Ojerum, ojerum“, klagt der Haigerlocher Städtlesrutscher zurecht über die Fasnet, die dieses Jahr so gar keine ist. Oder doch? Ein bisschen Fasnet ist ja schon. Im Herzen der Närrinnen und Narren sowieso. Außerdem wurden die Christbäume auf den Dorfplätzen zu Narrenbäumen umdekoriert und hier und da flattern sogar bunte Fasnetsbändel im Wind. Aber auch im Netz, auf Facebook & Co. und ein kleines bisschen sogar in Gassen und an Türen weht ein Hauch von Fasnet durch die schwäbisch-alemannischen Lande. Die Narrenvereine in Haigerloch haben sich da jedenfalls so einiges einfallen lassen.

Live bei der Narrenzunft

Ganz vorn steht die altehrwürdige Narrenzunft Haigerloch, die auch mit einer digitalen Fasnet umzugehen weiß. So ist heute Abend um 19 Uhr (wie berichtet) die Entmachtung des Bürgermeisters mit allen Wortgefechten und Pipapo erstmals, live und exklusiv in den sozialen Medien zu erleben. Ähnliches soll mit dem Fasnetsverbrennen am Dienstagabend geschehen.
Auch die Kinder- und Schülerbefreiung am Auseligen muss ja ausfallen. Schade, denn besonders das Auswerfen der Dominos ist eine Tradition, wie aus dem Bilderbuch, wie aus einer anderen Zeit. Die Kinder lieben sie einfach, die derben Sprüche der vermummten Gestalten:
Domino du Lompahond / hosch it gwisst, dass d’ Fasnet konnt? / Heddsch dai Maul mit Wasser griiba, / wäar dr ‘s Geld em Beitl blieba
Damit keine Traurigkeit aufkommt, ruft die Narrenzunft zu einem Fotowettbewerb auf: Also her mit den Schnappschüssen der Kinder in ihren schönsten Häsern!

Reich beschenkt in Hart

Natürlich fällt auch in Hart die Fasnet flach. Aber der Narrenverein hat andere Wege gebahnt, um sich in Erinnerung zu bringen. In Auftrag gegeben und ganz frisch geliefert wurden jetzt robuste Fasntesbecher aus Blech mit NV-Logo, die jedes der zirka 100 Mitglieder an die Haustür geliefert bekommt. Dazu gibt es für die Erwachsenen exklusive „Hüpfer“-Schnäpsle mit Narrenverein-Etikett sowie Süßes  für den Narrensamen. „Als kleines Trostpflaster und als Zeichen dafür, dass wir trotz allem an unsere Mitglieder denken“, sagt Narrenchef Roman Fechter.

Trillfinger clippen auf Facebook

Ein Narrenbaum und bunte Bändel. Mehr Fasnet ist in Hohenschulfingen nicht angesagt? Doch, denn auf alle Fans der Trillfinger Fasnet warten Überraschungen auf Facebook. Am Auseligen Donnerstag, also heute, sowie am Samstag und am Rosenmontag sollte man reinklicken auf „Narrenverein Trillfingen“. „Kleine Clips“ werde es zu sehen geben, verspricht Andrea Preibisch, hüllt sich aber sodann sofort wieder in tiefes Schweigen.

Youtube in Wasserkopfhausen

Einen „digitalen Zunftball” serviert der Narrenverein Bad Imnau in diesem Jahr als Online-Ersatz für ihre traditionelle Saalveranstaltung. Dieser geht pünklich am Fasnetssamstag um 19.33 Uhr auf dem eigens eingerichteten Youtubekanal „Narrenverein Bad Imnau“ online. Gezeigt werden zirka eine Stunde lang neue, eigens für den Onlineauftritt gemachte Sketche und Büttenreden, aber auch Ausschnitte vergangener Auftritte und Umzüge. Schriftführerin Esther Kornwachs und Ausschußmitglied und Conferencierin Ulrike Feinler, welche die vorhandenen Szenen geschnitten hat, werden durchs Programm führen. Das Motto lautet: „Ganz Corona kann uns nicht stoppen. Deshalb müssen wir es online rocken“.

