Kritik Nachklapp zum Thema Freibier beim Handwerkerjahrtag

Das Thema kühles Freibier auf Kosten der Stadt wurde im Haigerlocher Gemeinderat heiß diskutiert.
Das Thema kühles Freibier auf Kosten der Stadt wurde im Haigerlocher Gemeinderat heiß diskutiert. © Foto: Archiv
Haigerloch / Andrea Spatzal 26.10.2017

Wie weit soll Vereinsförderung gehen? Ab wann ist ein Verein ein Wirtschaftsunternehmen? Ab wann spricht man von Tradition? Der Haigerlocher Gemeinderat diskutierte am Dienstag schon zum x-ten Mal über die Vereinsförderrichtlinien – jetzt ist ein Knopf dran,  auch wenn’s nur der alte ist.

In der Debatte brachten die CDU-Stadträte Karl-Heinz Schneider  und Walter Stocker den Handwerkerjahrtag am Kirbemontag zur Sprache. Die ärgerten sich darüber, dass sie aus der Zeitung erfahren mussten, dass die Stadt zum ersten Mal seit 13 Jahren die Kosten für den Umtrunk nicht übernommen hat. Bürgermeister Heinrich Götz hatte vor den versammelten Handwerkern in der „Krone“ mit dem Verweis auf die vom Gemeinderat beschlossene neue Hauptsatzung erklärt, dass die Stadt diesmal nur 100 Euro beisteuern könne. (Auf diesen Betrag hat der Gemeinderat im November 2016 die Bewilligung von nicht im Haushaltsplan einzeln ausgewiesenen Freigebigkeitsleistungen reduziert.) Schneider monierte, dass dem Gemeinderat ein Antrag auf Bewilligung der Mittel hätte vorgelegt werden sollen. „Wir haben meines Wissens noch nie eine Freigebigkeistleistung abgelehnt“, stellte Schneider fest. Stattdessen sei der Gemeinderat am Handwerkerjahrtag „vorgeführt“ worden.

Bürgermeister Götz stellte zunächst nochmals klar, dass Stadt die Sitte, den Umtrunk am Handwerkerjahrtag zu finanzieren vor 13 Jahren von der damaligen Schlossbrauerei übernommen habe. „Von Tradition kann also keine Rede sein“, betonte Götz. Wenn es der Gemeinderat aber wünsche, werde er gern wieder mehr Geld überbringen. Er persönlich halte es aber für „unverhältnismäßig“, mehrere hundert Euro für Freibier auszugeben, wenn ein Altennachmittag mit maximal 200 Euro gefördert werde.

Zu dem Thema gab es keine Entscheidung, zumal der Handwerkerjahrtag 2018 auch der 150. sein wird und damit ein Jubiläum, bei dem wohl spezielle Kriterien greifen dürften. Aber FW-Stadtrat und Trillfingens Ortsvorsteher Hermann Heim wollte Klarheit: Wie sieht es mit dem jetzt am 6. November anstehenden Gewerbejahrtag in Trillfingen aus? Auch bei dieser Veranstaltung habe die Stadt jedem Teilnehmer zwei Bier spendiert. Auch diese „Tradition“ scheint zu kippen. Auch am Jahrtag in Trillfingen wird es nun nur noch 100 Euro Freibier-Zuschuss geben.

Ein zweites Thema im Nachgang des Handwerkerjahrtages war die von Jürgen Gress, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Zollern-Alb, in einem Grußwort geäußerten Kritik, dass sich das Gymnasium Haigerloch der kreisweiten Bildungsmesse „Visionen“ „seit Jahren verweigert“. Gress hatte mit der Feststellung auf Götz’ Anregung reagiert, die Handwerkerverbände sollten an die Schulen gehen und aktiv für Handwerksberufe werben.

Götz teilte in der Gemeinderatssitzung am Dienstag mit, dass er in der Sache bei Schulleiterin Karin Kriesell nachgefragt habe. Sie sei von der Vorhaltung „überrascht“ gewesen. Die Kreishandwerkerschaft sei mit dem Anliegen noch nicht auf die Schule zugekommen.