Das Programm des Abends stand unter dem Motto "Ein Abend beim Sonnenkönig", daher bestimmten Impressionen über ein a-moll-Thema aus der Feder des berühmten Gambisten des Sonnenkönigs Ludwig XIV, Marin Marais, den Konzertabend.

Ludwig XIV. von Frankreich engagierte für seine Kammermusik in Versailles nur die auserlesensten Musiker und Komponisten. Unbeschwertheit und Eleganz spiegeln sich in seiner ausgeprägten Neigung zu einer Musik intimen und feinfühligen Charakters. Auf den Modeinstrumenten jener Zeit, der Viola da Gamba und der Theorbe, brachten Gerald Stempfel und Thorsten Bleich mit Empfindsamkeit und natürlicher Leichtigkeit einen fein gezeichneten Hauch französischen Lebensgefühls in die Haigerlocher St.-Anna-Kirche und präsentierten Barockmusik vom Feinsten. Das präzise, detailverliebte, meisterhafte Spiel der beiden Musiker übertrug die Faszination für diese feine, kunstvolle Musik auf die Zuhörer. Eine zauberhafte farbenreiche Welt von obertonreichen Klängen eröffnete sich dem Publikum. Die Musiker machten klar erkenntlich, dass ihre Musik als eine Konversation zwischen den beiden Instrumenten zu verstehen ist. Sie ist zuweilen sehr zärtlich, dann aber auch energisch und kraftvoll. Durch die Intimität dieser speziellen Besetzung bestand im Konzert ein direkter Kontakt zwischen Musiker und Zuhörer - man konnte als Zuhörer das Entstehen der Musik direkt miterleben.

Die Improvisationen über die a-moll-Suiten von Marais, kunstvoll stilisierte und fein differenzierte Tanzsätze französischer Prägung, erfuhren durch das ornamentreiche Musizieren der Künstler ein Eigenleben voller Anmut und Intensität. Mit Feingefühl, makelloser Technik, perfekter Intonation und bewundernswerter Virtuosität nutzten die Solisten an Gambe und Theorbe die vielfältigen Möglichkeiten, die melodisch bewegten Abläufe mit ihrer versteckten Mehrstimmigkeit und ihren harmonischen Ruhepunkten darzustellen und in warme Klangschönheit zu kleiden.

Klug und phantasievoll in der Programmgestaltung, zelebrierten sie geradezu genussvoll, mal sanft und klar, mal kraftvoll und leidenschaftlich in feinsten Schattierungen und in optimaler Übereinstimmung ausdrückliche melancholische Vorhalte oder schnelle filigrane Läufe, wechselten in den imitatorischen Passagen ihre Rollen und schienen sich gegenseitig zu beflügeln. Wenige Zeichen der Kommunikation genügten für ein homogenes und bravouröses Recital, das von den beiden engagierten Musikern mit eloquenter Selbstverständlichkeit vorgetragen wurde, und den Abend im passend festlichen Ambiente der barocken Wallfahrtskirche zu einem großen ästhetischen Vergnügen machte.