Scherenschleifer packen ein

Obendrein gibt es am Samstag ein Schmankerl der Bad Imnauer Scherenschleifertruppe, aus der eigentlich der Narrenverein hervorging und die huer ihr 60-jähriges Bestehen feiert. Für das Jubiläum der Schleifer wurden eigens drei verschiedene „Scherenschleiferjubiläumstüten“ für „echte Kerle“, für „Ladys“ und für den „Narrensamen“ gemixt. Darin sind je nach Tütenwahl Bier, Sekt, Limonade, Rote Wurst, einzigartige NVI-Teile, Dekomaterial und weitere Überraschungen enthalten. Die bestellte närrische Nahrung wird am Fasnetssamstag von 10 bis 13 Uhr an die Kunden per Bringservice bis zur Haustüre ausgeliefert. Achtung: Die Übergabe sollte kontaktlos erfolgen; der Geldbetrag sollte passend in einem Umschlag bereitgehalten werden.

Die Kittelsteigweible passen

In Bittelbronn ist dieses Jahr gar nichts mit der Fasnet. Die Kittelsteigweible – mit derzeit etwa 60 Aktiven – legen die Hände in den Schoß, obwohl sie eigentlich ihren närrischen 11. Geburtstag zu feiern hätten. „Wir lassen die Finger ganz weg“, sagt Narrenchef Benjamin Hinger. Nicht nur das Risiko, auch der Aufwand  sei zu groß, um unter den aktuellen Bedingungen etwas auf die Beine zu stellen. Denn eine Besonderheit in Bittelbronn muss immer mit bedacht werden: Der 630-Einwohner-Ort verfügt über keine Halle, sondern muss für größere Veranstaltungen immer ein Zelt stellen.

Machtlosigkeit in Gruol

Auch die der Narrenhochburg  Gruol hat man den Kampf gegen die strengen Auflagen aufgegeben. „Der wahre Statthalter ist ein Virus“, verkündet treffend ein Plakat am Gruolemer Narrenbaum.

Salzschlecker stellen sich aus

In Salzschleckerhausen ließ man der Fantasie freien Lauf. So entstand die Idee zu einer Ausstellung im Foyer des alten Schulhauses: „Stettener Fasnet mal anders“ lautet der Titel. Zu sehen sind – durchs Fenster – die Stettener Fasnetsfiguren im Häs und ein tolles Video mit Bildern aus über 50 Jahren örtlicher Fasnetsgeschichte.

Owingen trauert Jubiläum nach

Im Aubenger Narraverein ist irgendwie wie die Luft raus, nachdem das groß angelegte Jubiläum vom 15. bis 17. Januar abgesagt werden musste. Zum Jubiläum hat der Verein lustige Clips ins Netz gestellt. Aber weiter sei nichts geplant, sagt Narrenchefin Denise Henne. „Wir hatten so viel Energie in die Jubiläumsplanungen gesteckt“, erklärt sie. Jetzt habe man eben „akzeptiert, dass nichts geht“. Wenigstens den Kindern werde man noch eine kleine Freude machen: mit Jubiläums-Gummibärle.

Dorfbüttel predigt in Weildorf

Nach der erfolgreichen Narrenbaum-Challenge (wir berichteten) streben auch im Storchendorf die närrischen Kräfte einer eher digitalen Fasnet entgegen: Der Narrenverein Weildorfer Storchen will seine Anhänger  mit „Essen to go“ erfreuen und weil ja auch der Sportlerball ausfällt, kommt der „Dorfbüttel“ am Fasnetssamstag um 20 Uhr eben per WhatsApp zum privaten Hausball ins Wohnzimmer.