Laienspiel Trillfinger Bauerntheater mit Spielfreude, Pfiff und Rasanz

Turbulent geht es beim Bauerntheater des Männergesangvereins Trillfingen zu. Unser Bild zeigt die Schauspieltruppe.
Turbulent geht es beim Bauerntheater des Männergesangvereins Trillfingen zu. Unser Bild zeigt die Schauspieltruppe. © Foto: Wilfried Selinka
Haigerloch / Wilfried Selinka 09.10.2017

Die Theatergruppe des Trillfinger Männergesangvereins hat nach einem Jahr Pause wieder einen Volltreffer gelandet. Es gibt viel zu lachen beim Dreiakter „Der Generationenkrawall“ von Winfried Pohl. Es ist zweifellos eines der besten Stücke der Schauspieltruppe, die bei der Premiere mit viel Spielfreude und einem wahren Feuerwerk an Wortwitz, Spannung und Situationskomik aufwartete.

Das Pubertier ist auch dabei

Die Geschichte ist schnell erzählt: Das Leben von Klaus Hausmann ist komplett aus den Fugen geraten. Zuhause wohnt auch die Schwiegermutter, und die pubertierende Tochter ist ebenfals alles andere als pflegeleicht. Nun gibt es auch noch in der Firma Ärger, denn nach dem Tod des Chefs übernimmt dessen Neffe Kai Schüller das Ruder und möchte alles umkrempeln. Dies trifft nicht nur den leitenden Angestellten Klaus Hausmann, sondern auch seinen Kollegen und Bruder Franz Hausmann mit Familien und die beteiligten Familien sowie den Buchhalter.

Die Rolle von Klaus Hausmann ist Bernhard Hellstern auf den Leib geschnitten: Er beeinflusst das Spiel als impulsiver leitender Angestellter mit seinen cholerischen Ausfällen in besonderem Maß, ob in der viel zu engen langen Unterhose oder in der viel zu engen schwarzen Hose, mit der er auf die Beerdigung seines Chefs gehen muss. Da ist Ehefrau Irene Hausmann eher der ruhende Pol in der Familie, nimmt die cholerischen Anfälle ihres Gatten gelassen hin. Gabi Stehle beweist in ihrer Rolle, was in ihr steckt. Ab und an hörte man aus dem lachenden Publikum den Satz „Wia dahoim!“

Die pubertierende Tochter Evelin im Hause Hausmann, treffend dargestellt von Brigitte Rauscher, hat der Vater eh nicht im Griff: Sie zieht seine Klamotten an und macht nicht einmal vor dem Biervorrat des Vaters Halt. In ihrer Cousine Ines hat Evelin eine Mitstreiterin, die ebenfalls nicht auf den Mund gefallen ist. Julia Gugel verkörpert erfrischend die missratene Tochter, die sich den Erziehungsversuchen ihres Vaters Franz Haueisen ständig widersetzt.

Im Haus von Klaus Hausmann wohnt auch noch die „abgeklärte“ Trude. Margit Cichowski füllt die zum Brüllen komische Rolle der zu Lastern neigenden, zigarrenrauchenden und jedem Schnäpsle zusprechenden Schwiegermutter und Oma voll und ganz aus. In den Rollen als Bruder Franz und Schwägerin Hilde Hausmann bringen Rainer Wimmer und Marion Schmid ihre schauspielerischen Fähigkeiten voll ein, um auch mit Schalk im Nacken die insgesamt verzweifelte Situation zu meistern. Ralf Möllhof als Buchhalter Karl Sesterheim überzeugt besonders durch seine Wandlungsfähigkeit.

Ex- oder Sex-Spielzeug?

Die Stimmung bei Hausmann wird nicht besser, als Kai Schüller, der Erbe des verstorbenen Firmenchefs Kroll, im feinen Zwirn, mit Krawatte und pfälzischen Dialekt mimend mit seiner attraktiven Sekretärin, bestens verkörpert durch Connie Heim, auftaucht. Während das weibliche Geschlecht vom frisch und und munter aufspielenden jungen Erben in der Person von Niklas Heim begeistert ist, sehen die Mitarbeiter aufgrund eines Hörfehlers von Buchhalter Karl rot. Statt der Produktion zusammen mit einem Ex-Spielzeughersteller glauben die aufgebrachten Männer künftig „Sexspielzeug“ produzieren zu müssen.Das Missverständnis führt zu aberwitzigen Szenen, die das Premierenpublikum restlos begeisterten.

Erwähnenswert sind auch das tolle Bühnenbild und die Bühnentechnik, für welche Günter Stehle, Berhard Hellstern und Rainer Wimmer sorgen. Für die Maske ist Claudia Rapp zuständig, und als Souffleuse wirkt Heidi Wimmer mit. Mit frischen Herbstspezialitäten sorgen die Sänger zudem für Kirbeatmosphäre.

Alle Vorstellungen bereits ausverkauft

Wer es bisher versäumt hat, das muntere Treiben mitzuerleben, muss enttäuscht werden, denn die beiden weiteren Vorstellungen am 13. und 14. Oktober sind bereits ausverkauft.