Seit rund fünf Jahren schmiedet Maria Nordwig, Inhaberin der OMV-Tankstelle in Stetten, Pläne für ihr Gewerbegrundstück an der B 463, auf dem jetzt noch eine alte Autowerkstatt steht. Erst sollte ein Drogeriemarkt gebaut werden, jetzt ein Getränkemarkt.
Doch der Regionalverband Neckar-Alb (RVNA) schob bisher allen Plänen einen Riegel vor und verhängte ein Planungsgebot für das Gewerbegebiet  „Obere Auchtert“ in Stetten. In der Folge musste die Stadt Haigerloch den Bebauungsplan aus dem Jahr 2009 so abändern, dass sich dort keine Einzelhandelsgeschäfte ansiedeln dürfen. Der Regionalverband argumentiert, dass eine sogenannte „Agglomeration“ von Einzelhandelsbetrieben in dem Gewerbegebiet „negative Auswirkungen auf die Raumordnung erwarten lassen“.

Getränke sind Lebensmittel

Die Stadt hat den Bebauungsplan „Obere Auchtert“ abgeändert und eigentlich soll der Gemeinderat am kommenden Dienstag mit dem Satzungsbeschluss einen Schlussstrich ziehen. Doch laut Aussage von Ortsvorsteher Walter Stocker muss der Bebauungsplan wegen einer kleinen Satzänderung nun noch einmal in die öffentliche Auslegung.
Stocker nutzte die Gelegenheit, im Ortschaftsrat eine Stellungnahme zum Bebauungsplan vorzustellen, die in den Unterlagen zwar anonymisiert ist, aber offensichtlich von der Firma Fristo Getränkemarkt GmbH stammt. Fristo betreibt seit 2012 in der Gruoler Straße in Haigerloch einen Getränkehandel. In der Stellungnahme zitiert die Fristo GmbH aus einer Kundenbefragung vom Mai 2021, wonach dass 33 Prozent ihrer Kunden aus der Kernstadt, 24 Prozent aus Gruol, 18 Prozent aus Stetten und drei Prozent aus Owingen kommen. Des Weiteren stellt die Firma in der Stellungnahme fest, dass Getränke Lebensmittel sind und zur Nahversorgung der Bevölkerung und somit zu „zentrumsnahen Sortimenten“ zählen. Durch die Schließung der beiden Getränkemärkte Uno in Stetten und Lock in Gruol sei eine Lücke in der Getränkeversorgung entstanden, die Kaufkraft aus der Stadt Haigerloch abfließen lasse. Eine solche Lücke könnte durch einen Getränkemarkt bei der OMV-Tankstelle geschlossen werden, argumentiert die Fristo GmbH. Unterstrichen wird zudem, dass in den größeren Haigerlocher Stadtteilen Owingen, Stetten, Gruol und Trillfingen keine direkte Nahversorgung mehr bestehe.
Die Firma Fristo Getränkemarkt GmbH schlägt vor, im Gewerbegebiet „Obere Auchtert“ in Stetten einen Getränkemarkt mit  einer Größe von 490 Quadratmetern, aufgeteilt in 340 Quadratmeter Verkaufsfläche und 150 Quadratmeter Lagerfläche und Nebenräume, zu erstellen.

Abstimmung im Gemeinderat

Der Ortschaftsrat Stetten befürwortet sowohl die Stellungnahme als auch die Baupläne der Fristo GmbH „eins zu eins“. Ein „klassischer Getränkemarkt“ sei an der geplanten  Stelle „absolut tragfähig und auch vom Flächenverbrauch ökologisch vertretbar und sinnvoll“, stellte  Ortsvorsteher Walter Stocker fest.
Doch sowohl der Regionalverband als auch die Stadtverwaltung sind anderer Meinung. In deren Stellungnahmen heißt es, ein Getränkemarkt zusätzlich zu der vorhandenen Tankstelle und dem Lebensmitteldiscounter führe zu einer unerwünschten Einzelhandelsagglomeration im Gewerbegebiet.
Der Gemeinderat entscheidet am Dienstag. Werden in der Neufassung des Bebauungsplanes „Obere Auchtert“ alle „zentrumsrelevanten Sortimente“ ausgeschlossen, bedeutet das auch für den Getränkemarkt as endgültige Aus.

Zentrenrelevante Sortimente

Bei der Bewertung von Einzelhandelsprojekten wird auch geprüft, inwieweit die in dem Projekt geplanten Sortimente innenstadtverträglich und verträglich für andere Zentren oder zentrale Versorgungsbereiche sind. Bei zentrenrelevanten Sortimenten sind negative Auswirkungen auf die Zentrenstruktur, insbesondere auf die Innenstadtentwicklung möglich, wenn sie an nicht integrierten Standorten, zum Beispiel in Gewerbegebieten, angesiedelt werden.