zu ergattern und ihr Heimatland zu verlassen, um in Deutschland Asyl zu beantragen. „Damals startete Deutschland dort eine Tourismus­offensive“, erklärt Walz. Aber auch dieses „Schlupfloch“ sei inzwischen gestopft worden.

Natürlich nicht alle, aber doch etliche Geflüchteten hätten mit ihrem Asylantrag Erfolg gehabt, weiß Walz. Sie hätten glaubhaft darstellen können, dass sie in ihrer Heimat verfolgt wurden und wieder würden.

Allerdings seien etwa 80 Prozent der Anträge vom Bundesamt für Migration abgelehnt worden. Viele hundert Betroffene warteten derzeit auf einen Gerichtstermin. Die meisten hätten aus Angst vor Entdeckung und Repressalien alle Verbindungen in ihre Heimat, zu ihren Familien gekappt.

Pfarrer i. R. Walz fühlt sich der kleinen Gemeinschaft, die das alte Haigerlocher Missionshaus mit neuem Leben füllen will, nach den vielen gemeinsamen Jahren sehr verbunden und hat vollstes Verständnis für die große Vorsicht und Anonymität, die sie walten lässt.

Ihr neues Domizil wollen die Freichristen nutzen, um „ruhig mit unseren Glaubensgeschwistern zusammen Gottesdienste zu feiern und die Bibel zu studieren“, sagt eine der Bewohnerinnen, die schon sehr gut Deutsch spricht.

„Sie sind sehr gläubig, wie alle Menschen, die vom Atheismus zum Glauben gefunden haben“, erklärt Pfarrer i. R. Friedrich Walz. „Wir kennen diese Angst in unserer Kirche nicht, sie bringen diese Angst mit.“

Im Februar gibt es ein Willkommensfest


Einladung Abschotten von den Bewohnern Haigerlochs wollen sich die etwa 20 Männer und Frauen im Missionshaus an der Annahalde natürlich nicht. Antrittsbesuche bei Bürgermeister Heinrich Götz in Begleitung von Pater Albert Schrenk, Superior der Weißen Väter, sowie im katholischen und im evangelischen Pfarramt wurden bereits absolviert. Nun soll es am Samstag, 2. Februar (Mariä Lichtmess), im Missionshaus auch ein kleines Einweihungsfest geben. Vertreter der Kirchen, Stadträte und Anwohner will die Gemeinschaft dazu einladen.